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FBL-GER-BUNDESLIGA-SCHALKE-EINTRACHT
Enorm schnell, extrem beweglich und torgefährlich: Leroy Sane. © Getty Images

München - Leroy Sane ist das nächste große Talent, das den Sprung aus der Knappenschmiede geschafft hat. Schalke schirmt ihn ab. Für den Hype um ihn hat Sane aber selbst gesorgt.

Mit 19 Jahren gegen Real Madrid ein Traumtor zu erzielen, macht einen unweigerlich berühmt - und kann einem schon mal den Kopf verdrehen.

Nicht so Leroy Sane. Auf dem Zettel internationaler Topklubs war das Schalker Offensiv-Juwel schon vor seinem Schlenzer von der rechten Strafraumkante in den Winkel beim 4:3 gegen Real im Achtelfinale der Champions League in der vergangenen Saison. Und dass er nicht abhebt wird, dafür sorgen nicht nur die Schalker Bosse, sondern auch Sanes Eltern.

In dieser Saison drehte der Wuschelkopf richtig auf. Am ersten Spieltag bereitete er mit einem sehenswerten Sturmlauf Klaas-Jan Huntelaars Tor beim 3:0 in Bremen vor, in Stuttgart (1:0), Frankfurt (2:0) und nun beim HSV (1:0) traf Sane, Markenzeichen: immense Schnelligkeit, gute Technik und enormes Bewegungstalent, selbst.

Ob Sane seinen Torlauf nun auch in der Europa League fortsetzt? Am Donnerstag geht es für Schalke gegen den griechischen Klub Asteras Tripolis (ab 19 Uhr im LIVETICKER und in unserem Sportradio SPORT1.fm).

Heldt rechtfertigt Maulkorb

Nach dem Sieg in Hamburg verhängten die Schalker dem Offensiv-Allrounder einen Maulkorb. Bodyguards geleiteten ihn von der Kabine zum Mannschaftsbus. "Der Druck soll nicht zu groß werden. Dafür will ich sorgen", begründete Trainer Andre Breitenreiter die Entscheidung.

Nun hat auch Sportvorstand Horst Heldt das Interview-Verbot für das Talent erklärt. "Wir verbieten niemandem den Mund", sagte er dem "kicker", wandte aber ein: "Einerseits wurden wir kritisiert, dass wir 2013 die Vertragsverlängerung von Julian Draxler offensiv verkündet haben. Jetzt werden wir kritisiert, dass wir uns bemühen, die gehypten, jungen Spielern etwas zu schützen."

Für den Hype um ihn hat Sane aber mit seinen Tempoläufen, seinen Tricks am Ball und seinen Toren ganz alleine gesorgt. Nun will Schalke ihn davor schützen, wie zuvor der mittlerweile nach Wolfsburg geflohene Julian Draxler (22) und Regisseur Max Meyer (20) in ein mentales Loch zu fallen, wenn die Leistungen mal kurzzeitig nicht mehr stimmen sollten.

Dass das normal ist bei jungen Spielern, wird schließlich viel zu gerne vergessen. Im Übrigen nicht nur von Fans und Medien, sondern oft auch von den Klub-Verantwortlichen.

Ob dabei ein Interview-Verbot hilft, sei dahingestellt. Bei Sane, bei dem Breitenreiter vor allem defensiv noch viel Luft nach oben sieht, scheint ohnehin eher die Frage, wie lange ihn Schalke halten kann.

Liverpool soll 15 Millionen Ablöse geboten haben

Zwar unterschrieb er im Juli einen Vertrag bis 2019, zuvor hatte er nur einen Ausbildungsvertrag gehabt, dennoch lockte bereits die Premier League. Heldt gab zu, dass der FC Liverpool ein Angebot für Sane abgab. "Es gab schon den einen oder anderen namhaften Verein, der sich gemeldet hat. Liverpool war bereit, Geld zu zahlen", sagte er der Bild.

Wie das Blatt berichtete, sollen die Reds 15 Millionen Euro Ablöse geboten haben für den 19-Jährigen. Schalke lehnte ab.

Sane, der letzte Saison nebenbei noch die A-Junioren zur Meisterschaft führte, dem Vernehmen nach auch. "Die Angebote haben uns und den Spieler überhaupt nicht interessiert. Ich bin in dieser Personalie ganz unaufgeregt", sagte Heldt.

Auch, weil alle bhei Schalke wissen, dass Sane  im Ruhrgebiet verwurzelt und ein absoluter Familienmensch ist. "Leroy ist auf einem guten Weg. Er ist geerdet und wird ein großer Spieler, wenn er sich so weiterentwickelt", sagte auch Kapitän Benedikt Höwedes bei SPORT1.

Es ist schwer vorstellbar, dass Sane in absehbarer Zeit weit weg von seinen Eltern und zwei Brüdern leben möchte. Leroy ist in Essen geboren und in Wattenscheid aufgewachsen, wo sein Vater Souleyman Sane bis heute eine Legende ist. 39 Tore erzielte der Anfang der neunziger Jahre für den Bochumer Stadtteilklub in der Bundesliga.

Mutter Regina holte Bronze bei Olympia

Leroys Mutter Regina Weber gewann 1984 bei OIympia in Los Angeles Bronze in der Rhythmischen Sportgymnastik - bis heute ist es die einzige Medaille einer Deutschen in dieser Disziplin geblieben.

Leroys jüngerer Bruder Sidi gehört der Knappenschmiede an, sein um ein Jahr älterer Bruder Kim spielte bis zum Sommer für die zweite Mannschaft der Schalker, wechselte im Juli aber zur U23 des 1. FC Nürnberg. Relativ weit weg vom Ruhrgebiet, aber eben auch ein Ex-Klub des Vaters.

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