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Barcelona - Mit seinem Elfmetertrick im Spiel gegen Celta Vigo zeigt Lionel Messi einmal mehr, dass er ein großer Meister des kunstvollen Zitats ist.

Cristiano Ronaldo? Hat seine Pistolero-Freistöße und die Übersteiger. Ibrahimovic? Zlatanisiert die Gegner mit seinem Kung-Fu-ß-ball. Zidane hatte seinen Zidane, die schnelle Drehung mit dem Fuß auf dem Ball. Ronaldinho seine Ronaldinhos, alle denkbaren und undenkbaren Tricks auf engstem Raum. Pirlo seine tödlichen Pässe, Beckham seine Flanken, Panenka seinen Löffel-Elfmeter, Maradona seine Dribblings.

Sogar: Abramczik, Fischer, Scholl, Müller: Bananenflanke, Fallrückzieher, Wackler, Tore aus der Drehung und mit dem Po.  

Messi hat keinen Boss-Move, er ist der Boss

Doch welchen Boss-Move hat eigentlich Lionel Messi? Welcher Trick des fünfmaligen Weltfußballers wird bleiben, wenn er irgendwann (lieber nie als spät) seine Kickerstiefel an den Nagel hängt?

Höchstwahrscheinlich keiner und jeder. Den Messi gibt es nicht, Messi hat keinen Boss-Move, er ist der Boss. Er greift, wie bei seinem jüngsten Husarenstreich, der Elfmeter-Vorlage auf Luis Suarez beim 6:1 gegen Celta Vigo, in die Trickkiste der Größten. Weil er es kann.

Ihn deswegen des Plagiats zu bezichtigen, wäre ebenso töricht wie falsch. Messi kopiert nicht, wie ein Quentin Tarantino des Fußballs zitiert er die Meister und erweist ihnen somit seine Verehrung.

Der digitalste Fußballer der Welt

Wo Tarantino Sergio Leone, Martin Scorsese, Stanley Kubrick, Alfred Hitchcock, seine geliebten Trash-Movie-Regisseure oder, wie in seinem aktuellen Film The Hateful Eight, auch sich selbst zitiert, imitiert Messi Diego Maradona, Ronaldinho, Ferenc Puskas, Johan Cruyff und sogar Mario Götze. Oft sogar ganz offensichtlich und transparent – Messi hat oft verraten, wer ihn zu diesem oder jenem Trick inspiriert hat. 

Messi hat die Mashup- und Remix-Kultur in den Fußball gebracht, seine Liebe zum Zitat macht ihn zum komplettesten, modernsten und, wenn man so will, digitalsten Fußballer der Welt.

Gewagte These? Na gut, dann ab zu den Beispielen: 

Der Elfertrick:

1982 spielte Johan Cruyff nach einem Elfmeter sogar einen Doppelpass, ehe er im Ajax-Trikot gegen Helmond Sport traf. Messi und Barca-Legende Cruyff kennen sich gut und schätzen sich. Der Niederländer soll gerührt gewesen sein, als er Messis Elfertrick im TV sah. 

© YouTube/SPORT1

Messi und die Hand Gottes:

Im Juni 2007 schoss Messi beim 2:2 im Pokal gegen Espanyol Barcelona beide Tore. Bei seinem ersten Treffer imitierte Messi dabei Argentiniens Nationalheiligen Diego Maradona, indem er einen Kopfball vortäuschte und den Ball stattdessen mit der Hand ins Tor bugsierte.

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Maradona hatte so während der WM 1986 im Spiel gegen England in der 51. Minute das 1:0 erzielt und hinterher lapidar angemerkt, "es war die Hand Gottes".

Messi und das Maradona-Solo:

Bereits zwei Monate vorher hatte Messi das andere weltberühmte – und reguläre - Tor Maradonas zitiert. Beim Spiel gegen Getafe dribbelte er, von der rechten Seite gestartet, in atemberaubendem Tempo alle Verteidiger aus und netzte schließlich ein. Maradona hatte ebenfalls im Spiel gegen England 1986 so das 2:0 erzielt. Allerdings war der Meister dabei deutlich langsamer gewesen als sein Nachfolger. "Ich widme dieses Tor Diego", sagte Messi daraufhin, "ich will nur, dass er wieder auf die Beine kommt. Ganz Argentinien braucht ihn." Maradona war damals mit schweren gesundheitlichen Problemen im Krankenhaus.

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Messi und der Puskas-Verzögerer im Strafraum:

Ungars Fußball-Legende Ferenc Puskas erzielte beim mindestens ebenso legendären 6:3 der Ungarn gegen England in Wembley ein eigentlich unmögliches Tor. Im Fünfmeterraum an den Ball gekommen, stoppte er den Ball mit einem Fuß und ließ einen Gegner so ins Leere laufen, dann zog er den Ball zurück und ließ den zweiten Gegenspieler ins Leere springen. Daraufhin schoss Puskas den Ball ins Tor. Am 21. Februar 2008 machte Messi im Spiel gegen Celtic Glasgow in der Champions League den Puskas – und würdigte den Altmeister hinterher.

© Imago/Getty Images

Messi und Ronaldinhos Freistoß:

2006 düpierte Ronaldinho im Champions League Spiel gegen Werder Bremen die gesamte Abwehr, indem er seinen Freistoß aus rund 25 Metern einfach unter die Mauer spielte – und traf. Der Elfmeter wurde oft kopiert, unter anderem von Bayerns Xabi Alonso. Doch auch Messi machte es einmal wie Ronaldinho. Am 12. Oktober 2012 im Länderspiel gegen Uruguay.

© Imago/Getty Images

Messi übertrifft Panenka:

Am Panenka-Elfmeter haben sich viele versucht. Doch "Messi hat den besten Panenka überhaupt erzielt", sagte im April 2015 - der Erfinder des Löffel-Elfmeters. Antonin Panenka hatte während der EM 1976 im Finale gegen Deutschland den gelöffelten Elfer erfunden. Doch Messis Kopie zum 1:0 gegen Getafe war noch schöner.

© Imago/dpa Picture-Alliance

Messi und Götzes WM-Tor:

Sogar das wohl traumatischste Gegentor seiner Karriere kopierte Messi. Am 9. September 2015, 14 Monate nach der WM-Finalniederlage gegen Deutschland, pflückte Messi im Spiel gegen Mexiko in der 89. Minute den Ball mit der Brust herunter und netzte per Volley zum 2:2-Endstand ein. Position, Schusshaltung, Tor waren eine perfekte Kopie von Mario Götzes 1:0-Knaller im WM-Finale gegen Argentinien. Nur die Folge des Tors war weit weniger glamourös.

© Getty Images/ Imago

Was meint Ihr? Welche unvergesslichen Tore sollte Messi bald ebenfalls zitieren - als Hommage an die Helden? Macht mit bei unserer Umfrage!

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