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München - Als Weltmarke aufgebaut, beim FC Bayern am eigenen Anspruch gescheitert: Mario Götze steht vor einer schwierigen Reparatur seiner Karriere.

Vor ein paar Tagen erst wieder: Mario Götze erzählte seinen 3,1 Millionen Followern auf Twitter, dass er sich gerade Rocky III angeschaut hatte.

"Ein Kämpfer! Toller Film - Klassiker!", befand er. Eine berechtigte Feststellung Götzes, einerseits. Andererseits wäre er nicht Mario Götze, der Twitterer, wenn er es bei dieser Feststellung belassen hätte.

Und so war dieser Kurzrezension noch folgendes beigefügt: der dazu passende Hashtag (#goetzeguckt), ein weiterer Hashtag plus Link zum Hersteller des Fernsehgeräts, mit dem Götze guckt - und noch ein GIF, eine kurze Animation. In Endlosschleife ist darin Mario Götze zu sehen, wie er mit offenem Mund auf einen imaginären Punching Ball einschlägt.

Ein Tweet, der gewiss dazu beigetragen hat, dass sich einige Götze-Fans den damit beworbenen HD-Fernseher angeschafft haben. Einige andere ließ er dagegen eher ratlos zurück. Nicht zum ersten Mal.

Die Marke Götze: ein Marktschrei

Seit Jahr und Tag ist es so eine Sache mit Mario Götze. Der WM-Finaltorschütze ist der wohl am massivsten vermarktete Star des deutschen Fußballs: ein viraler Post hier, ein Selfie dort, eigene App, eigenes Logo - ein G mit Pfeil nach oben. "Götzes fußballerisches Können und sein Lifestyle" werden laut Design-Agentur damit verkörpert.

Mario Götze ist im persönlichen Umgang ein introvertierter Typ, sein digitaler Gesamtauftritt dagegen ist ein einziger lauter Marktschrei. Er ist das instagram-optimierte Gesicht einer hochtourigen Werbe-Maschinerie - was er dagegen nicht ist: "ein Gesicht des FC Bayern".

Genau das wollte der 23-Jährige ja auch noch werden, noch zu Beginn des Jahres hatte er dieses Ziel in einem Interview genau so formuliert. Fünf Monate später soll ihm der künftige Trainer Carlo Ancelotti in einem Telefongespräch nahegelegt haben, sich doch besser einen anderen Verein zu suchen, wenn er regelmäßig spielen will.

Götzes Management vor einem Dilemma

Götze und sein Management - das sich auf SPORT1-Nachfrage nicht dazu äußern will - kommen nicht mehr herum um die Einsicht, dass die sportliche Entwicklung nicht Schritt gehalten hat mit seiner wirtschaftlichen.

Bei der Wahl seines kommenden Arbeitgebers geht es nicht zuletzt darum, diese Schieflage zu korrigieren. Was aber gar nicht so leicht ist, auch wegen der Folgen von Götzes Totalvermarktung als deutsche Antwort auf Cristiano Ronaldo und Lionel Messi.

Götze steht vor dem Dilemma, sich einen großen Klub suchen zu müssen, der seinen selbst definierten Ansprüchen gerecht wird - der aber gleichzeitig nicht abgeschreckt ist davon, dass Götze selbst zuletzt an den eigenen Ansprüchen gescheitert ist.

Der BVB-Anhang will Götze nicht zurück

Borussia Dortmund hätte dieser Klub sein können, der BVB soll laut Süddeutscher Zeitung auch Götzes Wunschziel gewesen sein.

Die positiven Signale, die Klubboss Hans-Joachim Watzke vor kurzem noch aussandte ("Käme er auf den Markt, würden wir diskutieren") aber sind verstummt. Nach dem Kauf von Ousmane Dembele deutet nur noch wenig auf ein Götze-Comeback hin.

Ein recht großer Teil des BVB-Anhangs will das auch gar nicht, das ist sehr deutlich geworden, als das Thema vor einigen Wochen publik wurde.

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Der Abgang zu Bayern vor drei Jahren wird ihm noch immer übel genommen, das Söldner-Image haftet weiter an ihm. Gut möglich, dass dieses Image sich etwas leichter hätte reparieren lassen, hätte er sich seitdem etwas dezenter vermarkten lassen.

Der Pfeil zeigt nach Liverpool

Keine Zukunft bei Bayern, keine bei Dortmund, keine Zukunft bei beiden deutschen Klubs, die sich auf dem höchsten Niveau bewegen.

Immer deutlicher zeigt der Pfeil am großen G nun nach Liverpool, wo ihn der alte Förderer Jürgen Klopp mit offenen Armen empfangen würde.

Und wo er ohne den Ballast, den er in der Heimat angehäuft hat, vielleicht endlich auch in der analogen Welt durchstarten kann.

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