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Revolverheld Perform At Hesse Day In Herborn
Joahannes Strate ist mit Revolverheld vom 1. Juli bis 26. November auf MTV-Unplugged-Tour © Getty Images

München - Vor dem deutschen Achtelfinale spricht Revolverheld-Sänger Johannes Strate bei SPORT1 über die DFB-Elf, seine Liebe zu Island - und Mario Götzes Entwicklung.

Mit seiner Band Revolverheld ist Johannes Strate seit vielen Jahren auf Erfolgskurs.

Das Herz des 36 Jahre alten Sängers schlägt aber nicht nur für die Musik, sondern auch den Fußball. 2008 präsentierten Revolverheld daher auch den offiziellen EM-Song "Helden".

Vor dem Achtelfinale zwischen Deutschland und der Slowakei am Sonntag (ab 18 Uhr LIVE in unserem Sportradio SPORT1.fm und im LIVETICKER) spricht Strate über die DFB-Elf, Joachim Löw und Joshua Kimmich.   

SPORT1: Herr Strate, die Vorrunde ist vorbei. Wie fällt Ihr Fazit aus deutscher Sicht aus?

Johannes Strate: Gut. Es klingt immer so negativ, wenn man das sagt, aber die deutsche Mannschaft hat absolut solide gespielt. Die Defensive stand souverän, natürlich gab es in der ersten Partie gegen die Ukraine den einen oder anderen Wackler, aber es gibt keinen Grund zur Sorge. Die Jungs spielen nicht wie in der Bundesliga jede Woche und das über Jahre zusammen - sie müssen sich erst eingrooven. Es war eine gute Vorrunde und ich bin mir sicher, dass für uns noch alles möglich ist. Es gibt noch kein Über-Team, das jeden weggehauen hat. Die Spanier haben verloren und die Italiener haben in meinen Augen pomadig gespielt. Alles wie immer. (lacht)

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SPORT1: Wie schwer wird es gegen die Slowakei? Der Gegner wird hinten Beton anrühren.

Strate: Es ist okay, dass die Slowaken selbstbewusste Töne spucken, aber wir werden gewinnen. Punkt. Die können sich zwar hinten reinstellen, aber wir schießen ein, zwei Tore. Und wenn es in die Verlängerung gehen sollte, dann gehen wir nach 120 Minuten als Sieger vom Platz. Und sollte es in der K.o.-Phase Elfmeterschießen geben, haben wir mit Manuel Neuer sowieso einen Riesen-Vorteil, da kann uns keiner das Wasser reichen. Wenn wir ein Tor machen, wird es für die Slowaken ganz schwer, weil sie selber nicht das Spiel machen können.

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Revolverheld erreichten mit dem EM-Song "Helden" 2008 Platz 2 der deutschen Single-Charts © Getty Images

SPORT1: Der EM-Song 2008 von Revolverheld hieß "Helden". Wer sind bisher Ihre EM-Helden?

Strate: Ich fand die Isländer als Team spektakulär. Ich freue mich über deren Leistung, auch weil ich ein großer Island-Fan bin. Ich war schon oft dort und mag die Menschen und die Mentalität sehr. Deshalb freut es mich natürlich, dass das Land nicht nur Kanonenfutter bei der EM ist, sondern bisher auch prima mitgespielt hat. Solche Geschichten mögen die Menschen und ich auch.

SPORT1: Und gibt es einen Spieler, der Sie besonders erfreut?

Strate: Na klar, bei Deutschland hat im Spiel gegen Nordirland Joshua Kimmich unfassbar gut gespielt. Das ist ein geiler Spieler, er ist so jung und zielstrebig mit wahnsinnig viel Talent. Von dem Jungen wird man in den nächsten zehn - mein Gott er ist noch so jung - 15 Jahren viel hören.

SPORT1: Ist Kimmich der neue Philipp Lahm?

