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Der eher brave Manuel Neuer bekommt als DFB-Kapitän den Vorzug vor dem meinungsstarken Jerome Boateng. Bundestrainer Joachim Löw verpasst eine Chance.

Bundestrainer Joachim Löw hat Manuel Neuer zum neuen Kapitän des DFB-Teams und damit zum Nachfolger des zurückgetretenen Bastian Schweinsteiger bestimmt. Es ist auch eine Entscheidung gegen Jerome Boateng.

Man kann Löws Entschluss logisch und vernünftig finden. Es ist auf jeden Fall der harmonischere Weg. Doch genau darin liegt auch das Problem der DFB-Auswahl. Lassen wir einmal die mögliche Ernennung Boatengs als politisches Statement außen vor.

Boateng selbst hatte zwar betont, dass er stolz sein würde, der erste dunkelhäutige Kapitän der deutschen Fußballgeschichte zu sein. Die Kapitänsfrage hatte er damit zu einer symbolträchtigen aufgeladen, ihr eine gesellschaftspolitische Dimension verpasst.

Doch darum darf es nicht gehen. Das DFB-Team ist keine ideologische Ethikkommission, die Rolle des Kapitäns kein Staatsamt. Es geht nicht um hell- oder dunkelhäutig, sondern allein um die Frage, wer der richtige Vorsteher der Nationalmannschaft ist.

Genau an diesem Punkt gibt es aber eben auch triftige Gründe für Boateng.

Im Vergleich zu Neuer als Torhüter würde Boateng als Feldspieler während einer Begegnung besser Einfluss auf die eigenen Mitspieler nehmen können. Übrigens auch auf den Schiedsrichter.

Vor allem aber hat sich Boateng im Gegensatz zu Neuer in letzter Zeit zu einem meinungsstarken Wortführer entwickelt. Boateng spricht die Missstände nach innen wie nach außen deutlich an.

Bei der EM in Frankreich ist das DFB-Team auch gescheitert, weil zu wenig Reibung im innerbetrieblichen Klima geherrscht hat. Löw ist diese Harmonie wichtig, und sie ist ja auch per se nicht negativ.

In den letzten zwei Jahren nach dem WM-Triumph hat sich jedoch der Eindruck manifestiert, dass der Nationalmannschaft ein paar Reizpunkte gut täten.

Deshalb wäre Boateng als Kapitän die bessere Wahl gewesen.

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