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Madrid - Real Madrid sieht sich als größten Klub der Welt. Entsprechend zelebriert man auch große Pleiten. Nach dem Aus gegen Juve wüten Fans und Medien.

Weltfußballer Cristiano Ronaldo stapfte wütend in die Kabine, hatte das Weinen schon hinter sich, da fing James Rodriguez erst an. Und auch Toni Kroos war einfach nur bedient. "Das ist sehr bitter, es wäre absolut möglich gewesen, ins Finale zu kommen", sagte der Weltmeister nach dem 1:1 (1:0) von Real Madrid im Halbfinal-Rückspiel der Champions League gegen Juventus Turin.

Der Titelverteidiger ist ausgeschieden, nicht zuletzt wegen Kroos' Schlafmützigkeit beim Gegentor.

Im Fokus der Kritik steht aber Trainer Carlo Ancelotti. "Wenn sie den Trainer auswechseln wollen, haben sie das Recht dazu", sagte Ancelotti, nachdem die Saison ohne Titel fast zur Gewissheit geworden war.

Albtraum, Reinfall, Desaster

An die letzte, minimale Chance in der Meisterschaft glaubt bei vier Punkten Rückstand auf den Erzrivalen FC Barcelona zwei Spieltage vor Saisonende niemand mehr. Das Hausblatt Marca schrieb daher vom "Fiasko des Jahrhunderts" und gebrauchte Vokabeln wie Albtraum, Reinfall oder Desaster.

Klubdirektor Emilio Butragueno verweigerte entsprechend ein klares Bekenntnis zu Ancelotti, der noch bis 2016 Vertrag hat.

Es sei das Gebot der Stunde, "zusammenzustehen", meinte die Stürmerlegende. Und auf nochmalige Nachfrage zur Zukunft des Coaches: "Wir sind alle traurig, alles andere ist zweitrangig."

Kroos verteidigt Ancelotti

Wie beliebt Ancelotti bei seinen Spielern ist, verdeutlichte ein Plädoyer von Kroos. "Ich kann nur sagen, dass er ein absoluter Top-Trainer ist", sagte der 25-Jährige bei Sky, "so, wie wir gespielt haben, kann kein schlechter Trainer an der Seitenlinie gestanden haben. Das wissen hoffentlich alle."

Auf seinen entscheidenden Fehler, als er am Sechzehner den gebürtigen Madrilenen und Ex-Realspieler Alvaro Morata vor dessen Treffer zum 1:1 (57.) aus den Augen verlor, wollte Kroos nicht näher eingehen.

Möller kritisiert Kroos

"Der Ball ist abgewehrt, dann haben wir ein bisschen spekuliert, dass er vielleicht im Abseits stehen könnte", sagte er. Wir? Kroos! Der nämlich ließ Morata ziehen. "Er muss sich den Vorwurf gefallen lassen, da nicht energisch genug zu stören", sagte Sky-Experte Andreas Möller zur fraglichen Szene.

Für Kroos war dagegen "das Entscheidende, dass wir aus den vielen Möglichkeiten nur ein Tor machen. Das ist viel, viel zu wenig."

Enttäuschender Auftritt von Ronaldo

Nur Ronaldo traf (23., Foulelfmeter). Der Portugiese zog mit seinem 77. Tor in der Königsklasse wieder mit Barcas Lionel Messi gleich, hatte ansonsten aber einen enttäuschenden Auftritt.

Der auffälligere Gareth Bale vergab die besten Möglichkeiten und wurde von der britischen Presse als "Gareth Fail" (etwa: Fehlschuss-Gareth) verspottet. Einige Fans erwarteten den Waliser nach dem Spiel vor der Garagenausfahrt und beschimpften ihn als "cabron", was sich sachte als "Mistkerl" übersetzen lässt.

Fans wollen Mourinho zurück

Der verletzte Luka Modric wurde abermals schmerzlich vermisst, er erlebte die letzten Sekunden vor dem Aus am Eingang zum Spielertunnel neben dem nicht berücksichtigten Weltmeister Sami Khedira.

Als feststand, dass auch Real nicht als erste Mannschaft den Champions-League-Titel erfolgreich verteidigen würde, wandten sich die Fans von ihren Lieblingen ab.

Die Spieler ernteten Pfiffe, die Ultras forderten den Kopf von Präsident Florentino Perez und skandierten "Mourinho, Mourinho". Dessen Nachfolger Ancelotti meinte, er würde gerne bleiben. "Doch ich weiß auch, wie der Fußball funktioniert."

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