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Sebastian Vettel Siegerehrung
Sebastian Vettel feierte seinen insgesamt 40. Sieg in der Formel 1 © Getty Images

Sepang und München - Der emotionale Sieg in Malaysia ist ein Erweckungserlebnis für Sebastian Vettel und Ferrari. Während den Heppenheimer die Gefühle übermannen, bereitet sich Mercedes auf einen Zweikampf vor.

Die Emotionen übermannten Sebastian Vettel schon beim Überfahren der Ziellinie in Malaysia.

"Grazie mille, ragazzi! Grazie, grazie, grazie! FORZA FERRARI", schrie der 27-Jährige seinem Team per Boxenfunk zu.

Dabei wurde Vettels erster Sieg für Ferrari trotz eines beruhigenden Vorsprungs auf Lewis Hamilton in den letzten Sekunden noch zum Nervenspiel:

"Ehrlich, und auch wenn ich es nicht sagen sollte, hatte ich in den letzten Runden richtig Schiss", gab Vettel nach dem Rennen zu: "Ich habe auf den Wagen geschaut und gedacht: 'Er ist rot, und du bist dabei, zu gewinnen'. Dann habe ich gedacht: 'Hör auf zu denken, sonst passiert noch was'."

Sebastian Vettel in Malaysia
Sebastian Vettel wurde mit Red Bull vier Mal Weltmeister © Getty Images

Emotionale Siegerehrung

Es ist nichts mehr passiert. Mit der schwarz-weiß karierten Zielflagge brach sich der Jubel bei den Ferraristi Bahn.

Während der Siegerehrung kämpfte der viermalige Weltmeister mit den Freudentränen, holte seine fast schon in Vergessenheit geratenen Zeigefinger-Geste wieder hervor und dirigierte schließlich sogar die italienische Nationalhymne mit, so wie einst Michael Schumacher, nur um wenig später auf der Pressekonferenz auf Hessisch "Mer habbe se feddisch gemacht" zu babbeln.

Vettels ekstatischer Jubel machte deutlich: Sein erster Sieg seit Brasilien 2013 - damals noch für Red Bull - war in vielerlei Hinsicht ein Erweckungserlebnis.

Vettel erfüllt sich Kindheitstraum

Zum einen für Vettel selbst, der nach einer ernüchternden Saison 2014 sein Glück in Maranello suchte, und es offensichtlich schnell fand.

"Das ist ein ganz besonderer Tag. Ich bin unglaublich stolz und weiß gar nicht, was ich sagen soll. Da werden mehrere Kindheitsträume wahr", schwärmte Vettel auf der Pressekonferenz nach dem Rennen: "Seit sich die Pforte in Maranello für mich das erste Mal geöffnet hat, fühle ich mich sehr wohl. Ich freue mich auf alles was noch kommen mag."

Schneller als Michael Schumacher

Auf den Spuren seines großen Idols Schumacher hat der Heppenheimer den Rekordweltmeister gar übertrumpft: Schon in seinem zweiten Rennen im Ferrari-Cockpit stand Vettel ganz oben auf dem Podest. Schumacher gelang das erst in seinem siebten Grand Prix bei der Scuderia beim Regenrennen in Spanien 1996.

Kein Wunder, dass Teamchef Maurizio Arrivabene befand: "Du bist ein Großer, Seb!"

Arrivabene: "Ferrari is back"

Auch, weil Vettel gemeinsam mit dem runderneuerten Ferrari-Ingenieursteam den Traditionsrennstall schneller als für möglich gehalten an die übermächtigen Mercedes heranführte. "Ferrari is back", feierte Arrivabene die Wiederauferstehung durch den ersten Sieg der Italiener seit Mai 2013.

Den verdiente sich Ferrari auf und neben der glutheißen Strecke von Sepang. Gleich zwei Silberpfeile überholte Vettel im Rennen, zudem hatte das Team im Boxenpoker gegen Mercedes mit dem reifenschonenden SF15-T das entscheidende Ass im Ärmel.

Mercedes ist gewarnt

Dennoch bleibt Vettel für die kommenden Rennen auf dem Teppich: "Mercedes hat hier Probleme mit den heißen Bedingungen gehabt, aber wir erwarten, dass sie schon in China wieder sehr stark sein werden. Sie geben normalerweise das Tempo vor."

Bei Mercedes ist man sich der neuen roten Gefahr indes bewusst. "Game on, Ferrari", läutete der in Malaysia drittplatzierte Nico Rosberg das Duell ein. Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff kündigte bei Sky an, vor dem nächsten Rennen in China würden in der Teamzentrale "die Köpfe rauchen" (Die Fahrerwertung im Überblick).

So weit wollte Sebastian Vettel auf dem Podest noch nicht denken. Auf Eddie Jordans Frage nach seinen Plänen mit Ferrari antwortete der im Siegestaumel:  "Vielleicht betrinke ich mich heute Abend."

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