vergrößernverkleinern
WWE-Legende Bret Hart gab Jazzy Gaber den alles entscheidenden Tipp
WWE-Legende Bret Hart gab Jazzy Gaber den alles entscheidenden Tipp © SPORT1-Grafik: Davina Knigge/ Getty Images

München - Die deutsche Wrestlerin Jazzy Gabert hat bei WWE einen Jubelsturm ausgelöst. Bei SPORT1 spricht sie über ihren Weg dorthin - und einen Tipp von Bret Hart.

Mit ihrem ersten Auftritt bei WWE hat die deutsche Wrestlerin Jazzy Gabert die Fan-Herzen im Sturm erobert - ab heute können auch die deutschen Zuschauer sie erleben.

Die ersten Folgen des "Mae Young Classic", eines internationalen Turniers mit Showkämpferinnen aus aller Welt, sind ab jetzt beim Streamingportal WWE Network zu sehen. Die 35 Jahre alte Berlinerin war in Orlando dabei - und hat sich dabei offenbar einen festen WWE-Vertrag verdient.

Die Fans vor Ort forderten umgehend ihre Verpflichtung, Talentchef Paul Levesque (Triple H) lobte ihren Auftritt als "herausragend", am vergangenen Donnerstag war Gabert schon für die Entwicklungsliga NXT im Einsatz. Es sieht danach aus, als hätte sie ihren WWE-Deal in der Tasche.

Im SPORT1-Interview spricht die "Alpha Female" über ihre märchenhafte Geschichte, ihren Wandel vom schüchternen Mädchen zur 86 Kilo schweren Power-Wrestlerin - sowie prägende Begegnungen mit Wrestling-Legende Bret "The Hitman" Hart und Dieter Bohlen.

SPORT1: Jazzy Gabert, wie haben Sie das gemacht, die WWE-Fans und -Verantwortlichen so von sich zu überzeugen?

Gabert: Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Als ich angekommen bin und all die anderen, talentierten Teilnehmerinnen gesehen habe, dachte ich nicht, dass ich da besonders herausgestochen bin. Ich habe einfach gedacht: Ich muss mein Bestes geben, noch eine Schippe drauf packen und einfach genießen. Abbey Laith, meine Erstrundengegnerin, kannte ich schon, das half, ein gutes Match auf die Beine zu stellen. Aber es lief dann so gut, dass das Publikum sofort voll drin war und uns am Ende Standing Ovations gegeben hat. Den Rest können die Fans dann ja nun selbst erleben (lacht).

Jazzy Gabert hat sich schon der WWE-Entwicklungsliga NXT angeschlossen
Jazzy Gabert traf in der ersten Runde des WWE Mae Young Classic auf Abbey Laith © WWE 2017 All Rights Reserved

SPORT1: Zu Beginn Ihrer Karriere hätte angeblich keiner vermutet, dass aus Ihnen mal eine WWE-Wrestlerin wird.

Gabert: Ja, als ich 2000 mit 18 Jahren das Wrestling bei der Berliner Liga GWF angefangen habe, war ich ganz klein und zierlich, hatte gerade einmal 60 Kilo. Ich war total blass, hatte lange braune Haare und war extrem schüchtern. Es dauerte dann auch, bis die Karriere in Gang kam, es hat irgendwie nicht so richtig gepasst. Ich habe gesehen, dass ich nicht so außergewöhnlich war, dass Promoter in mich investiert hätten.

SPORT1: Und dann?

Gabert: Ich habe angefangen, Arme zu trainieren und Masse aufzulegen. Irgendwann habe ich mich "Alpha Female" genannt und der darum aufgebaute Charakter, das Gimmick, kam im Lauf der Zeit dazu. Wie das alles richtig funktionieren könnte, darüber hatte ich mir lange nicht so wirklich Gedanken gemacht, bis ich eine Begegnung mit Bret "The Hitman" Hart hatte.

Bret Hart wurde 2006 in die Hall of Fame der WWE aufgenommen
Der "Hitman" Bret Hart war in den Neunzigern der populärste WWE-Star in Deutschland © Getty Images

SPORT1: Dem großen WWE-Star Mitte der Neunziger...

