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Augsburg - Deutschland leistet sich gegen die Slowakei zwei Wochen vor EM-Start eine blamable Testspiel-Niederlage. SPORT1 analysiert, warum das kein Grund zur Panik ist.

Der Titel ist das Ziel bei der EM für Bundestrainer Joachim Löw und seine Weltmeister. Das haben die Verantwortlichen völlig zu Recht immer wieder selbstbewusst betont.

Der Auftritt bei der denkwürdigen, aber letztlich blamablen 1:3-Niederlage gegen die Slowakei dürfte einige Fans aufgeschreckt haben.

Für Löw war das Spiel die letzte Chance, vor der endgültigen Kader-Nominierung noch einmal etwas auszuprobieren. Zumindest in der ersten Halbzeit wird er wichtige Erkenntnisse gewonnen haben.

Auch SPORT1 zieht die Lehren aus dem Bauchplatscher von Augsburg:

1. Zeit der Experimente ist vorbei

Exakt zwei Wochen waren es am Sonntag noch bis zum ersten EM-Gruppenspiel gegen die Ukraine. Gegen die Slowaken probierte Löw sicherlich zum letzten Mal noch Dinge aus, von der Dreierkette bis zum alleinigen Sechser Sami Khedira.

"Da waren wir im Mittelfeld phasenweise ein bisschen offen, da war neben Sami Khedira rechts und links ein bisschen Platz", bilanzierte Löw. Aushilfs-Kapitän Khedira braucht entweder einen rackernden Schweinsteiger an seiner Seite. Oder eben Spieler wie Kroos und Özil vor sich, die den Spielaufbau übernehmen, damit er selbst aufräumen kann.

Die Dreierkette bleibt trotz des konfusen Auftritts Ende der ersten Halbzeit eine Option, im Test gegen Italien im März funktionierte sie gegen einen starken Gegner schon einmal blendend.

2. Kader-Entscheidung einfacher als gedacht

Die von Beginn an als potenzielle Streichkandidaten gehandelten Youngster Julian Brandt, Julian Weigl, Leroy Sane und Joshua Kimmich müssen weiter zittern. Denn nach dem Test ließ Löw durchblicken, dass die Entscheidung zu einem guten Teil auch eine medizinische sein wird.

"Wir werden uns am Montag mit den Medizinern zusammensetzen und eine Standortbestimmung machen", sagte Löw: "Natürlich entscheiden die Mediziner bei dem einen oder anderen Spieler ein bisschen mit. Ich möchte bei den verletzten Spielern schon das Okay vom Arzt, dass es keine Risiken für die nächsten Wochen birgt."

(Der EM-Spielplan: Hier downloaden und ausdrucken!)

Mögliche Härtefälle sind Kapitän Bastian Schweinsteiger und Mats Hummels. Löws Worte bedeuten letztlich aber auch, dass wohl keiner der Etablierten um seinen Platz fürchten muss, wenn die Ärzte den Daumen heben. Damit wären bis zu 20 Tickets schon fix vergeben. 

Sollten Schweinsteiger und Hummels das Okay bekommen, könnte es allenfalls noch Ergänzungsspieler wie Karim Bellarabi oder Andre Schürrle treffen. Am ehesten können sich dann noch der vielseitige Kimmich und der hochveranlagte Sane Chancen ausrechnen.

3. In der Abwehr drückt der Schuh

Die defensiven Patzer gegen die Slowaken waren ein deutlicher Warnschuss. Dass eine offensiv limitierte Truppe wie die der Slowakei so leicht zu drei Toren kommen kann, darf einem Weltmeister nicht passieren.

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"Wir können nicht gegen so eine Mannschaft die ganze Zeit hinterherrennen. Da sind wir schlecht angelaufen, haben dem Gegner viel zu sehr den Ball überlassen. Wir haben keine Zweikämpfe angenommen", kritisierte Abwehrchef Jerome Boateng. Auch zwei Gegentore nach Eckbällen sprechen eine deutliche Sprache. Boateng: "Standards müssen wir auf jeden Fall auch noch einmal trainieren."

Umso bitterer ist es, dass das erfahrene zentrale Duo Boateng/Hummels zu Turnierbeginn wohl nicht zusammenspielen kann.

4. Gomez tut dem Spiel gut

Der frischgebackene türkische Meister strotzt vor Selbstvertrauen, ist körperlich und mental voll auf der Höhe und bringt ein physisches Element ins Spiel, was den vielen unechten Stürmern im Kader abgeht.

In Augsburg bot Gomez immer wieder interessante Pass-Optionen an - die müssen von den Mitspielern nur noch erkannt werden. "Mario war in den letzten Jahren nicht ganz so häufig bei der Nationalmannschaft, wir müssen ein paar Details wie die Laufwege noch abstimmen", erklärte auch Löw.

Wenn das mit Passkünstlern wie Toni Kroos oder Mesut Özil aber gelingt, kann Gomez zur entscheidenden Waffe im Abschluss werden.

5. Kein Grund zur Panik!

Eine Stärke von Löw war es immer, das DFB-Team auf den Punkt perfekt vorzubereiten. Testspiel-Ergebnisse sind da auch schon mal zweitrangig. Vor der WM 2014 gab es ein 2:2 gegen Kamerun, vor der EM 2012 ein 3:5 gegen die Schweiz.

Der Fokus wird in den kommenden zwei Wochen sicherlich auf der Defensivarbeit liegen. Offensiv gab es auch in Augsburg viele gute Ansätze. Bedenkt man, dass mit Kroos, Özil und Thomas Müller drei Weltklassespieler fehlten und dann immer noch - sofern fit - Marco Reus auf Einsätze brennt, muss vor dem EM-Auftakt keine Panik ausbrechen.

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