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München - Nach dem EM-Sieg gegen Nordirland richten die polnischen Nationalspieler ihren Blick nun auf das Duell mit Deutschland. Vor allem Robert Lewandowski ist heiß.

Der morgendliche Blick in den Spiegel dürfte für Robert Lewandowski ein kleiner Schreckmoment gewesen sein.

Kratzer auf der linken Wange zieren sein Gesicht nach der nordirischen Dauerattacke - und der nächste Kampf steht schon bevor: Am Donnerstag will "Ringer" Lewandowski den Weltmeister zu Fall bringen (ab 20 Uhr LIVE in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER).      

"Für mich ist Deutschland der Favorit für das ganze Turnier. Aber alles kann passieren. Wir müssen ruhig bleiben und selbstbewusst sein", sagte der Stürmerstar von Bayern München nach dem historischen 1:0 (0:0) in Nizza gegen Nordirland, dem ersten EM-Sieg in der polnischen Fußballgeschichte. 

Der Kapitän gab auch gleich die Parole für das möglicherweise entscheidende Duell um den Gruppensieg in Paris aus: "Keine Angst, kein Stress! Wir müssen auch Spaß haben."

Keine schlottternden Knie   

Die Zeiten, in denen polnische Nationalspieler mit schlotternden Knien gegen den Nachbarn aufliefen, sind spätestens nach dem denkwürdigen 2:0-Heimsieg in der EM-Qualifikation vorbei. Nach dem "Festival in Nizza" (Zeitung Fakt) erwartet die Heimat gegen Deutschland ein Duell auf Augenhöhe.

"Dziekuje! Dziekuje!", danke, danke, sangen die Fans, die ihre Helden bei der nächtlichen Ankunft am Teamhotel begeistert in Empfang nahmen.     

Auch Polens Präsident Andrzej Duda, der mit Fan-Schal auf der Tribüne saß, hat die Euphorie gepackt. "Gratulation und Dank an unsere Fußballer! Das ist der erste Sieg, ein historischer", twitterte er.

Beinharte Bewacher für Lewandowski  

Schön war der Sieg aber nicht, vor allem nicht für Lewandowski. Gepiesackt, gezerrt und getreten wurde der Torschützenkönig der Bundesliga und der EM-Qualifikation, er musste es gleich mit drei beinharten Bewachern der nordirischen Fünferkette aufnehmen. 

Lewandowksi stemmte sich mit seinem robusten Körper dagegen - er gewann trotzdem nur 18 Prozent seiner Zweikämpfe. "Lewandowski war ein Ringer", sagte Polens Fußball-Ikone Grzegorz Lato.    

Mit dieser Taktik nahm der EM-Debütant Nordirland den gefährlichsten Angreifer zwar weitestgehend aus dem Spiel, doch in die Lücken stieß ein anderer. Arkadiusz Milik wirbelte und dribbelte - nicht immer gefährlich, aber immer auffällig.

Der 22-Jährige, bei Bayer Leverkusen und dem FC Augsburg durchs Raster gefallen, beendete mit seinem Siegtreffer (51.) den Fluch der Polen, die in ihren zwei EM-Endrunden zuvor sieglos geblieben waren.    

Mehr als ein Schattenmann

Der Angreifer von Ajax Amsterdam bewies eindrucksvoll, dass er mehr ist als nur Lewandowskis Schattenmann. Und dass er charakterlich gereift ist, denn feiern lassen wollte sich das größte polnische Talent nicht.

"Ich habe auch ein paar dumme Fehler gemacht und Chancen liegen gelassen", sagte Milik, an dem unter anderem die englischen Topklubs FC Arsenal und der FC Liverpool mit Teammanager Jürgen Klopp interessiert sein sollen.    

Im zweiten Gruppenspiel will aber auch Lewandowski wieder glänzen. Dass er die meisten seiner Gegenspieler aus der Bundesliga kennt, sei jedoch kein Vorteil. "Die kennen mich ja auch sehr gut, wir alle kennen uns gut", sagte der 27-Jährige: "Deutschland hat super Spieler, auf jeder Position große Qualität."    

Eine übertriebene Manndeckung ist nicht das Markenzeichen der DFB-Elf. Das wird Robert Lewandowski freuen.

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