Botschaft an Hoeneß und Co.: Das steckt hinter Rummenigges Offenbarung

Warum Rummenigge nicht für Eberl stimmte
0:59

Warum Rummenigge nicht für Eberl stimmte

Mit einem bemerkenswerten Interview zeigt Karl-Heinz Rummenigge, dass er den FC Bayern weiterhin gestalten will. Seine Worte zur Vertragsverlängerung von Max Eberl sind dabei auch als Botschaft an Uli Hoeneß und Herbert Hainer zu verstehen.

Der FC Bayern wäre nicht dieser omnipräsente Verein, der er ist, wenn er nicht selbst in einer Länderspielperiode voller Jürgen Klopp für Schlagzeilen sorgen könnte. Jüngstes Beispiel: Aufsichtsrat Karl-Heinz Rummenigge bestätigte am Wochenende das, was SPORT1 bereits enthüllt hatte.

„Ich habe lange darüber nachgedacht, ob ich bei der Verlängerung mit Max Eberl mit ‚Nein‘ stimmen soll. Erst im Verlauf der Sitzung habe ich mich entschieden, mich zu enthalten“, sagte Rummenigge der Abendzeitung und betonte: „Dazu stehe ich.“

Karl-Heinz Rummenigge (l.) und Uli Hoeneß auf der Tribüne
Karl-Heinz Rummenigge (l.) und Uli Hoeneß auf der TribüneKarl-Heinz Rummenigge (l.) und Uli Hoeneß auf der Tribüne© IMAGO/Philippe Ruiz

Rummenigges Worte richten sich nicht nur an Eberl

Der ehemalige Vorstandsboss stellte sich damit quer – nicht so eindeutig, dass daraus ein Eklat wurde, aber doch deutlich genug, dass die Adressaten seiner Enthaltung wissen, woran sie sind.

Denn Rummenigges Worte richten sich nicht nur an Eberl. Sie enthalten auch eine Botschaft an Uli Hoeneß und Herbert Hainer. Ehrenpräsident und Präsident hatten schließlich im Präsidialausschuss frühzeitig den Weg dafür bereitet, dass bei der entscheidenden Aufsichtsratssitzung alles auf eine Vertragsverlängerung mit Eberl hinauslief.

„Für mich war wichtig, dass ich meine Entscheidung unabhängig treffe und mich nicht durch eine vorherige Empfehlung präjudizieren lasse“, erklärte Rummenigge.

Präjudizieren – ein Wort, das sehr formell daherkommt, in diesem Zusammenhang aber eine ziemlich klare Ansage enthält: Rummenigge will sich seine Meinung selbst bilden. Auch dann, wenn andere mächtige Männer im Klub zuvor bereits eine Empfehlung ausgesprochen haben.

DEINE MEINUNG

Wen Rummenigge mit seiner Aussage konkret adressierte, ließ er offen. Er dürfte allerdings vor allem Hoeneß und Hainer gemeint haben. Dass die drei Vertreter der Anteilseigner Adidas, Allianz und Audi im Präsidialausschuss federführend auf Eberls Vertragsverlängerung gedrängt haben, erscheint zumindest wenig wahrscheinlich.

Rummenigge will ein kritischer Geist bleiben

Hinzu kommt: Hoeneß hatte Eberls Chancen bereits Ende Juli auf SPORT1-Nachfrage auf „100 Prozent“ taxiert. Eine Aussage zu einem Zeitpunkt, als die entscheidende Aufsichtsratssitzung noch gar nicht stattgefunden hatte. Zu früh, wie sich später zeigte. Hoeneß selbst räumte zuletzt ein, dass ihm seine Äußerungen „genug Ärger“ eingebracht hätten.

Doch was bedeutet Rummenigges öffentlich gemachte Enthaltung für die Zukunft? Könnte er im Aufsichtsrat auch künftig eine Rolle als kritischer Gegenpol einnehmen? SPORT1-Informationen zufolge will Rummenigge auch weiterhin ein kritischer Geist im mächtigsten Kontrollgremium des Vereins bleiben. Das hat er hinter den Kulissen bereits deutlich gemacht.

Hasenhüttl: "Da habe ich mich mit Rummenigge angelegt"
0:44

Hasenhüttl: "Da habe ich mich mit Rummenigge angelegt"

Sein Selbstverständnis kommt nicht von ungefähr. Als der frühere Vorstandsvorsitzende im Sommer 2023 aus der Bayern-Rente zurückgeholt wurde, befand sich der Klub in einer schwierigen Phase. Trainer Julian Nagelsmann war wenige Monate zuvor freigestellt worden, unmittelbar nach dem mit Glück gewonnenen Meistertitel mussten auch CEO Oliver Kahn und Sportvorstand Hasan Salihamidzic gehen. Rummenigges Berufung in den Aufsichtsrat sollte dabei helfen, den Verein wieder zu stabilisieren.

Hainer lobte ihn damals in höchsten Tönen: „Seine Erfahrung, seine Fachkompetenz und sein internationales Netzwerk werden uns enorm helfen.“ Rummenigge scheint seine Rückkehr deshalb bis heute nicht als Ehrenamt mit Abnick-Garantie zu verstehen. Er will nicht nur Mitglied dieses mächtigen Gremiums sein, sondern Einfluss nehmen und gestalten. Bei Eberls Vertragsverlängerung hat er genau das getan.

Rummenigge versteht sich nicht als Ja-Sager

Der ganz große Pulverdampf zwischen Rummenigge auf der einen sowie Hoeneß und Hainer auf der anderen Seite hat sich dem Vernehmen nach mittlerweile größtenteils verzogen. Beim Heimspiel der Bayern gegen Union Berlin vor eineinhalb Wochen waren die Alphatiere des Klubs wieder vereint auf der VIP-Tribüne der Münchner Arena zu sehen. Allerdings war das noch vor Rummenigges Interview in der Abendzeitung.

Dass es in der Führungsriege des FC Bayern auch künftig kontroverse Diskussionen geben wird, wäre deshalb keine Überraschung. Hoeneß selbst hat solche Auseinandersetzungen schließlich einmal mit seinem berühmten Bild beschrieben, man könne intern auch streiten „wie die Besenbinder“.

Rummenigge hat nun klargemacht, dass auch er dazu bereit ist. Er versteht sich nicht als Ja-Sager – und offenbar auch nicht als Aufsichtsrat, dessen Entscheidung schon feststeht, nur weil andere im Klub zuvor eine Richtung vorgegeben haben. Für Hoeneß und Hainer ist das eine ziemlich klare Botschaft.

Abonniere den Fußball-Newsletter und bleibe immer am Ball! Alle Tore und News direkt in dein Postfach