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FBL-EURO-2016-MATCH21-ESP-TUR
Andres Iniesta (r.) und seine Teamkollegen präsentierten sich gegen die Türkei in überragender Form © Getty Images

Die herausragende Vorstellung beim 3:0 über die Türkei lässt selbst Vicente del Bosque vom EM-Finale träumen. Vorne zaubert Iniesta, defensiv steht ein wahres Bollwerk.

Die ganze Schönheit des spanischen Spiels war in diesem einen fast perfekten Angriff zu bewundern.

Neun von elf Spielern um Taktgeber Andrés Iniesta passen sich 48 Sekunden lang traumhaft sicher den Ball zu, 21 Mal kommen verzweifelte Türken zu spät. Der krönende Schlussakkord dieser Tiki-Taka-Vorführung ist die letzte Ballberührung durch Alvaro Morata zum 3:0 (48.).

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Ja, das Tor hätte wegen der Abseitsstellung von Vorbereiter Jordi Alba nicht zählen dürfen, und dennoch war sich nicht nur ganz Spanien sicher: In diesem magischen Augenblick hat Fußball-Europa den kommenden Champion gesehen.

Presse feiert Spanien

"So spielen die Meister! Olé, Olé, Olé!", jubelte die spanische Zeitung Marca nach dem überlegenen 3:0 (2:0)-Sieg des Titelverteidigers im zweiten Gruppenspiel am Freitag in Nizza gegen überforderte Türken. (Presse: "Spanien verbreitet Panik")

"Spanien zu sehen, ist wie ein Besuch beim Cirque du Soleil mit den Kindern und Großeltern", schrieb Marca weiter. Auch das Sportblatt AS legte nach der bis dahin besten Turnierleistung aller EM-Teilnehmer jede Zurückhaltung ab: "Die Weltmeisterschaft ist beerdigt und das große und unaufhaltsame Spanien ist wieder da."

Das WM-Debakel vor zwei Jahren mit dem peinlichen Vorrundenaus als Titelverteidiger scheinen die Spanier überwunden zu haben. Sinnbildlich dafür steht Andrés Iniesta. Der 32-Jährige, der bereits als Auslaufmodell galt, als Symbol für den Niedergang der Goldenen Generation der Iberer, ist bislang der Spieler des Turniers.

Iniesta in Weltklasse-Form

Auch gegen die Türkei war der 1,71 m kleine Barca-Profi der große Taktgeber. "Iniestas 9. Sinfonie", schrieb Marca und nahm das Spiel in die neun besten Auftritte des Mittelfeldspielers bei großen Turnieren auf.

Dort aufgelistet ist auch sein Weltklasse-Auftritt im ersten Gruppenspiel gegen Tschechien (1:0), für das er von der UEFA jedoch nicht in die EM-Elf des Spieltags gewählt worden war. Das hatte in Spanien für große Empörung gesorgt. Iniesta aber ist das egal. "Ich muss nichts beweisen", sagte der Ballzauberer. Wichtig sei nur "die Sieger-Mentalität" seiner Mannschaft in den ersten beiden Spielen.

Das Achtelfinale hat Spanien bereits locker erreicht, im Duell gegen Kroatien am Dienstag (ab 20.30 Uhr im LIVETICKER und in unserem Sportradio SPORT1.fm) in Bordeaux reicht dem Europameister der vergangenen beiden Endrunden ein Unentschieden zum Gruppensieg. 

Der herausragende Auftritt gegen die Türkei brachte selbst den sonst so zurückhaltenen Trainer Vicente del Bosque dazu, bereits vom Endspiel zu sprechen. "Es war perfekt, aber wir haben noch nichts gewonnen. Mal sehen, ob wir bis ins Finale kommen", sagte der 65-Jährige.

Effektivität und defensives Bollwerk

Ein Grund für den gestiegenen Optimismus ist die neue Effektivität, nachdem gegen Tschechien noch reihenweise beste Chancen vergeben wurden. Die Torschützen Nolito (37.) und Morata (34. und 48.) erstickten die Stürmerdebatte im Keim.

Und die Abwehr um das Innenverteidiger-Duo Ramos und Pique steht sowieso wie ein Bollwerk: Seit sieben EM-Spielen hat Spanien kein Gegentor kassiert - Rekord!

Spaniens neue Nummer eins David de Gea brach derweil einen 50 Jahre alten Rekord: In seinen ersten fünf Pflichtspielen als Nationalspieler hielt er jeweils seinen Kasten sauber und überbot damit die Serie des Engländers Gordon Banks aus dem Jahr 1966 um acht Minuten.

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