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Baku - Joachim Löws Team lässt in Aserbaidschan nichts anbrennen und siegt souverän. Andre Schürrle glänzt mit drei Torbeteiligungen - und spricht über Vertrauen.

Seine Erinnerung an einen besonderen Abend sicherte sich Andre Schürrle nur Sekunden nach dem Abpfiff.

Der deutsche Doppeltorschütze tauschte sein Trikot lachend mit seinem aserbaidschanischen Gegenspieler, danach warf er sich eine DFB-Jacke über und schlenderte stolz zu den ersten Fernseh-Interviews. "Der Weg nach Russland ist geebnet", sagte er.

Das war auch Schürrles Verdienst. Beim 4:1 (3:1) in Baku hatte der Überraschungsgast in der deutschen Startelf die Weltmeister mit einer bärenstarken Leistung in Griffweite des erneuten WM-Tickets geführt.

Erstes Länderspiel von Beginn an seit eineinhalb Jahren, erste Tore seit Juni 2015 - der Dortmunder hatte allen Grund zur Freude.

Schürrle dankt Löw

"Ich konnte 90 Minuten durchspielen, ich konnte meine Position finden, ich konnte meine Position vorm Tor finden", erklärte er hinterher seine starke Leistung.

Und führte diese auch auf Bundestrainer Joachim Löw zurück.

"Ich fühle mich hier pudelwohl, der Trainer schenkt mir auch öffentlich das Vertrauen. Das kann ich ihm mit Leistung zurückzahlen", sagte Schürrle.

Es war auch ein deutlicher Verweis auf Borussia Dortmund und Thomas Tuchel, bei dem der Weltmeister derzeit nur eine Nebenrolle spielt: "Wenn man wenig spielt, fehlt etwas das Vertrauen...", setzte Schürrle an, biss sich dann aber merklich auf die Zunge.

Zugleich nahm sich Schürrle auch selbst in die Pflicht und nahm sich vor, "dass ich meine Leistung auch in Dortmund bringe."

Hummels: "Haben arrogant gespielt"

Selbstverständlich ahnt auch Löw, dass dem Titelverteidiger der WM-Startplatz für 2018 angesichts einer makellosen Bilanz von fünf Siegen aus fünf Spielen bereits zur Halbzeit der Qualifikation kaum noch zu nehmen ist.

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Zufrieden war er aufgrund einiger Nachlässigkeiten aber "nur bedingt": "Es ist nicht alles Gold, was glänzt", sagte er bei RTL. Mats Hummels klagte: "Wir haben arrogant gespielt und Aserbaidschan dadurch zwei Klassen besser aussehen lassen als sie eigentlich waren."

Auch Schürrle sprach die anfänglichen Schwächen im deutschen Defensivspiel an. "Wir waren in den Zweikämpfen zu locker", betonte er: "Aber in den entscheidenden Momenten waren wir da und haben den Sack zugemacht."

Der 26-Jährige traf für die zu Beginn unerklärlich fahrige deutsche Mannschaft zum 1:0 (19.) und zum 4:1 (81.), zudem bereitete er das 2:1 (36.) durch Thomas Müller vor. Das 3:1 erzielte Mario Gomez (45.).

© iM Football

Aue-Profi beendet deutsche Serie

Das Wackeln der Defensive wurde zur ärgerlichen Randnotiz. Mit seinem Tor zum zwischenzeitlichen 1:1 (31.) hatte Dmitri Nasarow von Erzgebirge Aue die deutsche Rekordserie nach exakt 678 Minuten ohne Gegentor gestoppt. (Das Spiel zum Nachlesen im Ticker)

Vor Aserbaidschan hatte die Nationalmannschaftsführung intensiv gewarnt. Manager Oliver Bierhoff mahnte noch kurz vor dem Anpfiff, das Spiel könne "Pokalcharakter bekommen". So begann das Duell tatsächlich. Der Favorit war überlegen - trotz phasenweise intensiven Forecheckings der Gastgeber. Aserbaidschan setzte bei den zu häufigen deutschen Ballverlusten auf Angriffe, die wie Überfälle anmuteten.

Der deutschen Mannschaft mangelte es an Konzentration - Löw sprang auf und schimpfte. Chancen gab es lange nicht, weil Julian Draxler, Schürrle und auch Müller sich mit ihren Rochaden gegenseitig verwirrten. (Tabelle der Gruppe C)

Der erste vernünftige Angriff aber saß. Draxler spielte aus der Zentrale auf den freistehenden Jonas Hector, der den Ball auflegte - Schürrle schob bequem zu seinem 21. Länderspieltor ein. Wenig später hätte es 0:2 stehen können, doch Kimmich zögerte zu lange (22.).

Leno erhält Vorzug vor ter Stegen

Löw hatte nach den Experimenten gegen England (1:0) auf ein Gerüst aus sieben Weltmeistern gesetzt. Neben Schürrle gab es eine weitere Überraschung: Bernd Leno erhielt im Tor den Vorzug vor Marc-André ter Stegen. Mehr als Rückpässe bekam er selten zu verarbeiten - beim Ausgleich war der Leverkusener chancenlos. 

Für einige Minuten brodelte es nach dem 1:1 im mit 30.000 Zuschauern ausverkauften Tofik-Bachramow-Stadion, dann kühlte Müller die Fans ab: Nach Steilpass Schürrles umspielte er Torhüter Kamran Agajew. Gomez' Kopfballtor brachte, was Löw gefordert hatte: "Wir wollen unsere Ruhe haben."

Nächstes Spiel im Juni

Davon gab es in der zweiten Halbzeit reichlich. Der Elan der Azeris war dahin, Deutschland tat nicht mehr als nötig, um das Spiel souverän zu kontrollieren. Löw brachte Mesut Özil, der wegen Rückenproblemen geschont worden war, für Gomez (61.). Schürrle rückte in den Sturm und traf noch einmal.

Weiter geht es für die deutsche Nationalmannschaft in der Qualifikation am 10. Juni (20.45 Uhr/RTL) in Nürnberg gegen San Marino. Vier Tage zuvor spielen die Weltmeister in Kopenhagen gegen Dänemark. (Ergebnisse und Spielplan der WM-Quali)

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