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SPORT1-Experte Stefan Kretzschmar prophezeit dem jungen DHB-Team eine große Zukunft © SPORT1-Grafik: Imago

SPORT1-Experte Stefan Kretzschmar hat wenig zu meckern über die EM-Vorrunde der deutschen Handballer. Ersatzkeeper Carsten Lichtlein wird für ihn noch ganz wichtig.

Hallo Handball-Fans,

man muss der deutschen Mannschaft zum Einzug in die EM-Hauptrunde gratulieren! Bei der Konstellation war es nicht klar, dass sie sich so durchsetzt. Gegen Slowenien hat das Team mit Sicherheit das beste seiner drei Vorrundenspiele gezeigt.

Das Spiel wurde mit einer starken Abwehr und einem überragenden Andreas Wolff gewonnen. Das ist auch eine Zusammenfassung der Vorrunde: Die Basis des Weiterkommens ist die Abwehr plus Torwart.

Die Art und Weise, wie das Team dem Druck besonders zuletzt gegen Slowenien Stand gehalten hat, ist beeindruckend. Das war ein Do-or-Die-Spiel. In der Vergangenheit war es nicht immer so, dass eine deutsche Mannschaft so aufgespielt hat.

Abgezockt ist die junge Mannschaft aber noch nicht: Sie betreibt viel Aufwand, kommt über die Emotionen. Und sie hat bisher keine gute Wurfquote gehabt. Teilweise hat sie nicht konzentriert genug abgeschlossen.

Ansonsten gibt es jedoch wenig zu meckern. Wenn das Team nun Dritter in der Hauptrunde wird und das Spiel um Platz fünf erreicht, wäre das eine Steigerung zum vergangenen Turnier - und ein Erfolg.

(Training Heroes: Kretzsche macht Dich fit!)

Dänemark in der Hauptrunde ist eine ganz schöne Hausnummer. Gemeinsam mit Spanien sind sie Favorit in dieser Gruppe. Auch Russland ist eine unangenehme Mannschaft.

Dennoch glaube ich, dass wir zwei von drei Spielen gewinnen. Wenn es mehr werden, umso besser...

Dieses Team, diese Generation verspricht eine glänzende Zukunft und wird in absehbarer Zeit Medaillen gewinnen - da bin ich mir ganz sicher. Vielleicht ist dieses Turnier noch ein bisschen früh, aber wenn man in drei, vier Jahren mit dem Kontingent an talentierten Spielern weiter arbeitet, dann hat diese Mannschaft noch viel vor sich.

Was die Gegenwart und die Torhüter angeht: Carsten Lichtlein wird noch wichtig werden in diesem Turnier. Wolff hat sich in der Tat bisher herausragend präsentiert. Aber in der Hauptrunde wird auch mal ein Spiel oder eine Phase dabei sein, in der er nicht so gut drauf ist. Da brauchen wir Lichtlein.

Er hat eine gewisse Abgeklärtheit und Souveränität und schon so viel erlebt - ihn darf man nicht abschreiben!

Freude macht die Defensive. Schon beim Supercup hat die deutsche Mannschaft gezeigt, dass der Innenblock um Finn Lemke und Hendrik Pekeler nicht so schlecht ist. Gegen Spanien war die Abwehr noch zu löchrig. Sie hat sich jedoch gesteigert.

Das ist auch eine Einstellungsfrage: Wenn man Lemke im letzten Spiel beobachtet hat, wie er arbeitet, wie aggressiv er ist, dann ist das beispielhaft für diese deutsche Mannschaft. Da geht er neben Pekeler als Abwehrchef auch vorneweg. Pekeler ist der abgeklärtere Abwehrspieler, der viel mit Auge macht.

Wir haben ohnehin auf allen Positionen eine unglaublich kampfstarke Mannschaft. Zu Tobias Reichmann zum Beispiel kann man nur sagen: eiskalt.

Wie er nach dem Ausfall von Uwe Gensheimer in die Rolle des Siebenmeterschützen reingewachsen ist, ist beachtlich. Es ist auch sein erstes großes Turnier. Er hat eine hohe technische Fähigkeit und ist sehr athletisch. Es gibt kaum jemanden, der so weit springt.

Auch der zweite Rechtsaußen Johannes Sellin hat eine sehr gute Figur abgegeben, Kapitän Steffen Weinhold sowieso. Es gibt also keinen, um den man sich richtig Sorgen machen muss.

Bis zum nächsten Mal,

Euer Kretzsche

Stefan Kretzschmar, 42, ist seit 2009 als Experte und Co-Kommentator das Handball-Gesicht von SPORT1. Der neben Heiner Brand wohl bekannteste deutsche Handballer hat in 218 Länderspielen 817 Tore für den DHB erzielt, gewann unter anderem Olympia-Silber in Athen 2004. In der Bundesliga war der ehemalige Weltklasse-Linksaußen für den SC Dynamo Berlin, Blau-Weiß Spandau, den VfL Gummersbach und zuletzt den SC Magdeburg aktiv, mit dem er 2002 die Champions League gewann. Bei SPORT1.de analysiert "Kretzsche" wöchentlich in seiner Kolumne das Handball-Geschehen.

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