Der tiefe Fall eines Wrestling-Kultstars

von SPORT1
Der tiefe Fall eines Wrestling-Kultstars

"Platinum" Max Caster war vor einigen Jahren einer der populärsten Stars bei WWE-Konkurrent AEW. Nun hat er kurz nach seinem Aus dort auch die nächste Chance verspielt.

Vor einigen Jahren zählte er zu den populärsten Phänomenen der Wrestling-Welt – selbst WWE-Ikone John Cena zog den Hut vor ihm.

„Er ist extrem begabt – wirklich, wirklich spektakulär“, sagte der Superstar 2022 in einem Interview mit Forbes über „Platinum“ Max Caster, der damals bei der Liga AEW auf dieselbe Weise auf sich aufmerksam machte wie einst der junge Cena selbst: mit bitterbösen Rap-Einlagen, mit denen er seine Gegner provozierte – und die Fans begeisterte.

Nun jedoch steht der 37 Jahre alte Caster vor den Scherben seiner Karriere: Gerade erst hatte er nach sechs Jahren seinen Job bei AEW verloren. Nun ist auch der Neustart bei der drittgrößten US-Liga TNA nach nur einem Auftritt schon wieder beendet.

Die Liga von Carlos Silva – ab 3. November im Free-TV auf SPORT1 zu sehen – hat sich umgehend wieder von Caster getrennt, nachdem dieser vor seinem Debütmatch beim Traditionsevent Bound for Glory für einen Eklat gesorgt hatte.

TNA trennt sich nach einem Auftritt von Max Caster

Was war geschehen? Caster hatte bei der Show ein Match gegen Moose bestritten und verloren – und zuvor einen seiner berühmt-berüchtigten Battle Raps zum Besten gegeben.

Was ihm dabei zum Verhängnis wurde: Er streute in seine Zeilen eine Anspielung auf den tödlichen Angriff der Huthi-Miliz auf den Flughafen von Riad ein, bei dem am vergangenen Donnerstag zwölf Menschen ihr Leben verloren.

„I drop bombs. You don’t even have to fly to Riyadh“, rappte Caster. Mit der Liga war das nicht abgesprochen – und sie zog umgehend Konsequenzen. „Max Caster wird nicht länger für TNA wrestlen“, erklärte TNA in einem Statement „Witze über gewalttätige Angriffe sind falsch. Das hätte es niemals in die Show schaffen dürfen, und dafür tragen wir die Verantwortung.“ Berichten zufolge entschied TNA-Boss Carlos Silva die Ausbootung Casters persönlich.

DEINE MEINUNG

Auch Caster hat mittlerweile sein Bedauern ausgedrückt. Er habe „unterhalten“ und niemanden verletzen wollen. Es ändert nichts mehr daran, dass er in Rekordzeit eine weitere Chance verspielt hat, bei einer größeren, international bekannten Liga Fuß zu fassen.

Es ist der vorläufige Höhepunkt eines schmerzhaften Verfalls einer Karriere, die vor einigen Jahren noch ungeahnt erfolgreich verlaufen war.

Auch WWE-Ikone John Cena pries den AEW-Star

AEW-Boss Tony Khan hatte den Sohn des früheren NFL-Tight-Ends Rich Caster – 1983 Super-Bowl-Sieger mit den Washington Redskins – 2020 entdeckt und mit einem Fünf-Jahres-Vertrag ausgestattet. Caster formierte zusammen mit Anthony Bowens das Duo The Acclaimed – und eroberte die Tag-Team-Division der Liga im Sturm.

Der charismatische Caster und der Ringhandwerker Bowens entwickelten sich zu einem der populärsten Gespanne der Liga – spätestens, als WWE-Legende „Daddy Ass“ Billy Gunn ihr Mentor wurde und aus The Acclaimed ein Kulttrio machte.

Max Caster (l.), Anthony Bowens (r.) und Mentor Billy Gunn bildeten bei AEW ein Kult-Trio
Max Caster (l.), Anthony Bowens (r.) und Mentor Billy Gunn bildeten bei AEW ein Kult-TrioMax Caster (l.), Anthony Bowens (r.) und Mentor Billy Gunn bildeten bei AEW ein Kult-Trio© AEW

Schon damals gab es einige Male Irritationen um Casters oft über die Geschmacksgrenzen gehende Rapeinlagen – sie taten der Beliebtheit der Formation jedoch keinen Abbruch. Die Bewunderung für Casters Talent am Mikrofon war größer: „Ich kann ihm keine Ratschläge geben, denn er macht das weit besser, als ich“, verneigte sich Cena.

Zusammen mit Bowens hielt Caster die Tag-Team-Titel von AEW – ein weiterer Höhepunkt folgte 2023 bei der bis heute größten AEW-Show jemals: Bei All In 2023 im Londoner Wembley-Stadion bejubelten rund 80.000 Fans, wie Caster, Bowens und Altmeister Gunn mit einem Sieg über das House of Black die Trios Titles der Liga errangen.

Mit dem Aus für The Acclaimed begann der Abstieg

Als das Popularitätshoch für The Acclaimed verebbte, trennte AEW das Team. Caster und Bowens versuchten sich als Einzelwrestler – was speziell für den im Ring eher limitierten Caster wenig erfolgreich lief. Eine Fehde mit Ex-Partner Bowens wurde im vergangenen Jahr von den Lesern des Wrestling Observer Newsletter gar zur schlechtesten des Jahres gewählt.

Eine sich andeutende Reunion von The Acclaimed wurde von AEW in diesem Jahr still beerdigt. Es sieht so aus, als ob es auch ein reales Zerwürfnis zwischen den beiden gegeben hat: Bowens erklärte kürzlich in einem Social-Media-Beitrag, dass es „sehr unwahrscheinlich“ sei, dass die beiden je wieder Seite an Seite zu sehen sein werden.

In den vergangenen Monaten setzte AEW Caster nicht mehr ein und ließ zu Beginn des Monats schließlich seinen Vertrag auslaufen – auch Bowens‘ Zukunft ist aktuell ungewiss.

Casters TNA-Debüt am Wochenende sollte nun eigentlich ein neues Kapitel einläuten. Es ist nun stattdessen am Ende, bevor es richtig angefangen hat.