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Bundestrainer Chris Fleming wurde bei der EM 2015 von Dennis Schröder wegen seiner Taktik kritisiert
Bundestrainer Chris Fleming wurde bei der EM 2015 von Dennis Schröder wegen seiner Taktik kritisiert © Imago

Los Angeles - Im SPORT1-Interview spricht Noch-Bundestrainer Chris Fleming über Stärken und Schwächen von Dennis Schröder, den Streit mit Tibor Pleiß und seine eigene Beförderung.

Von Dean Walle

Sein zweites Jahr als Assistant Coach in der NBA hat begonnen, sein letztes als Bundestrainer aller Voraussicht nach auch.

Chris Fleming, der den Deutschen Basketball-Bund wenige Monate nach Amtsantritt im Januar 2015 mit seinem Zusatz-Job bei den Denver Nuggets überraschte und in diesem Sommer zu den Brooklyn Nets wechselte, soll das DBB-Team bei der EM (ab 31. August) noch mal betreuen. Danach - das gilt als sicher - soll sein jetziger Assistent und A2-Bundestrainer Henrik Rödl übernehmen.

Im SPORT1-Interview spricht Fleming über seinen mutmaßlichen Nachfolger und seine Beförderung in der NBA. Außerdem äußert sich der in New Jersey geborene 46-Jährige zum Streit mit Tibor Pleiß in diesem Sommer und den Chancen von Rookie Paul Zipser bei den Chicago Bulls.

Und er hat einen Rat für Dennis Schröder. Der Spielmacher, der ihn bei der EM 2015 für seine Foul-Taktik in der Schlussphase des verlorenen Duells mit Italien kritisierte und jüngst einen 70-Millionen-Dollar-Vertrag bei seinen Atlanta Hawks ergatterte, eckt immer wieder auch mit Provokationen an: In den Playoffs geriet er wiederholt mit Bostons Isaiah Thomas aneinander, Ende Oktober zoffte er sich erneut mit Sacramentos Riesen DeMarcus Cousins.

SPORT1: Herr Fleming, warum sind Sie nach einer Saison von von Denver nach Brooklyn gewechselt?

Chris Fleming: Erstens hat ein Uni-Kollege, ein guter Freund von mir, dort als Head Coach übernommen [Kenny Atkinson, von 1989 bis 1990 gemeinsam mit Fleming an der University of Richmond, Anm. d. Redaktion]. Und ich habe immer an seine Art von Basketball geglaubt. Zweitens war es eine Beförderung, ich habe nun einen besseren Job. Drittens, und nicht zuletzt, bin ich nun ganz in der Nähe meines Elternhauses, wo ich aufgewachsen bin.

SPORT1: Ist Ihre Familie auch schon umgezogen?

Fleming: Noch nicht. Wir haben im Oktober unser drittes Kind in Deutschland bekommen. Sie kommen, sobald es fliegen darf.

SPORT1: Wie lange lässt sich die Arbeit in der NBA noch mit der des Bundestrainer vereinbaren?

Fleming: Das geht einigermaßen. Technologie macht's möglich, alle Spiele zu sehen. Und diejenigen, die hier spielen, treffe ich persönlich: Zuletzt war Paul Zipser bei uns zu Gast, und Richard Freudenberg [ebenfalls zuletzt beim FC Bayern] spielt gleich bei uns um die Ecke bei [der Uni] St. John's. Dennis sehe ich dann in der nächste Woche.

SPORT1: Ist Henrik Rödl so etwas wie ihre rechte Hand in Deutschland und damit auch ein geeigneter Nachfolger?

Fleming: Henrik und ich sprechen sehr oft, die Kommunikation ist stark. Ich weiß, dass er einen langfristigen Vertrag vom DBB bekommen hat, und ich fand, er war die richtige Wahl, um den Verband nach vorne zu bringen.

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SPORT1: Sie waren sehr erbost, dass Tibor Pleiß das deutsche Nationalteam mitten in der EM-Quali verlassen hat, um Probetrainings bei NBA-Teams zu absolvieren. Was sagen Sie Stand jetzt?

Fleming: Alles, was dazu gesagt werden muss, ist gesagt.

SPORT1: Hatten Sie vielleicht selbst Ihre Finger im Spiel, dass er bei den Nets eingeladen war.

Fleming: Er ist gar nicht rübergeflogen. Er hat mir gesagt, dass er das machen würde. Zu dem Zeitpunkt war in Brooklyn aber nur die Halle geöffnet, einige jüngere Spieler waren zu Workouts da. Einen Tag später hat Tibor ja dann auch in Istanbul unterschrieben.

SPORT1: Wird er weiterhin in der Nationalmannschaft ein Thema sein?

Fleming: Meine Gefühlslage hat sich nicht geändert. Ich werde mit Tibor sprechen, das gehört sich.

SPORT1: Wie sehen Sie Paul Zipsers Chancen, sich in der NBA zu etablieren?

Fleming: Ganz gut. Sicherlich ist er in einer Mannschaft, in der es nicht so leicht ist, zu spielen. Mit Jimmy Butler, Dwyane Wade und Rajon Rondo haben die Bulls extrem viel Erfahrung auf den Positionen, die er spielen kann. Er muss einfach Geduld haben und die Zeiten nutzen, die er bekommt.

SPORT1: Welche Ratschläge haben Sie für ihn?

Fleming: Er weiß, was er tut und ist ganz weit gekommen mit viel Fleiß. So weit ich weiß, sind die Bulls sehr mit ihm zufrieden.

SPORT1: Sind Sie überrascht, dass Dennis Schröder die Umstellung zum Starter so schnell geschafft hat?

Fleming: Nein, gar nicht. Ich glaube, er war reif für diesen Moment, hat lange darauf gewartet. Ich war mir sicher, dass er sich sehr gut präsentiert.

SPORT1: In welchen Bereichen kann er sich noch verbessern?

Fleming: Ich glaube, dass es für Dennis und unsere Nationalmannschaft sehr wichtig ist, dass er Spiele am Ende händelt, dass er weiß: Wenn es drauf ankommt, muss ich die Entscheidungen treffen. Das kannst du nicht trainieren, diese Momente musst Du wieder und wieder erleben.

SPORT1: Schröder gibt sich öfter mal als Bad Boy. Kann er diesen Hang zu Provokationen überwinden?

Fleming: Eine seiner großen Stärken ist sein Ehrgeiz und die Lust am Wettstreit. Manchmal gehören solche Szenen dazu. In den wichtigen Momenten ist er immer ruhig geblieben. Er soll so sein, wie er ist. Wie ein Pfadfinder zu sein, würde nicht zu ihm passen.

SPORT1: Dirk Nowitzki muss zur Zeit wegen einer entzündeten Achillessehne aussetzen. Glauben Sie, dass die Verletzungen nun zunehmen und es mit ihm dem Ende zugeht.

Fleming: Er hat eine überragende Saison hinter sich. Dirk hat sich immer durch gute Arbeit gesund gehalten. Verletzungen sind gang und gäbe in der NBA, das wird ihn nicht davon abhalten, erneut eine super Saison zu spielen.

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