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Thomas Müller zeigt sich im Trainingslager der Bayern hochmotiviert © dpa

Doha - Die Matthäus-Kritik? Ist ihm egal! Das neue System? Kommt ihm entgegen! Thomas Müller ist im Trainingslager in Katar hochmotiviert. Dabei steht er eigentlich unter Druck.

Eines hat sich auch im rund 4300 Kilometer von München entfernten Doha nicht verändert: Thomas Müller ist einer der Spaßvögel bei den Bayern.

Im Training am Donnerstagmorgen versuchte der Nationalspieler einen Hula-Hoop-Reifen so zu werfen, dass er zu ihm zurückkommt - sehr zur Freude seiner Mitspieler. Auch sonst lacht Müller viel, flachst gerne mit den Kollegen herum. Mal mit Joshua Kimmich, dann mit Mats Hummels oder Manuel Neuer.

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Doch allein auf die Rolle des Spaßvogels möchte Müller keineswegs reduziert werden. "Ich arbeite schon sehr hart an mir und bin verbissen. Ich möchte mehr spielen als in der Hinrunde", sagte Müller am zweiten Tag des Trainingslagers in Katar in einer Presserunde.

Ungewohnte Situation

Der Nationalspieler steht vor einer entscheidenden Rückrunde. Müller befindet sich in einer ungewohnten Situation, weil er plötzlich liefern muss.

Eine durchwachsene Hinserie liegt hinter dem 27-Jährigen. 21 Mal stand er in der Bundesliga, im DFB-Pokal und in der Champions League auf dem Platz. Die magere Ausbeute: nur drei Törchen.

Christoph Küppers ist für SPORT1 vor Ort in Doha
SPORT1-Reporter Christoph Küppers ist vor Ort im Bayern-Trainingslager in Doha © SPORT1-Grafik: Philipp Heinemann/SPORT1/Getty Images

Müller gibt zu: "Natürlich ist es von den Toren her nicht so wie ich mir das vorstelle. Was die Ausbeute angeht, ist sicher noch Luft nach oben."

Nur was die Ausbeute angeht? Kritiker wie Lothar Matthäus sehen noch mehr Nachholbedarf. Der Rekordnationalspieler erklärte unter der Woche in der Sport Bild, Müller passe nicht ins System von Carlo Ancelotti. Im 4-3-3 mit schnellen Außen, einem echten Mittelstürmer und drei flexiblen Mittelfeldspielern gäbe es für den Weltmeister von 2014 keine passende Position.

Müller lässt Kritik kalt

Müller hat für diese Aussage ein Lächeln übrig und meint: "Dass aus der Presse was kommt, das auch ein bisschen provoziert, ist normal. Das bringt mich aber nicht zum Überlegen oder wirft mich aus der Bahn. Ich habe das Gefühl, dass der Trainer für mich einen Platz hat."

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Doch auch wenn Carlo Ancelotti genau das am Mittwoch explizit betonte und damit die Matthäus-Kritik wegwischte: In der Hinrunde kam Müller bislang zumeist auf dem Flügel zum Einsatz, wo seine Wirkung fast vollständig verpuffte.

Bis zum Hinrunden-Endspurt, als Ancelotti den Angreifer gegen Mainz und Wolfsburg zentral hinter Robert Lewandowski einsetzte - und Müller im zweiten Spiel gleich traf. Der Nationalspieler: "Diese Umstellung kam mir entgegen. Hinter den Spitzen habe ich mich am rechten Fleck gefühlt. Deshalb schaue ich positiv ins neue Jahr."

"Aufstellung ändert sich alle drei Tage"

Problem nur: Im Top-Spiel gegen Leipzig brachte Ancelotti unmittelbar vor Weihnachten auf dieser Position dann wieder den ballsicheren und flexibleren Thiago. Und auch in Doha testete Ancelotti am Donnerstagmorgen auf dem großen Feld den Spanier hinter Robert Lewandowski - wenn auch nur in durchmischten Mannschaften.

Ist Müller aktuell trotzdem nur zweite Wahl? Der Ur-Bayer kontert: "Ich bin natürlich nicht begeistert, weil ich immer hoffe zu spielen. Das hat für die Rückrunde aber keine Bedeutung. Die Aufstellung ändert sich ja alle drei Tage."

Dennoch steht fest: Thomas Müller muss um seinen Platz in der Bayern-Startelf kämpfen. Vermutlich so hart wie noch nie. 

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