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SPORT1-Redakteur Martin Volkmar berichtete u.a. bei den Weltmeisterschaften 2002 und 2006 über Italiens Nationalteam © SPORT1-Grafik: Getty Images/iStock

Das blamable WM-Aus für Italiens überalterte Nationalelf ist die Quittung für jahrelanges Missmanagement. Das historische Debakel kann aber auch sein Gutes haben.

Als die italienische Nationalmannschaft bei der WM 1974 kläglich in der Vorrunde scheiterte, wurde das Team bei der Rückkehr von aufgebrachten Tifosi mit Tomaten und faulen Eiern beworfen.

Die Lektion zeigte Wirkung, die Squadra Azzurra überstand in den nächsten 32 Jahren immer die Gruppenphase und wurde sogar 1982 und 2006 Weltmeister.

Doch seit dem größten Triumph vor elf Jahren ging es steil abwärts. Nach den peinlichen Vorrunden-K.o.'s 2010 und 2014 folgte nun der Super-Gau: Erstmals seit 1958 verpasste das Fußball-Land Italien eine WM-Endrunde - und das völlig zu Recht.

Die überalterte Mannschaft, in der in Buffon, Barzagli und de Rossi gar noch drei Weltmeister von 2006 standen, und der überforderte Trainer Gian Piero Ventura erhielten in der Relegation gegen Schweden die Quittung für jahrelanges Missmanagement.

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Die tiefe italienische Krise erinnert in vielem an die Probleme in Deutschland zur Jahrtausendwende: Eine schwächelnde Liga, die hauptsächlich von ihrem früheren Glanz zehrt und strukturell wie sportlich der internationalen Spitze hinterherläuft.

Ein System, das sowohl bei den meisten Klubs wie auch im Nationalteam lieber auf die Alten setzt anstatt den hoffnungsvollen Talenten eine Chance zu geben. Ein Nationalcoach im Rentenalter, dem Kompetenz, Autorität und Durchsetzungsvermögen fehlen. Und eine verkrustete Führung, in der eine Hand die andere wäscht und in der die Zukunft verschlafen wird.

Das Debakel muss daher nun für den zwingend nötigen Neuanfang genutzt werden wie er in Deutschland nach der EM-Pleite 2000 gelungen ist.

Dass Italiens Fußball weiterhin ganz oben mitspielen kann, zeigen nicht nur die beiden Champions-League-Finalteilnahmen von Juventus Turin in den letzten drei Jahren.

Die U 20 wurde in diesem Jahr WM-Dritter, die U 21 erreichte das EM-Halbfinale und die U 18 wurde 2016 Vize-Europameister. Aus diesem Potenzial kann ein neuer Nationaltrainer eine runderneuerte, starke Nationalelf um Mega-Talent und Buffon-Nachfolger Gianluigi Donnarumma (18) bauen.

Schade ist Italiens WM-Aus trotzdem. Zum einen, weil es ein unwürdiger Schlusspunkt für die grandiose Karriere von Torwartlegende Gianluigi Buffon ist.

Zum anderen, weil eine WM ohne Italien so ähnlich ist wie eine Pizza ohne Mozzarella. Allerdings war bei diesem Italien das Verfallsdatum schon lange überschritten.

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