Strate: Es ist viel zu früh, das zu sagen. Kimmich ist wahnsinnig jung und es ist noch nicht absehbar, ob er diese Konstanz wird halten können. Und man weiß auch nicht, ob er die Physis hat, die er braucht, wenn er mal eine schwere Verletzung haben sollte, die ich ihm nicht wünsche. Ich kann nicht beurteilen, wie er sich entwickeln wird, aber er ist auf einem ganz tollen Weg. Ich würde mir wünschen, dass er das Niveau konstant hält und sich weiter verbessert, dann wird er auf der großen Weltbühne eine Rolle spielen.

SPORT1: Wie sehen Sie Joachim Löw? Die leise Kritik nach dem Polen-Spiel schien ihm gar nichts auszumachen.

Strate: Ich denke einfach, dass er bei der Konstellation in der Vorrunde gewusst hat, dass er das mit dem Team schaffen wird. Nach der Kritik gegen Polen hätte ich mich an seiner Stelle auch nicht aufgeregt. Es ist doch richtig, ruhig zu bleiben und das auch auszustrahlen anstatt den Spielern zu suggerieren: Oje, das wird eine wackelige Angelegenheit. Wir haben im nächsten Spiel danach mit breiter Brust gespielt. Löw ist einfach ein erfahrener Trainer.

SPORT1: Mario Götze kommt auch bei der EM nicht richtig in Fahrt. Warum?

Strate: Wenn ich das wüsste. Mario tut mir sehr leid. Die ganze Entwicklung bei Bayern ist tragisch. Plötzlich so auf dem Abstellgleis zu stehen, muss verdammt weh tun. Er ist so ein talentierter Junge. Ich weiß nicht, wie gut er beraten wird von seiner Familie. Für die Werbung ist er komischerweise nach wie vor interessant. Er ist ein cooler Typ und ich finde es so schade, dass er bei der EM bisher nicht geknipst hat. Er hatte gegen Nordirland einiges auf dem Fuß und vielleicht wären dann einige Kritiker ruhig. So wird es nicht leichter für ihn. Ich bin gespannt, wie er sich in der neuen Saison entwickelt. Ein Vereinswechsel wäre nicht die schlechteste Idee.

SPORT1: Viele sagen Löw sollte Leroy Sane endlich mal bringen. Vielleicht sogar mal von Anfang an?

Strate: Löw hat alles richtig gemacht. Es gibt für ihn keinen Grund viel zu verändern. Man muss von Spiel zu Spiel schauen. Sane ist auch noch sehr jung, er hat bei Schalke in der abgelaufenen Saison Licht und Schatten gezeigt. Ich sehe es nicht als zwingend an, dass er von Anfang an kommen sollte.

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SPORT1: Etwas anderes: An Cristiano Ronaldo reiben sich grad mal wieder die Kritiker. Er selbst pfefferte während des Turniers das Mikro eines Journalisten in den See. Wie ist Ihre Meinung zu ihm?

Strate: Ronaldo ist ein super Typ. Trotz solcher Aktionen ist er ein sehr sozialer Kerl, der sich immer um alle kümmert. Man muss nur mal Mesut Özil fragen. Als er damals zu Real kam, wäre Ronaldo der Erste gewesen, der auf ihn zukam und seine Hilfe angeboten hat, meinte Özil. Natürlich ist Ronaldo eitel, das ist auch sein Image, aber er ist eine große Marke, die sich weltweit verkauft. Er ist in erster Linie ein unglaublich guter Fußballer, einer der besten der Welt, aber er kriegt immer eins in die Fresse. Das Ronaldo-Bashing braucht kein Mensch. Ich an seiner Stelle wäre schon viel früher ausgerastet und hätte viel mehr Mikros im See versenkt.

SPORT1: Letzte Frage: Wer wird Europameister?

Strate: Das ist echt schwierig. Bei dem Turnierbaum sind gerade fast alle Favoriten auf einer Seite, auf der anderen die vermeintlichen Kleinen. Es wird definitiv einen sehr überraschenden Final-Teilnehmer geben. Wenn ItalienSpanien schlägt, wird Italien Europameister.

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