Die außergewöhnlichste Eigentümerin der NFL

"Das passiert nie": Deutscher sorgt für Seltenheit
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"Das passiert nie": Deutscher sorgt für Seltenheit

Carlie Irsay-Gordon ist keine normale Besitzerin eines NFL-Teams. Die Eigentümerin der Indianapolis Colts zeigt sich regelmäßig nah am Team und hört sogar den Trainern während der Spiele zu. Doch ihr Verhalten sorgt auch für Kritik.

Sie gehört weder zum Trainer – noch zum Betreuer-Team. Und doch steht sie bei den Spielen ihrer Indianapolis Colts regelmäßig an der Seitenlinie, trägt ein Headset, um die Kommunikation mit den Trainern zu verfolgen, oder macht sich Notizen zu den Spielzügen: Die Rede ist von Eigentümerin Carlie Irsay-Gordon. Von keiner anderen Person, die in der NFL ein Team besitzt, sind solche ungewöhnlichen Betätigungen bekannt.

Erst in der vergangenen Woche gingen Videos ihrer Aktivitäten beim 30:13-Erfolg gegen die Washington Commanders in London in den sozialen Medien viral. Dabei ist ihre Praxis keinesfalls neu. Laut einem Bericht von ESPN tritt sie mindestens seit 2020, vermutlich sogar schon länger, immer wieder an der Seitenlinie auf. In den Mittelpunkt rückte ihre ungewöhnliche Art erst, als sie zur Eigentümerin der Franchise wurde.

Carlie Irsay-Gordon macht sich an der Seitenlinie Notizen
Carlie Irsay-Gordon macht sich an der Seitenlinie NotizenCarlie Irsay-Gordon macht sich an der Seitenlinie Notizen© IMAGO/Newscom World

Dies passierte im Mai 2025, als ihr Vater und Ex-Besitzer Jim Irsay verstarb, der seit 1984 im Verein tätig war – ab 1997 als Eigentümer. Zusammen mit ihren zwei Schwestern übernahm Irsay-Gordon das Team und fungiert heute als CEO und Haupteigentümerin. Bereits seit Anfang der 2000er-Jahre ist sie in der Franchise beschäftigt und war unter anderem im Marketing tätig.

Colts-Besitzerin Irsay-Gordon will lernen und verstehen

Die 45-Jährige erklärte, warum sie so präsent und nah am Team ist. „Ich muss in der Lage sein zu sagen: ‚Redet diese Person nur Unsinn? Weiß sie überhaupt, wovon sie spricht?'“, sagte sie im vergangenen Jahr. Eine Football-Mannschaft sei ein „komplexer Organismus“. Das Mithören der Gespräche der Trainer sei dabei keinesfalls dazu da, sich einzumischen, sondern um zu lernen und zu verstehen, wie einzelne Spielzüge funktionieren.

Dabei stellte auch Head Coach Shane Steichen, den Irsay-Gordon 2023 nach Indianapolis holte, klar, welche Rolle sie am Spieltag einnimmt. Demnach sei sie eben keine aktive Teilnehmerin, sondern fungiert vielmehr als Beobachterin abseits des Geschehens. Während des Spiels ist sie mit einem Walkie-Talkie verbunden und kann so dem Funkverkehr der Trainer folgen, ohne jedoch selbst an den Gesprächen teilzunehmen.

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Dennoch gibt es auch Kritik an ihrem Auftreten, und es kommt die Frage auf, ob sie damit Grenzen überschreitet und sich zu sehr in die Angelegenheiten der Mannschaft einmischen würde. Der NFL-Analyst Bill Simmons kritisierte Irsay-Gordon in der jüngsten Folge seines Podcasts scharf: „Ich finde, dass die Besitzerin, die am Spielfeldrand sitzt und sich Notizen macht, verdammt verrückt ist … Ich kann nicht glauben, dass sie das tut, und ich kann nicht glauben, dass die Menschen in ihrem Umfeld ihr das nicht ausgeredet haben.“

Der erfahrene NFL-Reporter Ed Werder stellte klar, die Aufgabe der Eigentümerin sei es, das Team wie ein Unternehmen zu führen und sich dementsprechend nicht auf dem Spielfeld einzumischen. „Ich würde jeden anderen Besitzer dafür kritisieren“, fügte Werder hinzu.

Irsay-Gordon: „Sicherstellen, dass ich keine Ablenkung bin“

Irsay-Gordon verteidigt ihr Auftreten: „Ich denke, es hilft einfach, zu verstehen und Fragen zu stellen. Meiner Meinung nach gehört es zu den Eigenschaften einer guten Führungskraft zuzuhören, um wirklich zu verstehen. Und ich glaube, genau das machen die besten Teams.“ Sie sei fest davon überzeugt, dass ihre Anwesenheit kein Hindernis darstellt. „Das Lustige daran ist: Ich glaube, meine größte Sorge während des Übergangs zur Eigentümerin war, sicherzustellen, dass ich keine Ablenkung darstelle“, sagte Irsay-Gordon Anfang des Jahres gegenüber ESPN. Sogar die Colts-Spieler sollen verwundert gewesen sein, warum sich Außenstehende nun so sehr auf ihr Verhalten konzentrieren würden. Schließlich sei sie „schon seit Jahren dabei“ und mache dies schon länger.

Ihr Führungsstil habe möglicherweise auch dabei geholfen, Akzeptanz innerhalb der Franchise zu gewinnen, obwohl es sich um einen für eine Eigentümerin gewagten Schritt handelt. Sie ist ständig in der Colts-Zentrale präsent und arbeitet die ganze Woche über viele Stunden lang Seite an Seite mit Trainern und Führungskräften der Geschäftsleitung. Sie hat dadurch Beziehungen sowohl zu den Menschen auf den höchsten Ebenen der Organisation als auch zu den Mitarbeitern in den unteren Ebenen aufgebaut. Im gesamten Gebäude nennen sie deshalb alle einfach „Carlie“.

Auch in naher Zukunft wird sie ihren Platz an der Seitenlinie wohl nicht verlassen und weiterhin ihren ungewöhnlichen Stil durchziehen. „Ich muss noch viel lernen“, sagte sie bei ESPN. Die nächste Chance gibt es am Sonntag beim Heimspiel gegen die Pittsburgh Steelers (ab 19 Uhr). Die Colts stehen nach vier Spielen bei einer Bilanz von 2–2.