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Athen und München - Für die Bayern-Fans gibt es Polizeischutz, das Stadion ist ein Hexenkessel. Ex-Olympiakos-Profi Jose Holebas erklärt bei SPORT1 den FCB-Auftaktgegner.

Das seit Tagen kursierende Wort "Griechenhölle" klingt bedrohlich.

Für die Fans des FC Bayern dürfte es tatsächlich kein angenehmer Ausflug werden, wenn sie ihren Verein am Mittwochabend beim Champions-League-Auftakt bei Olympiakos Piräus (ab 20.15 Uhr im LIVETICKER) unterstützen.

Die 1600 FCB-Anhänger erwarten in Athen Hunderte gewaltbereite Olympiakos-Ultras, die die Metrostation am Karaiskakis-Stadion als ihr Territorium betrachten.

Daher hat der Verein eigens Shuttle-Busse für seine Fans organisiert, die mit Polizeischutz zum Stadion geleitet werden.

In der mit 33.300 Zuschauern ausverkauften Arena erwarten die Bayern dann Pyro-Fackeln und Rauchbomben sowie fanatische Fans.

"Keine Wohlfühloase"

"Ich denke, was die Fans angeht, ist es grundsätzlich für alle Gegner bei Olympiakos keine Wohlfühloase", sagt der frühere Olympiakos- und 1860 München-Profi Jose Holebas im Gespräch mit SPORT1.

"Alle Anhänger werden wie immer Vollgas geben. Dass jetzt aber konkret die politische Situation auf das Spiel eine Auswirkung haben wird, kann ich mir nicht vorstellen. Hoffen wir einfach, dass es rund um das Match ruhig bleiben wird auf den Rängen."

Dennoch warnt Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge vor der "aufgeheizten Stimmung": "Andere große Vereine haben hier schon ihr blaues Wunder erlebt, das wollen wir vermeiden." Eine Mannschaft mit so großer Erfahrung dürfe sich davon aber "nicht aus der Ruhe bringen lassen".

Olympiakos mit Traumstart

Holebas wechselte 2010 von den "Löwen" zu Olympiakos, wurde gleich in seinem ersten Jahr griechischer Meister, später Nationalspieler und WM-Teilnehmer. Wie schätzt er die Chancen für seinen Ex-Klub ein?

"Olympiakos hat jetzt mit neun Punkten aus drei Spielen in der griechischen Liga schon wieder einen Traumstart hingelegt", meint der gebürtige Franke und fügt wohlwissend hinzu: "Zwar haben auch die Bayern bisher alle Spiele gewonnen, dennoch hat man gegen Augsburg gesehen, dass sie noch nicht ihre absolute Top-Form erreicht haben."

Zwar seien die Gäste "natürlich der klare Favorit. Aber mit den fanatischen Anhängern im Rücken im Karaiskakis-Stadion kann Olympiakos auch mal über sich hinauswachsen".

Hexenkessel als Vorteil

Der größte Vorteil für Olympiakos sei "sicherlich der eigene Hexenkessel. Doch bei Bayern spielen bekanntlich auch nicht die unerfahrensten Spieler. Vielleicht ist aber am Mittwoch genau der Tag wie etwa für Bayern letzte Saison in Porto. In Normalform dürfte aber der FCB kaum zu schlagen sein für Olympiakos", meint Holebas. 

Insgesamt schätzt er die Chancen aufs Weiterkommen in der Gruppe mit dem FC Arsenal und Dinamo Zagreb als gering ein: "Es wird verdammt schwierig, aber chancenlos sind sie nicht."

Schließlich gewann Olympiakos vergangene Saison in der Königsklasse alle Heimspiele, darunter auch gegen den späteren Finalisten Juventus Turin, und wurde zum 42. Mal Meister.

"Olympiakos war zu meiner Zeit die beste Mannschaft Griechenlands und sie sind es auch heute immer noch - wenn sie sich nicht selbst im Weg stehen, werden sie auch diese Saison wieder Meister", sagt Holebas.

"Der Verein hat natürlich immer das Problem, dass er in der eigenen heimischen Liga relativ wenig gefordert ist. Gegen internationale Top-Teams müssen sie dann auf einmal größtenteils nur verteidigen - etwas, das sie aus dem Ligaalltag nicht kennen."

Umstrittener Klubboss

Der große Macher ist der Besitzer des Klubs, Evangelos Marinakis, der sein Geld trotz der großen Krise weiter in den Klub pumpt.

Der 48-Jährige ist der Haupteigentümer der Unternehmensgruppe Capital Maritime & Trading Corp mit einem Börsenwert von knapp einer Milliarde Dollar. 2010 erwarb Marinakis die Aktienmehrheit von Olympiakos.

Allerdings ist der "griechische Berlusconi" in einen Manipulationsskandal verstrickt und wurde national sogar für alle Fußballaktivitäten gesperrt.

Im Sommer gab es einen erneuten Skandal, dass Marinakis an Absprachen über Spielresultate beteiligt gewesen sein soll. Die Staatsanwaltschaft ließ ihn nur gegen Zahlung einer Kaution in Höhe von 200.000 Euro wieder auf freien Fuß.

Trotzdem sperrte die UEFA Marinakis nicht und wies auch die Anträge der beiden Rivalen Panathinaikos und AEK Athen auf einen Ausschluss von Olympiakos aus der Champions League zurück.

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