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München - Deja-Vu für Bayern-Trainer Carlo Ancelotti: Die Kritik nach dem Doppel-Aus der Bayern ist nichts Neues für den Italiener. Dennoch bleibt er seinen Prinzipien treu.

Die Bosse des FC Bayern wissen genau, wie man schlechte Nachrichten am besten verdrängt: nämlich mit guten.

Nach dem schlagartig geplatzten Triple-Traum bot sich dem Rekordmeister der perfekte Zeitpunkt, um die intern schon seit Monatsbeginn vereinbarte Vertragsverlängerung mit Thiago (bis 2021) offiziell zu machen.

Ebenfalls festgezurrt wurde die Verpflichtung des französischen Rohdiamanten Kingsley Coman (bis 2020), der in dieser Saison jedoch bislang nicht an die Leistungen unter Pep Guardiola anknüpfen konnte.

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Mit diesen beiden wichtigen Personalentscheidungen signalisieren die Bayern, dass sie trotz der sportlichen Misere auf Kontinuität bauen. Von einem totalen Umbruch, wie ihn beispielsweise Ex-Profi Mehmet Scholl prophezeit hatte, will an der Säbener Straße zumindest Ende April niemand etwas wissen.

Rummenigge stützt Ancelotti

Das verdeutlicht auch das Vertrauensvotum für Carlo Ancelotti (57). War der Italiener vor zwei Jahren bei Real Madrid während einer ähnlichen Negativserie gefeuert worden, stellte sich Karl-Heinz Rummenigge nach dem Pokal-Aus gegen Borussia Dortmund schützend vor seinen Trainer.

Ancelotti sei "sehr gut und sehr erfahren", betonte der Vorstandschef in der Bild und erinnerte: "Vor zwei Wochen standen wir noch mit Note 1 plus da."

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Doch was ist seitdem passiert? Zu den Prime-Time-Spielen im April verletzten sich ausgerechnet Leistungsträger wie Manuel Neuer, Mats Hummels oder Robert Lewandowski.

Zweifelsohne hatten auch die Schiedsrichter, vor allem im Rückspiel gegen Real, nicht immer ihren besten Tag erwischt. Und gegen Dortmund wollten dann auch noch gleich mehrere hundertprozentige Chancen nicht den Weg ins Tor finden.

In Ausreden wollen sich die Bayern aber nicht flüchten. Deshalb kommen - spätestens am Saisonende - auch Fragen auf Ancelotti zu.

Hoeneß kritisiert Trainingsmethoden

Wie Präsident Uli Hoeneß bereits in der AZ ankündigte, können Spielertransfers nicht der einzige Schlüssel zum Erfolg sein. Der Klub will an mehreren Schrauben drehen.

So soll allen voran Hoeneß mit Ancelottis Trainingsmethoden unzufrieden sein. Die Einheiten seien dem Boss zu lasch und zu kurz, berichtet die Bild.

Ein Fitnessproblem ist zumindest anhand von Zahlen kaum zu belegen. In der Bundesliga läuft im Schnitt nur der 1. FC Köln (110,7 Kilometer) weniger als die Münchner (111,52), doch das liegt vor allem an der spielerischen Dominanz der Münchner. 

Gegen Real und Dortmund wirkte die Mannschaft vor allem in den Schlussminuten am Limit, musste zumindest gegen die Spanier aber auch lange in Unterzahl spielen.

Déjà-vu für Ancelotti

Mit ähnlichen Vorwürfen sah sich Ancelotti auch in seiner letzten Saison bei Real konfrontiert. Die Bosse der Madrilenen übten damals, als dem Team in der zweiten Saisonhälfte die Puste ausgegangen war, explizite Kritik an Ancelottis Fitnesscoach Giovanni Mauri (60).

Real-Präsident Florentino Perez soll Ancelotti damals sogar vorgeschlagen haben, er dürfe sein Amt behalten, sollte er seinen Intimus aus seinem Stab werfen. Ein No-Go für "Carletto", der mit seinem Team, seiner Familie, durch dick und dünn geht.

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Das verdeutlichte der Coach am Freitag auch auf der Pressekonferenz: "Meine Spieler sind glücklich mit unseren Plänen. Ich spreche jeden Tag mit ihnen. Und selbst, wenn sie nicht glücklich wären: Es wird sich nichts ändern. Das ist meine Philosophie, mein Stil." 

Ehrenwert auf der einen, stur auf der anderen Seite. Nach dem Abschied seines jahrelangen Assistenten Paul Clement (44) zu Swansea City im Januar wollte Ancelotti neben Hermann Gerland keinen neuen Co-Trainer.

Lange Leine: Fluch oder Segen?

Anstelle von Clement, der nahezu alle Übungen leitete und mit seiner britischen Art auch einen Hauch von Schärfe in die bayrische Wohlfühloase brachte, setzt er nun auf seinen Sohn Davide (27) als erste Bezugsperson.

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Da mit Gerland im Sommer auch das letzte externe Sprachrohr in Ancelottis Familie geht - der "Tiger" übernimmt bekanntlich das Nachwuchsleistungszentrum der Bayern - würde Ancelotti ein starker, erfahrener Mann an seiner Seite sicher gut zu Gesicht stehen. 

Ob durch eine Drittmeinung ein Mats Hummels oder ein Robert Lewandowski vor einem Pokal-Halbfinale in der Bundesliga gegen Mainz geschont worden oder Talente wie Kimmich oder Sanches zu mehr Einsatzzeiten gekommen wären, steht zwar in den Sternen.

Aber auch deshalb suchen die Bayern einen neuen Sportdirektor, der als Bindeglied zwischen Trainer, Mannschaft und Vorstand agieren soll und derlei Punkte intern anspricht. Ancelotti selbst hat noch kein Wort zu diesem Thema verloren.

Wer oder was auch kommt: Er wird seinen Grundprinzipien treu bleiben. Immerhin hat er mit der langen Leine bereits drei Mal die Champions League gewonnen.

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