Eisschnelllauf-Zwist: Rauhe mit eindringlicher Warnung

von SID
Eisschnelllauf-Zwist: Rauhe mit eindringlicher  Warnung

Sport-Staatsminister Ronald Rauhe sieht den autonomen Sport in der Pflicht. Bund und Länderverbände sollen gemeinsam Lösungen erarbeiten.

Sport-Staatsminister Ronald Rauhe fordert die Streitparteien im Dauerzwist um die Zukunft des Eisschnelllauf-Bundesstützpunktes Erfurt und die Behandlung der dort ansässigen Athletinnen und Athleten durch die DESG weiter zum lösungsorientierten Dialog auf. „Ich sehe hier ganz klar den autonomen Sport gefordert“, erklärte Rauhe, seit Anfang September Staatsminister für Sport und Ehrenamt, auf SID-Anfrage.

Der 45-Jährige erklärte weiter, der Bund werde „zeitnah über die Anerkennung der Bundesstützpunkte entscheiden“, die Deutsche Eisschnelllauf- und Shorttrack-Gemeinschaft (DESG) werde man „weiter eng mit Blick auf die Einhaltung der Fördervoraussetzungen beobachten und begleiten“.

Sportminister Ronald Rauhe warnt vor zu großer Ablenkung durch Konflikte
Sportminister Ronald Rauhe warnt vor zu großer Ablenkung durch KonflikteSportminister Ronald Rauhe warnt vor zu großer Ablenkung durch Konflikte© AFP/SID/John MACDOUGALL

Eindringliche Rauhe-Warnung: „Konflikte lenken ab“

Der frühere Kanute, zweimaliger Olympiasieger, erläuterte seine Position, die auf Austausch basiert: „Aus meiner Zeit als aktiver Sportler weiß ich, dass Sportlerinnen und Sportler trainieren und sich intensiv auf Wettkämpfe vorbereiten wollen. Konflikte, z.B. innerhalb der Verbände, lenken davon ab und können sich negativ auf das Wohlbefinden und auf die Leistungen der Sportlerinnen und Sportler auswirken.“ Gleichwohl appelliere er „an den Spitzenverband und die Landesverbände, gemeinsam und für die Sportlerinnen und Sportler an einer Lösung dieser verfahrenen Situation zu arbeiten“.

Die Lage in Erfurt, wo viele deutsche Spitzeneisschnellläufer trainieren, ist zugespitzt. Toptalent und Hoffnungsträger Finn Sonnekalb etwa befasst sich konkret damit, ins Ausland abzuwandern. „Ich habe Angebote aus den USA und Holland. Ich habe Gespräche gehabt, ich bin im Austausch“, sagte der 19-Jährige der ARD-Sportschau. „Es gibt Leute, die wollen mich haben, und wenn die mich hier nicht haben wollen, dann kann ich’s nicht ändern.“

Wirbel um Eisschnelllauf-Hochburg Erfurt: Sonnekalb droht mit Abschied

Die DESG will den Standort Erfurt schließen, Deutschlands beste Eisschnellläufer sollen nach den Vorstellungen des Verbandes um den umstrittenen Präsidenten Matthias Große nur noch in Berlin bzw. Inzell trainieren. Dies sollte über eine entsprechende Athletenvereinbarung geregelt werden.

„Ich fühle mich unter Druck gesetzt, möchte deswegen diese Athletenvereinbarung nicht unterschreiben und auch nicht unter Druck meine Heimatstadt verlassen“, sagte der Erfurter Sonnekalb: „Dann bin ich halt raus, dann sollen sie es ohne mich machen.“

DEINE MEINUNG

Nach Sportschau-Informationen haben 16 Athletinnen und Athleten die von der DESG im Juni vorgelegte Athletenvereinbarung bis zum Fristende am Donnerstag nicht unterschrieben. Die ARD berichtete zudem von einer kurios anmutenden „Unterstützungserklärung“ für Große, die Athleten vorgelegt worden sei.

Druck auf Große steigt

Der Thüringer Eis- und Rollsportverband (TERV) fordert bereits seit Monaten die Abwahl Großes, am 17. Oktober kommt es in Dresden zu einer außerordentlichen Mitgliedsversammlung.

Am Dienstag hatte die DESG behauptet, der TERV habe ein im Juli beschlossenes Moratorium einseitig aufgekündigt. Die thüringische Seite widersprach energisch, TERV-Vizepräsident Peter Rüberg sprach gegenüber dem SID von einer „erneuten Lüge, die mit kaum zu überbietender Frechheit in die Welt gesetzt wurde“.

Dem Moratorium zufolge sollten die strittigen Punkte der Athletenvereinbarungen bis zu einer Entscheidung über die künftige Stützpunktstruktur ausgesetzt werden.

Die Weltcup-Saison im Eisschnelllauf beginnt Mitte November.