Gabert: Bret hat zu mir gesagt, dass ein funktionierender Charakter im Wrestling der entscheidende Faktor ist. Und dass du dazu zwei Möglichkeiten hast: Entweder du nimmst deine eigene Persönlichkeit und nimmst sie mal zehn, treibst sie auf die Spitze - oder du musst die Person sein, die du selbst gerne sein würdest. Weil ich das schüchterne kleine Mädchen war, habe ich mich für Nummer zwei entschieden. Ich dachte mir, ich würde mich gern als Frau sehen, die superstark ist, der alles egal ist, wie die Leute über sie denken. Sie geht einfach in den Ring und zieht ihr Ding durch. So ist dann die Alpha Female entstanden.

SPORT1: Was hat Sie zu Ihrem Look inspiriert?

Gabert: Alles hat sich so ergeben. Ich wollte immer Schwarz und Gold machen. Mit den Haaren habe ich sehr lange experimentiert, mal lang, mal kurz, mal blau, mal grün. Und letztlich habe ich an dem blonden Mohawk mit den schwarzen Haaren an der Seite Gefallen gefunden - und an den Muskeln. Ich habe einfach mit dem Trainieren angefangen und Spaß daran gehabt, obwohl ich auf viele negative Reaktionen gestoßen bin. Meine Trainer damals bei der GWF haben damals gesagt: "Was machst du da? So viele Muskeln, das ist doch nicht schön." Und auch im Fitnessstudio bin ich immer wieder an Grenzen gestoßen, wenn die Leute gesagt haben: "Hör auf zu trainieren." Aber ich habe gesagt: "Nein, da geht sogar noch viel mehr."

SPORT1: Nachdem die Karriere dann in Gang gekommen ist: Konnten Sie vom Wrestling leben?

Gabert: Als ich nach Japan gegangen bin Ende 2012, konnte ich davon leben. Davor habe ich alles Mögliche an Jobs gemacht, um mich durchzuschlagen: Ich bin gelernte Kauffrau im Einzelhandel, war dann aber zum Beispiel auch Putzfrau, Barkeeperin, Security, habe im Dönerladen gearbeitet, im Krankenhaus, in der Tankstelle. Ich habe schon einiges hinter mir.

SPORT1: Sie haben ihr Wrestling-Können auch mal beim Supertalent auf RTL vorgeführt, was damals nicht so gut ankam bei den Zuschauern und bei Dieter Bohlen, der es "völlig bescheuert" fand. Sei ja nur Show gewesen.

Gabert: Ja, das war damals etwas anders gelaufen als gedacht. Aber ich bereue es nicht. Es gab Kritik von Wrestling-Fans, aber andererseits ist vielen in Erinnerung geblieben, dass da mal diese Wrestlerin war, die dem Dieter Bohlen einen Spruch reingedrückt hat. War dann schon in Ordnung. (lacht)

'Das Supertalent' TV-Show
Dieter Bohlen bekam von Jazzy Gabert zu hören: "Du stehst ja auch nur auf kleine Püppchen, die sich nicht wehren, die nix zu sagen haben!" © Getty Images

SPORT1: Wie ist WWE auf Sie aufmerksam geworden?

Gabert: Schon zu meinen Europa-Zeiten. Mein richtiger Durchbruch als Wrestlerin kam in England 2010 bei Pro-Wrestling: EVE, das ist eine reine Frauen-Promotion und die haben sehr stark auf mich gebaut und an mich geglaubt. Dadurch habe ich später den Sprung nach Japan geschafft und Kontakte geknüpft, mit denen ich die ersten Tryouts bekommen habe. Dass WWE nun eine deutsche Teilnehmerin für ihr Turnier suchte, war dann glückliche Fügung.

SPORT1: Wie sind Sie denn nun mit WWE verblieben?

Gabert: Ich kann nur sagen: Die Zukunft wird es zeigen. Ich bin natürlich interessiert und denke auch, dass die WWE am deutschen Markt interessiert ist. Ich glaube schon, dass einige Mädels beim Tournament sehr überzeugen konnten und man einige wiedersehen wird. Ich werde an diesem Montag auf jeden Fall mit Popcorn vor dem Fernseher sitzen und mir jedes einzelne Match des Turniers anschauen.

teilentwitternsammelnE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel