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Nürnberg - Während es hinter den Kulissen kracht, holt sich die Nationalmannschaft beim All Star Game den verdienten Applaus der deutschen Fans ab - und Lacher. Offiziell ist die Eiszeit in der Führung des Verbands beendet.

Warm war der Empfang für die Nationalmannschaft, trotz der frostigen Temperaturen in Franken.

Eine Woche nach dem WM-Abenteuer in der Wüste Katars feierten die deutschen Fans die DHB-Auswahl, als wäre sie Weltmeister geworden beim ersten Auftritt auf heimischem Boden.

7622 Zuschauer in der ausverkauften Nürnberger Arena klatschten und johlten um die Wette beim All Star Game der DKB Handball-Bundesliga - weitgehend ungeachtet der Querelen, die den Verband erschüttern.

38:35 (17:20) hieß das nebensächliche Ergebnis des unterhaltsamen Showmatches zugunsten des WM-Siebten gegen eine von den Fans gewählte internationale Auswahl von Bundesliga-Stars.

Gensheimer: "Positives getan für deutschen Handball"

"Das war ein super Gefühl, wir sind hier top empfangen worden", sagte Uwe Gensheimer im Gespräch mit SPORT1. "Man hat gespürt, dass wir etwas Positives getan haben für den deutschen Handball. Natürlich war das heute nicht auf dem höchsten Level, mental und auch körperlich."

Und Jens Schöngarth meinte: "Wir waren jetzt alle sehr lange zusammen, da war das ein guter Abschluss der runden WM. Es ist wichtig, dass die Leute wieder Spaß an der Nationalmannschaft haben."

Trickwurf-Show für die Fans

Von einem "kleinen Fest" hatte Bundestrainer Dagur Sigurdsson vorab im SPORT1-Interview gewohnt zurückhaltend gesprochen - es wurde eine ausgewachsene Handball-Party.

Neben Traumtoren am Fließband ließen ein Trickwurf-Contest, ein Maskottchen-Tanzwettbewerb und eine ausgiebige Autogrammstunde die Fans voll auf ihre Kosten kommen.

Den begehrten All-Star-Ring bekamen in dieser Saison unter anderem Frankreichs Weltmeister Kevynn Nyokas (Frisch Auf Göppingen), Niklas Landin (musste verletzt absagen, Anm. d. Red.) und Andy Schmid (beide Rhein-Neckar Löwen) sowie der halbe Rückraum des THW Kiel mit Filip Jicha, Joan Canellas und Marko Vujin.

Und die von Alfred Gislason und Ljubomir Vranjes gecoachte Weltauswahl zauberte im großen Stil, zeigte Kunstwürfe und Kempatricks en masse. Auch die Deutschen ließen sich nicht lumpen: Johannes Sellin gelang mit einem Wurf über das ganze Feld unter die Latte das Tor des Tages.

Für Erheiterung sorgten zudem Silvio Heinevetter mit einer komödiantischen Einlage als Schiedsrichter und der Einsatz einer aufblasbaren Plastikpalme auf dem Feld.

Machtkampf an der DHB-Spitze

Passend zur positiven Stimmung in Nürnberg erklärte die Führungsspitze des DHB die Eiszeit zwischen Präsident Bernhard Bauer und Vize Bob Hanning kurzerhand für beendet.

Im Vorfeld des Spektakels hatte es mächtig gekracht, ein Machtkampf in der DHB-Spitze trat immer deutlicher zutage. Erst warf Bauer Hanning vor, durch Egoismus und Alleingänge die gemeinsamen Ziele zu gefährden. Der Verband reagierte in Form einer Pressemitteilung - ohne Stellungnahmen der Beteiligten -, die mehr Fragen aufwarf als beantwortete.

Bob Hanning-DHB
Bob Hanning ist seit September 2013 Vizepräsident des DHB © Getty Images

Kurz vor dem All Star Game dann der Kurswechsel. "Wir haben uns offen und ehrlich ausgetauscht und sind überzeugt, dass wir den DHB und den Handball gemeinsam weiter voranbringen werden", ließen Bauer und Hanning gemeinsam verlauten.

"Bernhard Bauer und Bob Hanning sind die wichtigsten Funktionäre des deutschen Handballs", sagte HBL-Präsident Uwe Schwenker und deutete an, dass offenbar sogar personelle Konsequenzen im Raum standen: „Für unsere gemeinsame Sache ist es bedeutend, dass beide an Bord bleiben."

Gensheimer:"Haben Euphorie ausgelöst"

Kretzschmar: "Hannings Antrieb ist er selbst"

Im Gespräch mit SPORT1 präzisierte Schwenker: "Bob Hanning prescht mit seiner querdenkenden Art manchmal ein bisschen vor. Aber er ist genauso wichtig wie Bernhard Bauer. Dass es da immer wieder zu Reibungen kommt, liegt auf der Hand. Im Sinne der Sache haben sich beide zusammengerauft."

SPORT1-Experte Stefan Kretzschmar sagte: "Wenn man Bob Hanning holt, muss man wissen, wer Bob Hanning ist und wie er ist. Er kann sehr viel bewegen, auch durch seine sehr kontroverse Art. Sein Antrieb ist er selbst. Er möchte sich selbst darstellen und möchte den Erfolg erringen. Aber so jemand ist auch gut für die Sache und kann viel bewegen."

Liga startet durch

Den Granden im Verband dürfte es Recht sein, dass der gnadenlose Terminkalender kaum Zeit für große Diskussionen lässt.

Schon am Mittwoch startet die Liga mit dem ersten Topspiel nach der WM-Pause durch. Tabellenführer THW Kiel tritt bei der MT Melsungen an (20 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und im LIVESTREAM).

Für die DHB-Auswahl wird es am 29. April wieder ernst, wenn in der EM-Qualifikation in Mannheim mit Spanien der stärkste Gruppengegner antritt.

Spätestens dann sollte die Eiszeit wirklich vorbei sein.

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