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London und München - Einige Köln-Fans sorgen beim Europacup-Comeback gegen Arsenal für Chaos. SPORT1 erklärt, wie es dazu kam - und was dem Klub jetzt droht.

Es hätte so eine wunderbare Rückkehr auf die europäische Bühne werden können.

Die Anhänger des 1. FC Köln sangen sich schon am frühen Mittag warm, sorgten mit ihrem lautstarken und friedlichen Fanmarsch durch die Straßen Londons zum Emirates Stadium für eine Gänsehaut-Atmosphäre.

Dort angekommen zerstörten aber etwa einhundert Chaoten die gute Stimmung - und sorgten dafür, dass der Anpfiff des ersten Kölner Europapokal-Spiels seit 25 Jahren gegen den FC Arsenal (1:3) um eine Stunde verschoben wurde.

Laut FC-Manager Jörg Schmadtke stand die Partie sogar "relativ eng" vor einer Absage. Einen Anteil daran hatte aber auch der FC Arsenal.

Was war genau passiert? Und welche Konsequenzen drohen den Kölnern jetzt? SPORT1 beantwortet die wichtigsten Fragen.

- Wie kam es zu dem Blocksturm?

Bis zu 20.000 Kölner Fans weilten am Donnerstag in der englischen Hauptstadt, um ihren FC zu sehen.

Allerdings hatte Arsenal den Gästen nur rund 2900 Tickets zur Verfügung gestellt. Demnach war die klare Mehrheit der Anhänger aus Deutschland ohne Eintrittskarte angereist.

Offensichtlich alkoholisiert versuchten sich einige vor dem Anpfiff gewaltsam Zugang zum Stadion zu verschaffen. Sie durchbrachen die äußere Sicherheitslinie, scheiterten aber bei dem Versuch, ins Stadion einzudringen.

Die Aggressivität einiger Köln-Anhänger zeigte sich auch im Stadion. Eine Gruppe von 50 Menschen prügelte sich mit Ordnern. Die Metropolitan Police nahm im Laufe des Abends fünf Personen in Gewahrsam.

- Warum stand eine Spielabsage zur Debatte?

Der Blocksturm war tatsächlich eher sekundär für die Verzögerung des Spielbeginns verantwortlich. Ein Arsenal-Sprecher bestätigte am Freitag, dass "Stau" im Zuge der Ticketprüfung der Hauptgrund für die Diskussionen um eine Spielabsage gewesen sei.

Viele Köln-Fans hatten auf anderen Wegen Tickets erworben und bisweilen sogar Arsenal-Trikots gekauft und angezogen, bis sie im Stadion waren, da der englische Pokalsieger zwei Tage vor der Partie kurzfristig bekanntgegeben hatte, Köln-Fans mit Karten für den restlichen Stadionbereich den Eintritt zu untersagen.

Dieser Plan scheiterte: Am Ende befanden sich mehr als 8000 statt der vorgesehenen 2900 FC-Anhänger im Emirates.

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Die Gunners fürchteten um die Sicherheit ihrer Fans und verschärften ihre Kontrollen - wohl auch wegen der vielen Terroranschläge, die in letzter Zeit London heimsuchten.

"Wir haben alle Maßnahmen getroffen, die verhindern sollten, dass Eintrittskarten an Gästefans gegeben werden. Aber viele Karten wurden auf dem Schwarzmarkt verkauft. Das ist sehr enttäuschend", hieß es in dem Statement des Klubs.

- Wie reagieren die Vereine?

Arsenal kündigte eine "eingehende Untersuchung" der Vorfälle an. Man sei bereit, für die Zukunft daraus zu lernen.

Die Kölner gaben am späten Nachmittag eine Stellungnahme ab. Darin gaben die Geißböcke den Gastgebern eine Mitschuld am Fan-Chaos. Zuvor hatte bereits Vize-Präsident Harald "Toni" Schumacher am SPORT1-Mikrofon scharfe Kritik am eigenen Anhang geäußert.

"Ich kann das nicht gutheißen. Ich verstehe die Motivation, wenn 10.000 bis 20.000 Kölner da sind, aber es kommen nur 2900 ins Stadion. Wir sind hier Gäste und müssen uns wie Gäste benehmen", sagte er.

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Weltmeister Lukas Podolski, einst für beide Vereine im Einsatz, verteidigte die Kölner Fans via Twitter: "Wegen 50 Leuten wird alles schlecht gemacht. Lächerlich! Die Stimmung im Stadion war geil."

Und auch FC-Torwartlegende Bodo Illgner nahm "99 Prozent" der Anhänger in Schutz:

- Was droht Köln?

So viel ist sicher: "Die Nacht der Schande" (Daily Mirror) wird Konsequenzen haben. Die Europäische Fußball-Union teilte am Freitag mit, gegen den Bundesligisten zu ermitteln.

Am 21. September wird der Vorfall durch die Ethik- und Disziplinarkommision der UEFA behandelt.

Köln werden vier Vergehen zur Last gelegt: Das Abbrennen von Feuerwerkskörpern, das Werfen von Objekten sowie Zuschauer-Ausschreitungen und Sachbeschädigung.

Eine Sanktion ist unumgänglich. Und trübt das Bild vom märchenhaften Europapokal-Abenteuer des FC.

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