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Ralph Hasenhüttl (2.v.l.) und Ralf Rangnick (2.v.r.) führten RB Leipzig auf Platz zwei © getty images / imago

München - Beim FC Bayern sieht man Aufsteiger RB Leipzig als "besten Konkurrenten". Der Tabellenführer aus München hat gute Gründe, seinen Verfolger ernst zu nehmen.

Beim FC Bayern sieht man RB Leipzig keineswegs als Eintagsfliege.

"Im Moment sind sie unser bester Konkurrent", sagte Bayern-Trainer Carlo Ancelotti über den Bundesliga-Neuling, der nach neun Spieltagen auf dem zweiten Tabellenplatz steht.

Angesprochen auf Ancelottis Einschätzung gab sich RB-Coach Ralph Hasenhüttl nach dem 2:0-Sieg in Darmstadt erst einmal bescheiden.

"Das ehrt uns klarerweise, wenn man uns so gut sieht", meinte der Österreicher: "Aber wir wissen das auch richtig einzuordnen: Wir sind Aufsteiger mit einer jungen Truppe. Die Saison ist noch verdammt lang."

Kampfansage von Hasenhüttl

Doch das Leipziger Understatement scheint langsam zu bröckeln. Denn Hasenhüttl ließ doch noch eine zarte Kampfansage folgen: "Wir wollen natürlich das, was wir uns erarbeitet haben, nicht kampflos wieder hergeben."

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Beim Spitzenreiter in München ist man gewarnt. Auch die Spieler des Rekordmeisters haben die Sachsen auf dem Schirm.

Mats Hummels gestand nach dem 3:1 in Augsburg: "Leipzig ist verdammt hartnäckig, verdammt stark. Sie gewinnen ihre Spiele hochverdient. Deswegen kann es durchaus passieren, dass sie sehr lange vorne mitspielen."

Veh lobt Rangnick

Dass Leipzig dank der Millionen des Brause-Imperiums Red Bull finanziell gut aufgestellt ist, war schon vor der Saison klar. Doch Sportdirektor Ralf Rangnick setzte das Geld des Mutterkonzerns geschickt ein.

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Für SPORT1-Experte Armin Veh ist Rangnick der Vater des Erfolgs: "Er hat den Verein über Jahre aufgebaut", sagte er im Volkswagen Doppelpass: "Ralf ist schon ewig im Geschäft. Er lässt nicht nur die Mannschaft, sondern auch das Umfeld wachsen. Das ist perfekt strukturiert."

Geld gepaart mit Fußball-Kompetenz. Erinnert irgendwie an den FC Bayern.

Konzentriert auch in Darmstadt

Rangnick stellte seinem Coach eine junge, hochtalentierte Truppe zur Verfügung. Und Hasenhüttl holt bisher das Beste aus seiner Mannschaft heraus.

Für die Arbeit des Trainers gibt es Lob von allen Seiten. Auch von den Bayern. Kapitän Philipp Lahm sagte: "Ich habe mit ihm ja noch bei den Bayern-Amateuren zusammengespielt. Er ist ein angenehmer, super Typ. Und anscheinend auch ein sehr, sehr guter Trainer." 

Die Bayern-Verfolger der Vergangenheit schenkten oftmals wichtige Punkte bei vermeintlich schwächeren Gegnern ab. Leipzig dagegen meisterte auch das schwierige Auswärtsspiel in Darmstadt souverän. Das spricht für den Charakter der Mannschaft.

Breit aufgestellt und extrem variabel

Und die Breite des Kaders. Auch hier hatten die Bayern traditionell einen Vorteil gegenüber ihren Jägern. Die Leipziger aber haben genug personelle Ressourcen, um wirkungsvoll zu rotieren und ihre Joker nicht nur als Lückenfüller einzusetzen - sondern als Waffe.

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Den Sieg in Darmstadt brachten zwei Tore des eingewechselten Marcel Sabitzer, schon sieben der 17 Leipziger Tore erzielten Einwechselspieler.

Taktisch ist die Mannschaft außerdem extrem variabel. "Im Moment hat man so das Gefühl, dass in unserem System jeder Spieler fast jede Position bekleiden kann", meinte Hasnhüttl und witzelte sogar mit Blick auf Mittelfeldspieler Nabi Keita: "Ich glaube, wenn du jetzt Keita ins Tor stellst, hält er wahrscheinlich auch noch drei Hundertprozentige."

Fehlende Doppelbelastung

Zum entscheidenden Faktor für RB könnte im Laufe der Saison die fehlende Doppelbelastung sein. Im DFB-Pokal schied Leipzig in Runde eins aus, Europacup-Abende verbringen die Spieler ohnehin (noch) vor dem Fernseher.

Die volle Fokussierung des Verfolgers bereitet Karl-Heinz-Rummenigge schon ein bisschen Sorgen: "Sie lassen nicht locker", stellte der Bayern-Boss fest: "Die haben natürlich auch immer ein schönes Programm: Samstag, Samstag. Sie können sich unter der Woche ausruhen, während die anderen DFB-Pokal und Champions League spielen."

Hasenhüttl sieht das genauso: "Dass wir solche Spiele vier, fünf Tage vorbereiten können und die Trainingsbelastung perfekt steuern können - das ist absolut kein Nachteil."

Am 21. Dezember kommt es in München zum Duell mit Leipzig. Den Bayern wird es also recht sein, dass ihr Champions-League-Spiel gegen Atletico Madrid schon zwei Wochen zuvor stattfindet.

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