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München - ManUnited versucht offenbar mit Macht, ein Transfer-Debakel vergessen zu machen. Die Aussichten auf einen schnellen Mega-Deal sind aber nicht die besten.

Darf es noch etwas mehr sein?

Der eine oder andere kennt diese Frage noch vom Metzger an der örtlichen Fleischtheke. Sie passt aber gerade auch ganz gut zu dem, was Louis van Gaal gerade so an der großen Fleischtheke des Fußballs treibt. Es kommt einem zumindest so vor, wenn man studiert, mit wem sein Klub Manchester United in diesem Transfersommer so alles in Verbindung gebracht wird.

Darf es noch etwas Kevin De Bruyne sein? Ein Stück Neymar, für 190 Millionen? Und geht vielleicht doch noch was mit Gareth Bale? Oder Harry Kane? Oder Thomas Müller? Oder oder oder.

Die Zahl der Weltstars, die Englands Rekordmeister Bastian Schweinsteiger zur Seite stellen will, sie wächst gefühlt täglich. Ebenso aber auch die Zahl der Weltstars, die ManUnited einkaufen wollte, aber nicht bekommen hat.

Ein Knaller soll her

Es wirkt etwas überdreht, was der Klub sich so alles vorstellt, eine Woche bevor auch auf der Insel der Transfermarkt schließt.

Ein Knaller soll noch her, so lautet der Auftrag an Ed Woodward, den ausführenden Vizepräsidenten und verlängerten Arm der Investorenfamilie Glazer. Kosten? Egal, 200 Millionen Euro können angeblich ausgegeben werden.

Speziell Wolfsburgs De Bruyne ist nach SPORT1-Informationen heiß begehrt. United will sein Interesse aber nicht offen zugeben. Man will nicht als Verlierer einer großen Transfersaga dastehen, heißt es. Nicht schon wieder.

Fall Pedro steckt in den Knochen

Es ist vor allem der Fall Pedro, der United gerade in den Knochen steckt.

Woodward war bereits nach Barcelona geflogen, der Deal mit Barcas Flügelspieler schien besiegelt. Er ging zum FC Chelsea, führte sich dort am Wochenende auch gleich mit einem Tor ein. "Are you watching, Manchester?", spotteten danach Chelseas Fans.

Alles halb so wild, ließ van Gaal danach verlauten: "Was wir machen, ist ein Prozess. In diesem Prozess treffen wir Entscheidungen - und hätten wir Pedro gewollt, wäre es kein Problem gewesen." Will sagen: So dringend wollten wir ihn ja nicht.

Manchester City v Manchester United - Premier League
Im Fokus der Kritik: Ed Woodward, ausführender Vizepräsident bei Manchester United © Getty Images

Macher Woodward unter Beschuss

Schutzbehauptung, munkelt ein Teil der britischen Presse: Woodward habe sich in den Verhandlungen schlicht verzockt.

Und es ist bei weitem nicht das erste Mal, dass dem 43-Jährigen ein unglückliches Händchen attestiert wird.

Van Gaal sieht sich deshalb veranlasst, Woodward öffentlich zur Seite zu springen: "Ich habe das Gefühl, ihr wollt einen Keil zwischen Ed Woodward und mich treiben. Niemals. Ich werde jeden Tag von ihm unterrichtet und ich vertraue ihm."

Auch mal einen raushauen

Warme Worte - ein heißer Spieler-Coup wäre nach dem Pedro-Debakel allerdings eine wirkungsvollere Kur für Woodwards Ruf.

Southamptons Sadio Mane ist ein Wunschkandidat, den Englands Presse kurz nach dem Scheitern des Pedro Deals zugeflüstert bekam. Schockwellen würde ein Kauf des senegalesischen Offensiv-Allrounders allerdings nicht auslösen.

Zur Strategie des Van-Gaal-United gehört es aber, auf dem Transfermarkt einfach mal einen rauszuhauen, auch wenn es sportlich nicht unbedingt ins Konzept passt - siehe Angel Di Maria, siehe Radamel Falcao, beide inzwischen wieder weg.

Zweifelhafte Erfolgsaussichten

Trotzdem scheinen die "Red Devils" sich nun wieder zu einem Prestige-Deal genötigt zu sehen: De Bruyne, Neymar, Bale - sie alle sind nun (wieder) im Gespräch. Das Pedro-Debakel soll nicht haften bleiben als letzter Eindruck eines Transfersommers, in dem der Klub in Schweinsteiger, Morgan Schneiderlin, Matteo Darmian und Memphis Depay eigentlich viele gute Leute an Land zog.

Die entscheidende Frage allerdings ist: Bestehen auch Erfolgsaussichten?

Dass sich der FC Barcelona kommende Woche mal eben einen Neymar wegverpflichten lässt, oder Real Madrid einen Bale: recht schwer vorstellbar. In Sachen De Bruyne, wo Konkurrent City ein gutes Stück weiter zu sein scheint, ist die Gefahr ausgestochen zu werden ebenfalls groß.

Das Bemühen um einen schnellen Prestige-Transfer könnte also nach hinten losgehen – und den Spott vergrößern, der sich nach dem Fall Pedro ohnehin in großen Mengen über den Klub ergossen hat.

Der Spott ergießt sich schon

In den sozialen Medien kursiert etwa eine Scherzgrafik mit van Gaals nicht verpflichteter Wunschelf: Not Müller und Not Gündogan im Zentrum, Not Bale und Not Pedro auf den Flügeln, Not Kane und Not Cavani im Sturm.

Noch gelungener und feiner ausgearbeitet: ein satirisches Tool auf der Website des Mirror. Auf fünf Positionen kann man da einen Weltklasse-Wunschspieler anklicken, den van Gaal als nächstes haben wollen könnte – und bekommt dafür einen weit weniger namhaften Akteur ausgespuckt, den van Gaal wahrscheinlich stattdessen holen wird.

"Wer ist ihr Wunschspieler? Cristiano Ronaldo? Sie bekommen Charlie Austin. Schön, mit Ihnen Geschäfte zu machen."

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