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München - Das 3:4 gegen Schalke schüttelt Real Madrid. Herunterfallen wird Sami Khedira, auch Trainer Carlo Ancelotti erwischt es wohl. Der Verein macht ernst.

Wie verliert man ein Fußballspiel? "Wir haben in jedem Bereich Probleme: im Angriff, in der Abwehr, in Sachen Einsatz, Motivation und Konzentration", sagte Real Madrids Trainer Carlo Ancelotti nach dem 3:4 gegen den FC Schalke.

Weil das die wichtigsten Aspekte dieses Sports sind, hatte Ancelottis Mannschaft das Viertelfinale der Champions League in schändlicher Weise erreicht. So sehen sie es in Madrid, so müssen sie es sehen.

Schalke wie Donezk - und fast wie Odense

"Das ist nicht gut für unser Image und das des Vereins. Die Pfiffe waren vollkommen gerechtfertigt", sagte Ancelotti weiter.

Der FC Schalke ist für Real Madrid so etwas wie Schachtjor Donezk für den FC Bayern: gefährlich, klar, Qualität und so weiter. In Wirklichkeit vergessen die eigenen Fans zwischen Hin- und Rückspiel wohl den Namen des Gegners, wenn es gegen S04 geht.

Marca verglich das Spiel mit Reals Ausscheiden aus dem UEFA-Pokal 1994/95, als die Mannschaft im Achtelfinale das Hinspiel auswärts 3:2 gewann und wegen eines 0:2 zu Hause ausschied. Der "fast unbekannte" Gegner damals: Odense BK.

Cristiano Ronaldo sah nach dem Schlusspfiff drein, als hätte ihn gerade ein Viertligaspieler vorgeführt. Die Kritik am Tag danach ist so harsch wie erwartbar: "Das Bernabeu schreit basta", schreibt etwa Marca, während El Mundo das "schlechteste Real dieser Saison" sieht und AS über die Defensive urteilt, diese grenze an "Lächerlichkeit".

Pfiffe und Taschentücher

Nach nicht einmal einer Viertelstunde ging das Pfeifen los von den Rängen, am Ende schwangen die weißen Taschentücher durchs Stadion. Das Publikum gab seine Stars auf.

Die Operettengänger fordern Konsequenzen nach der ersten Heimniederlage in der Champions League seit fast vier Jahren. Rund 200 von ihnen warteten nach dem Spiel an der Ausfahrt der Tiefgarage des Stadions und schleuderten jedem Spieler einzeln derbste Beleidigungen entgegen.

Khedira wüst beschimpft

Am heftigsten erwischte es Sami Khedira: Ihn wollte der Mob am liebsten aus dem Leben verabschieden, wenigstens aber nach Schalke. In seinen 58 Minuten auf dem Platz gewann er gerade einmal 33 Prozent seiner Zweikämpfe. Dann kam Rückkehrer Luka Modric für ihn in die Partie, begleitet vom wohl größten Jubel der Heimfans während des ganzen Abends.

Bei Khedira lodert Genervtheit über die schlechten Spiele der letzten Wochen hoch zu Hass. "Nicht den besten Stand" habe er bei den Fans, befand er selbst - eine arge Untertreibung. Seit Monaten machen Madrids Sportblätter Stimmung gegen den Weltmeister, schon im Sommer wären ihn viele am liebsten los geworden. Die starke Weltmeisterschaft und Ancelottis Veto verhinderten einen Wechsel.

Kritik an Ancelotti

Jetzt steht der Trainer selbst vor dem Abschuss. Schon vor dem Rückspiel gegen Schalke machte sich das Gerücht breit, Real werde ihn nach der Saison feuern. Der schwache Start ins neue Jahr reicht in Madrid bereits für die Erkenntnis: Ancelotti bringt die Mannschaft nicht weiter.

Noch immer arbeiten die Offensivspieler zu wenig nach hinten. Ronaldo wird hier gesondert behandelt, Gareth Bale hat Ancelotti aber offenbar nicht im Griff. Lang ist dessen letztes gutes Spiel für die Madrilenen her, ihm verzeiht die Tribüne nichts. Insgesamt lief Real 9,4 Kilometer weniger als Schalke.

Nichts ist mehr ausgeschlossen in Madrid. Vor radikalen Maßnahmen schrecken sie dort ohnehin nicht zurück. Präsident Florentino Perez weiß am besten: Er braucht Schuldige, sonst ist er es selbst.

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