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Heiner Lauterbach ist aktuell mit der Komödie "Unter deutschen Betten" im Kino zu sehen. © SPORT1-Grafik: Davina Knigge/ Getty Images/ Imago

München - Schauspieler und FC-Edelfan Heiner Lauterbach spricht bei SPORT1 über die Krise des 1. FC Köln, Trainer Peter Stöger, den Weggang von Modeste und über Lukas Podolski.

"Wenn Heiner über den FC spricht, leuchten seine Augen", sagte Viktoria Lauterbach im Vorfeld des SPORT1-Interviews mit ihrem Mann. Und sie hatte Recht.

Schauspieler Heiner Lauterbach liebt es, wenn er über den 1. FC Köln reden kann, für den er sogar selbst einst kickte. Auch wenn die Euphorie nach der ersten Europapokal-Teilnahme seit 25 Jahren dem Entsetzen nach dem Horror-Start in die Saison gewichen ist.

Nach sieben Spielen steht die Mannschaft von Trainer Peter Stöger mit nur einem Pünktchen und zwei Toren auf dem letzten Tabellenplatz.

Vor der Partie des FC beim VfB Stuttgart am Freitag (ab 20.30 Uhr im LIVETICKER) spricht Lauterbach bei SPORT1 über die schwierige Situation bei den Geißböcken.

SPORT1: Herr Lauterbach, wie wurden Sie FC-Fan?

Heiner Lauterbach: Ich bin in der Friedrich-Schmidt-Straße in Köln aufgewachsen. Für Nicht-Kölner: Das ist die Straße, die zum Rhein-Energie-Stadion führt. Ich habe in der Jugend einige Jahre beim FC gespielt und war als Kind das erste Mal im Müngersdorfer Stadion. Seitdem ist der FC mein Verein und bleibt es auch ein Leben lang. Die Ratio ist da irgendwie ausgeschaltet. Ich bin ziemlich früh nach München gezogen und natürlich wäre es nervlich und gesundheitlich für mich besser gewesen Bayern-Fan zu werden.

SPORT1: Was sagen Sie zur aktuellen Krise beim 1. FC Köln?

Lauterbach: Wir hatten in den vergangenen Spielen etwas Pech. In den ersten Partien waren wir einfach schlecht. Wir müssen jetzt über den Kampfgeist und die Einsatzbereitschaft kommen. In der vergangenen Saison hatten wir in einigen Spielen auch ganz schön viel Glück und andere Vereine wie Bayer Leverkusen, Schalke 04 und Borussia Mönchengladbach schwächelten erfreulicherweise. 

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SPORT1: Wo sehen Sie das Hauptproblem?

Lauterbach: Dass die Mannschaft nicht vom ersten Spiel an mit der Leistungsbereitschaft und dem Kampfgeist angetreten ist wie zuletzt. Wenn man auch gegen noch so einen technisch starken Gegner spielt, am Ende muss man die Mannschaft sein, die mehr gelaufen ist. Wenn der FC die schlechteren Spieler hat, muss man sich die Lunge aus dem Leib rennen.

SPORT1: Eine Diskussion um Trainer Peter Stöger bleibt aus. Die wäre früher längst losgetreten worden.

Lauterbach: Wir brauchen keine Trainerdiskussion. Einen besseren Coach als Peter Stöger kriegen wir nicht. Auch Geschäftsführer Jörg Schmadtke und Präsident Werner Spinner gefallen mir. Alle stehen zum Trainer. Wir kommen mit Stöger da raus. Jetzt heißt es zusammenstehen und gemeinsam zu alter Stärke finden. Solche Krisen musst du erleben und meistern.

SPORT1-Reporter Reinhard Franke (l.) traf sich im Cord Club in München mit Heiner Lauterbach zum Interview © Reinhard Franke

SPORT1: Trotz der Krise ist es ruhig am Geißbockheim -auch im früher oft hektischen Umfeld.

Lauterbach: Gott sei Dank. Ich finde es gut, dass die Kölner Presse vernünftig bleibt. Es besteht überhaupt kein Grund über Peter Stöger nachzudenken. Er hat in den vergangenen Jahren hervorragende Arbeit geleistet und die für Köln so wichtige Ruhe einkehren lassen. Natürlich muss man auch kritisch sein, wenn kein 100 prozentiger Einsatz gezeigt wird. Zuletzt war die Truppe aber auf einem guten Weg. Stöger trifft die richtigen Entscheidungen.

SPORT1: Aber wie viel Kredit bekommt er noch?

Lauterbach: Ich würde Stöger überhaupt nicht entlassen, notfalls würde ich mit ihm auch in die 2. Liga gehen und den Neuanfang machen. Ich würde ihm dann eine neue Chance geben und noch konsequenter Leute aus der Kölner Region dazuholen. Man muss wieder ein Zusammengehörigkeitsgefühl haben. Als ich beim FC spielte, wurde in der Kabine nur Kölsch gesprochen. Irgendwann gab es dann einen Schweden namens Magnusson und er hat überhaupt nichts verstanden. Was nicht sein darf, ist, dass Leverkusen oder Gladbach gute Kölner Kicker kriegen. Der FC ist schon einige Male aufgestiegen und würde das auch wieder schaffen. Aber noch denke ich nicht an einen Abstieg.

SPORT1: Anthony Modeste war einer der erfolgreichsten Stürmer in der Vereinsgeschichte. Ist sein Weggang der Grund für den Absturz?

Lauterbach: Ich glaube nur begrenzt. Sicher hätte er das eine oder andere Tor geschossen, aber wir würden nicht wesentlich besser dastehen. Ich fand auch, dass Modeste in der vergangenen Saison ziemlich viel Glück hatte bei seinen Toren. Ich war sicher, dass er das nicht annähernd wiederholen könnte und deshalb war ich dafür, ihn zu verkaufen. Wenn einer weg will, dann soll er sowieso gehen. Für diese Wahnsinns-Summe erst recht. Da hat Schmadtke alles richtig gemacht.

SPORT1: Kam die Europa League zu früh für die Kölner?

Lauterbach: Nein. So etwas kommt nie zu früh. Da sammelt der Klub jetzt seine Erfahrungen. Von Dreifachbelastung kann keine Rede sein, denn vor dem ersten Spiel bei Arsenal waren wir schon im Keller. Wir hatten ein Pokalspiel bei einem Achtligisten, ansonsten nur Liga-Alltag. Die Jungs wollen Fußball spielen. Außerdem müssen wir uns etablieren.

SPORT1: Kann ein Claudio Pizzaro mit seinen 39 Jahren helfen?

Lauterbach: Das riecht nicht nach einer visionären und langfristigen Planung in die Zukunft. Aber in der aktuellen Situation kann Pizzaro sicher nicht schaden. Er kann sicher auch die jungen Kollegen motivieren. Er ist vorne in der Box schön abgewichst und kann dadurch einem Jhon Cordoba auch etwas Ruhe vermitteln.

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SPORT1: Viele Kölner träumen immer noch von einer erneuten Rückkehr von Lukas Podolski. Sie auch?

Lauterbach: Nein. Was der Verein nach seinem Abschied wollte, war eine absolute Gleichstellung aller Spieler. Und Poldi hatte immer eine Ausnahmestellung. Er war beim FC ein unglaublich guter Spieler, ist immer noch eine Identifikationsfigur für Köln und stach deshalb etwas hervor. Das wollten die Bosse vermeiden. Und das finde ich richtig, obwohl ich Poldi liebe. Ich sitze mit ihm lieber in seiner Loge und wir schauen gemeinsam die Heimspiele.

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