vergrößernverkleinern
Auch die Transfer-Verträge von Mesut Özil (l.) und Gareth Bale hat Football Leaks enthüllt © SPORT1-Grafik: Paul Haenel

München - Mit Enthüllungen über Transfer- und Spielerverträge sorgt Football Leaks für Aufsehen im Profifußball. SPORT1 erklärt, was hinter der Arbeit und den Absichten steckt.

Nicht 50, wie bisher vermutet wurde. Auch nicht 30, 40 oder 45 Millionen, sondern: 44 Millionen Euro, plus zwei Millionen für die Champions-League-Qualifikation. So viel hat der FC Arsenal bisher an Real Madrid überwiesen für die Dienste von Weltmeister Mesut Özil.

Offenbart haben das am Montag die Blogger von Football Leaks. Zum Beweis stellten sie der interessierten Öffentlichkeit den im Sommer 2013 abgeschlossenen Vertrag zwischen Real und Arsenal zum Download bereit.

Zwischen allerlei Spitzfindigkeiten in Juristen-Sprech steht dort auch, dass Arsenal Real informieren muss, sollte man Özil in Zukunft an einen spanischen Klub weiterverkaufen wollen.

Real hätte dann 48 Stunden, selbst ein Angebot vorzulegen und die Konkurrenz zu überbieten. Eine nur spärlich verhüllte Anti-Barca-Klausel, wer sollte sich Özil in Spanien sonst schon leisten können?

Sollte Real nicht zugreifen und Özil trotzdem nach Spanien gehen, würde Real 33 Prozent jeder Summe erhalten, die über 50 Millionen Euro hinausgeht.

Licht in die Hinterzimmerdeals

Mit dieser und ähnlicher Enthüllungen mischt Football Leagues seit September 2015 die Fußballwelt auf. Die Gruppe hat es sich zur Aufgabe gemacht, "Transparenz in das schöne Spiel" und "Licht in die Deals aus den Hinterzimmern" zu bringen, wie ein nur John genanntes Mitglied der New York Times offenbarte.

In diesen Tagen des Wintertransfermarktes sorgen vor allem die Enthüllungen von Football Leaks für Aufruhr. War Gareth Bale teurer als Cristiano Ronaldo? (Die Antwort: ja) Was kostete Anthony Martial Manchester United wirklich? (Bis zu 80 statt 50 Millionen Euro) Wie viel sind die Bildrechte an Neymar wert? (sechs Millionen Euro)

All dies enthüllte jeweils Football Leaks, das nach eigenen Angaben aus Portugal operiert und unter anderem russische Server nutzt.

"Die Geheimnisse um Verträge und die darin enthaltenen geheimen Vertragsklauseln töten den Sport", ist die Überzeugung von John und seinen Mitstreitern.

Parallele zu WikiLeaks

Das klingt verdächtig und alles andere als zufällig nach den Argumenten von Julian Assange und seinen Mitstreitern für die Gründung ihrer Enthüllungsplattform WikiLeaks, die ab 2006 Regierungen in aller Welt zum Zittern brachte und deren Mitglieder und Informanten in den USA zeitweise wie Staatsfeinde Nummer 1 verfolgt wurden. Weil sie geheime diplomatische Dokumente oder Informationen über umstrittene Straflager wie Guantanamo veröffentlichten und die USA somit mindestens in Erklärungsnot brachten.

WikiLeaks-Gründer Assange befindet sich aus Angst vor einer Auslieferung in die USA auf dem Gelände der Botschaft Ekuadors in London. Mittlerweile bezeichnen einzelne Ermittlungsbehörden in den Niederlanden, Portugal und Spanien auch Football Leaks als internationale kriminelle Organisation.

Starker Tobak. Und das alles nur wegen ein paar veröffentlichter Verträge?   

Gegen den modernen Menschenhandel

Nun kann tatsächlich hinterfragt werden, wie hoch das öffentliche Informationsinteresse an den exakten Ablösesummen und Vetragsklauseln bei Spielertransfers ist. Auch ist zweifelhaft, auf welchen Wegen Football Leaks an die Dokumente kommt. Nach eigenen Angaben warten noch 300 Gigabyte an Datenmaterial auf die Auswertung und Veröffentlichung.

Unzweifelhaft aber ist, dass die Recherchen der Gruppierung ihrerseits schon kriminelle Machenschaften aufgedeckt und sogar schon eine schwere Strafe für einen Fußballklub nach sich gezogen haben.

Als Hauptaufgabe hat sich Football Leaks nämlich auf die Fahnen geschrieben, Licht ins Dunkel des modernen Menschenhandels im Fußball zu bringen. Die Gruppe kämpft vor allem gegen das System der so genannten Third-Party-Ownership (T.P.O.). Dabei sichern sich Investorengruppen die Transferrechte an Spielern und verdienen später am Weiterverkauf. Vor allem in Portugal und Südamerika ist das weitverbreitet. Oder eigentlich: war. Die FIFA hat T.P.O. Anfang 2015 verboten.

Selbst die FIFA profitiert

Besonders im Visier von Football Leaks: Der maltesische Sportrechtevermarkter Doyen Sports.

Dieser kaufte sich 2014 für rund 5,5 Millionen Euro beim niederländischen Klub Twente Enschede ein, sicherte sich im Gegenzug die Transferrechte von fünf Spielern. Soweit alles legal damals. Wie Football League enthüllte, sahen die Verträge aber auch eine verbindliche Provisionszahlung an Doyen vor, wenn Twente die betreffenden Spieler gar nicht verkaufen wollte. Eine sittenwidrige Klausel. Twente wurde für drei Jahre von allen internationalen Wettbewerben ausgeschlossen.

Selbst Mark Goddard, der Geschäftsführer der FIFA Transfer Matching System GmbH, die internationale Transfers abwickelt, gab zu, dass die Recherchen und Enthüllungen von Football Leaks "sehr nützlich" gewesen seien. Dennoch sagte er, die Mitglieder seien "offenkundig Schurken". Wieso eigentlich?

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel