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Ottmar Hitzfeld gewann mit Borussia Dortmund und dem FC Bayern die Champions League © SPORT1-Grafik: Paul Hänel/Getty Images

München - Vor dem zweiten Gruppenspiel des FC Bayern in der Champions League gegen Atletico Madrid spricht Ottmar Hitzfeld bei SPORT1 über die Münchner, Carlo Ancelotti und Neuzugang Renato Sanches.

Ottmar Hitzfeld genießt das Leben ohne Fußballstress.

Nach der Weltmeisterschaft 2014 beendete der heute 67-Jährige, der 1997 mit Borussia Dortmund und 2001 mit dem FC Bayern die Champions League gewann, seine erfolgreiche Trainer-Laufbahn.

Mit dem letzten Engagement als Schweizer Nationaltrainer war Schluss. Doch der frühere Erfolgscoach ist immer noch nah am Fußballgeschehen. 

Vor dem Spiel der Münchner bei Atletico Madrid (ab 20.15 Uhr LIVE in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER) spricht Hitzfeld im SPORT1-Interview über den Rekordmeister, Carlo Ancelotti und Pep Guardiola.

SPORT1-Reporter Reinhard Franke (l.) traf Trainerlegende Ottmar Hitzfeld zum Interview

SPORT1: Herr Hitzfeld, bei Bayern München stotterte zuletzt in der Liga etwas der Motor. Wie sehen Sie es?

Hitzfeld: Der FC Bayern ist sehr erfolgreich, das geht gerade etwas unter, so mein Gefühl. Man erwartet einfach immer zu viel von diesem Klub, setzt den perfekten Fußball voraus - und dass dieser immer in Siege umgemünzt wird. Carlo Ancelotti ist ein erfahrener Trainer und die Mannschaft ist für ihn ganz neu. Die Mannschaft muss erst versuchen, all seine Ideen zu begreifen und umzusetzen. Bayern hat natürlich immer noch überragende Einzelspieler. Auch wenn man optisch zuletzt nicht so überragend spielte, so ist man dennoch sehr effizient. Das zeichnet Ancelotti aus.

SPORT1: Ein Sorgenkind ist bisher Renato Sanches. Er ist noch nicht angekommen in München. Woran liegt das?

Hitzfeld: Das liegt am Alter, man darf nicht vergessen, dass er erst 19 Jahre alt ist. Er war angeschlagen und es war ein teurer Transfer, von daher ist die Erwartungshaltung dementsprechend hoch. Und Sanches kam im Sommer nicht zu irgendeinem Bundesliga-Klub, sondern zu Bayern. Die Konkurrenz-Situation muss der Junge auch erst mal begreifen und dann annehmen. Ich finde es ganz normal, dass er noch Zeit braucht.

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SPORT1: Mit Ancelotti menschelt es mehr als unter Pep Guardiola. Das haben viele Experten gesagt. Wie sehen Sie ihn im Vergleich zu Guardiola?

Hitzfeld: Spitzentrainer können mit verschiedenen Methoden erfolgreich sein. Ich denke, dass mit Ancelotti ein Trainer nach München gekommen ist, der die Spieler auch mal in den Arm nimmt und ein persönliches Gespräch führt. Das zahlen die Spieler dann natürlich zurück. Guardiola hat auch großartige Qualitäten, aber er sucht mehr den technischen Kontakt mit den Spielern. Bei ihm geht es nur um die Sache, bei Ancelotti spielt die private Situation eine wichtige Rolle. Das halte ich für wichtig und angemessen.

SPORT1: Wie fällt Ihre Bayern-Bilanz bisher aus?

Hitzfeld: Bayern hat schon einige Hürden geschafft. Auf Schalke war es nicht so einfach, dennoch hat man sich am Ende durchgesetzt. Die Heimspiele sind okay, da lässt man keine Fragen offen. Ancelotti ist auf dem richtigen Weg. Um die Mannschaft weiterzuentwickeln, brauchte er einen guten Start und den hatte er.

SPORT1: Waren Sie früher eigentlich mehr Guardiola oder mehr Ancelotti?

Hitzfeld: (lacht) Ich war ein Trainer, der viel die Kommunikation mit der Mannschaft gesucht hat. Ich möchte aber beide Trainer gar nicht bewerten oder differenzieren. Das wäre nicht fair gegenüber den Beiden. Jeder hat seine Philosophie und sie sind erfolgreich mit ihrem Stil.

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SPORT1: Wie sehen Sie den FC Bayern in der Champions League?

Hitzfeld: Bayern hat gegen Atletico Madrid ein schweres Spiel vor der Brust. Die Spanier haben die Münchner in der vergangenen Saison im Halbfinale schon mal rausgeworfen, da ist noch eine Rechnung offen. Die Bayern sind gewarnt.

SPORT1: Bei Atletico hat zuletzt Trainer Diego Simeone seinen Vertrag verkürzt. Zeigt das seine ganze Macht in dem Klub?

Hitzfeld: Atletico war in den vergangenen Jahren gleich Simeone. Ihm ist es zu verdanken, dass man international den ganz großen Mannschaften Paroli bieten konnte und diese Erfolgsstory erleben durfte. Ohne Simeone würde Atletico auch nicht um die ersten vier Plätze spielen. Er ist der Alleinherrscher und mit ihm wurde Außergewöhnliches erreicht.

SPORT1: Atletico und Real bekamen bis 2018 eine Transfersperre aufgebrummt. Wie denken Sie darüber?

Hitzfeld: Als Verein muss man Auflagen erfüllen. Irgendwann darf man sich nicht zu hoch verschulden, weil das auch ungerecht ist gegenüber den anderen Vereinen, die wie Bayern erfolgreich wirtschaften. Der FCB ist für mich immer noch der bestgeführte Klub in der Welt. Immer wieder so eine positive Bilanz aufzuweisen und dann in der Weltspitze zu sein, das ist vorbildlich.

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