Wer ist der Mann, der Krösche bei Eintracht Frankfurt beerben soll?

Gänsehaut pur! Krösches komplette Rede im Video
7:41

Gänsehaut pur! Krösches komplette Rede im Video

Christoph Spycher rückt bei Eintracht Frankfurt als möglicher Nachfolger von Markus Krösche in den Fokus. Der Erfolgsarchitekt der Young Boys Bern hat mehrere Verbindungen zur SGE. Allerdings wird es für den Bundesligisten nicht leicht, den Schweizer nach Hessen zu lotsen.

Am Montag wurde es bei Eintracht Frankfurt um Markus Krösche noch einmal hochemotional. Unter Tränen verabschiedete sich der 46-Jährige auf der Mitgliederversammlung in der Frankfurter Jahrhunderthalle von den Anhängern.

„Ich bin ein relativ kühler Typ, der sehr rational ist. Aber die letzten Tage waren nicht einfach. Dann stand ich da am Freitag gegen Köln im Stadion und wusste, dass es mein letztes Eintracht-Spiel sein wird“, sagte Krösche dort unter anderem.  

Kommt Christoph Spycher zurück nach Frankfurt?
Kommt Christoph Spycher zurück nach Frankfurt?Kommt Christoph Spycher zurück nach Frankfurt?© IMAGO/Pius Koller

Zum Ende seiner Rede gab es tosenden Applaus und Standing Ovations. Kein Wunder, schließlich hatte Krösche die erfolgreichste Ära der jüngeren SGE-Vergangenheit als Sportvorstand maßgeblich mitgeprägt. Unvergessen bleibt vor allem der Triumph in der Europa League 2022. Doch ab sofort bricht bei den Hessen ein neues Zeitalter an. Und ein möglicher Nachfolger für Krösche steht schon in den Startlöchern.

Nach SPORT1-Informationen gilt Christoph Spycher, derzeit für die sportlichen Belange der Young Boys Bern verantwortlich, als absoluter Wunschkandidat. Beweggrund: Der 48-Jährige kennt die Eintracht bestens.

Zwischen 2005 und 2010 absolvierte der frühere Schweizer Nationalspieler 149 Pflichtspiele für die Frankfurter und führte die Mannschaft sogar als Kapitän aufs Feld. Vor allem aber seine Laufbahn nach dem Karriereende macht ihn für den Bundesligisten interessant.

DEINE MEINUNG

Spycher holte mit Bern sechs Meistertitel

Seit 2016 prägt er die sportliche Entwicklung der Young Boys Bern, zunächst als Sportdirektor und seit 2022 als Sportvorstand. Der frühere Linksverteidiger war entscheidend am Aufstieg des Klubs zur dominierenden Kraft im Schweizer Fußball beteiligt.

Unter seiner Führung beendeten die Berner 2018 eine 32 Jahre währende Durststrecke ohne Meistertrophäe, danach folgten gleich fünf weitere Titel bis 2024. Zugleich entwickelte sich der Verein sowohl sportlich als auch strukturell weiter. Wie Krösche bei der Eintracht gelang es Spycher in Bern, Talente frühzeitig zu verpflichten und regelmäßig Transferüberschüsse zu erzielen.

Dazu gehören unter anderem Jaouen Hadjam, der zuletzt im August für rund 13 Millionen Euro zu Brighton wechselte, und Djibril Sow, der den Berner 2019 bei seinem Abgang zu Eintracht Frankfurt 14 Millionen Euro einbrachte.

Spycher soll Frankfurter Neuausrichtung steuern

Klar ist aber auch: Bei den Adlerträgern steht neben personellen Veränderungen nun auch eine konzeptuelle Neuausrichtung an. Die Preise für junge Talente sind explodiert – das Risiko ist enorm hoch. In Zukunft sollen die Top-Talente wieder vermehrt aus dem eigenen Nachwuchsleistungszentrum kommen und der Fokus auf die eigene Jugendarbeit intensiviert werden.

Doch auch das wird Spycher zugetraut. Der mögliche Krösche-Nachfolger genießt in der Alpenrepublik in erster Linie den Ruf eines strategischen Denkers und Teamplayers. Statt sich in den Vordergrund zu drängen, arbeitet und hält er sich bevorzugt im Hintergrund auf.

Weggefährten beschreiben ihn als analytisch, besonnen und nah an den Mitarbeitern. Entscheidungen traf er in der Vergangenheit stets mit klarer Linie, ohne dabei auf öffentliche Selbstdarstellung zu setzen.

Spycher kennt Eintracht-Trainer Hütter

Hinzu kommt: Für Frankfurt spricht sein bestehendes Netzwerk. Mit Axel Hellmann, der nach Krösches Abschied zum Vorstandsvorsitzenden ernannt wurde und interimsweise auch die Aufgaben des Sportvorstands übernimmt, soll Spycher laut dem Hessischen Rundfunk weiterhin in gutem Austausch stehen.

Zudem arbeitete er bereits in Bern erfolgreich mit dem heutigen Eintracht-Trainer Adi Hütter zusammen, ehe es den Österreicher 2018 ein erstes Mal in die Mainmetropole zog.

Spycher aus Bern wegzuholen, wäre dennoch kein Selbstläufer. Denn dieser besitzt dort keine Ausstiegsklausel. Dazu hält Spycher bei den Young Boys Anteile in Höhe von zehn Prozent und sitzt im Sportverwaltungsrat. Im Falle eines Wechsels nach Frankfurt müsste er sich von seinen Anteilen trennen.

Christoph Spycher trug einst die Kapitänsbinde bei Eintracht Frankfurt
Christoph Spycher trug einst die Kapitänsbinde bei Eintracht FrankfurtChristoph Spycher trug einst die Kapitänsbinde bei Eintracht Frankfurt© IMAGO/WEREK

Andererseits scheint die Lage längst nicht aussichtslos. SPORT1-Informationen zufolge ist der Schweizer selbst von einer Rückkehr nach Frankfurt keineswegs abgeneigt und kann sich den freien Posten bei der Eintracht sehr gut vorstellen. 

Falls Spycher nicht kommt: Er ist Frankfurts Plan B

Faktischen Zeitstress gibt es nicht. Die Hessen drücken bei der Suche nach der neuen sportlichen Führung aber trotzdem aufs Tempo. In der Bundesliga läuft es seit geraumer Zeit nicht mehr wirklich rund, das nächste Transferfenster soll ein gutes werden.

Auch deshalb ist Spycher nicht der einzige Kandidat mit Eintracht-Vergangenheit. Plan B heißt Joti Chatzialexiou.

Der 50-Jährige steht seit Sommer 2024 als Sportvorstand beim 1. FC Nürnberg in der Verantwortung und sammelte seine ersten Trainererfahrungen einst bei der Eintracht. Zwischen 2001 und 2009 betreute Chatzialexiou mehrere Nachwuchsmannschaften des Vereins, bevor er seine Laufbahn beim DFB fortsetzte.