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München - CDU-Innenpolitiker Wolfgang Bosbach hat das Sicherheitskonzept und die Kooperationsbereitschaft der französischen Sicherheitsbehörden scharf kritisiert.

Der Bundestagsabgeordnete Wolfgang Bosbach (CDU), bis 2015 Vorsitzender des Innenausschusses des Deutschen Bundestages, hat das Vorgehen der französischen Polizei und Sicherheitsbehörden bei den Hooligan-Attacken und schweren Ausschreitungen rund um die EM 2016 in Marseille, Nizza und Lille scharf kritisiert.

"Wenn es stimmt, dass bis zur Stunde kein einziger Hooligan verhaftet worden ist, dann kann ich das angesichts der Bilder und dramatischer Vorkommnisse nicht verstehen.

Weil bekannt war, dass es sich um ein Hochrisikospiel handelt zwischen England und Russland, sowie am Donnerstag auch bei dem Spiel von unserer Nationalmannschaft gegen Polen, sind wir doch alle überrascht, dass es überhaupt zu solchen Ausschreitungen hat kommen können. Zumal die Gewaltbereitschaft der russischen Hooligans bekannt war", sagte der Innenpolitik-Experte in EM Aktuell auf SPORT1.

Zur Deeskalation "gehöre sichtbare Polizei"

Natürlich sei die Situation am Alten Hafen von Marseille "in diesem verwinkelten Gelände schwieriger zu lösen" gewesen als an anderen Stellen. "Aber dass Marseille eine verwinkelte Altstadt hat, das war auch schon vorher bekannt", so Bosbach.

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Und weiter: "Es ist nicht so, dass man sich ausschließlich auf die Bekämpfung von Terrorismus konzentriert hat. Hooliganismus war ein Thema auf allen Sicherheitskonferenzen vor der EM. Ich war überrascht, dass bei den Vorfällen in Lille, als deutsche Hooligans Fans attackiert haben, zunächst keine Polizei vor Ort war. Deeskalation ist wichtig, dazu gehört auch sichtbare Polizei."

Frage nach Meldeauflagen

Bosbach forderte die französischen Behörden auf, nun stärker mit den Behörden und Verbänden der Teilnehmerländer zu kooperieren. Die nationalen Verbände "kennen ihre Pappenheimer",so Bosbach. Der DFB habe sich im Vorfeld "gerade um die Sicherheitsfragen enorme Gedanken gemacht."

Außerdem stellte Bosbach die Frage, ob es sich bei den rund 50 deutschen Hooligans in Lille, die im Vorfeld des Spiels zwischen Deutschland und der Ukraine in der Innenstadt randalierten, "eigentlich um alte Bekannte" gehandelt habe. "Ich möchte gerne wissen, ob das alte Bekannte sind, und wenn ja, welche Auflagen es gegeben hat, um sie an der Ausreise zu hindern", so Bosbach.

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