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So entwickelte Hütter die Büffelherde

So entwickelte Hütter die Büffelherde

Borussia Mönchengladbach findet unter Trainer Adi Hütter in die Spur. Vor allem Offensivfußball zeichnet den Erfinder der Frankfurter Büffelherde aus. Macht der Österreicher auch die Gladbacher Stürmer besser?
Borussia Mönchengladbach feiert den zweiten Ligasieg in Folge. Ist der Knoten bei den Fohlen nun endlich geplatzt?
Christopher Michel
von Christopher Michel
vor 7 Tagen

Die Fans von Borussia Mönchengladbach haben in den Duellen mit dem FC Bayern München (1:1) oder VfL Wolfsburg (3:1) zu sehen bekommen, wofür ihr neuer Trainer Adi Hütter bekannt ist.

Der Österreicher erklärte im Juli bei seiner Eröffnungs-Pressekonferenz: „Ich stehe für attraktiven, offensiven und begeisternden Fußball.“ So beschrieb er seinen Stil auch schon im Sommer 2018, als er von Young Boys Bern zu Eintracht Frankfurt wechselte.

Hütters Motto: „Mut zum Risiko“

Hütter sollte in seinen drei Frankfurter Jahren Wort halten. In der Tabelle der erzielten Treffer belegte die Eintracht die Ränge sieben, sechs und drei. 188 Bundesliga-Tore in 102 Partien – eine starke Bilanz. „Mut zum Risiko. Das begleitet mich bis heute“, antwortete er in einem Interview der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vor einigen Jahren auf die Frage, was seine Hauptmotivation ist.

Nach 100 Tagen an neuer Wirkungsstätte werden erste Erfolgserlebnisse sichtbar.

Eine wichtige Rolle dabei spielt seine Experimentierfreudigkeit, die sich auch in der Aufstellung widerspiegelt. So setzt Hütter aktuell auf Youngster wie Joe Scally, Manu Koné, Luca Netz oder Jordan Beyer und lässt erfahrene Kräfte wie Florian Neuhaus oder Christoph Kramer draußen.

Auch in Frankfurt saßen Stammspieler nach schwächeren Leistungen auf der Bank und andere Akteure konnten sich in den Vordergrund drängen und sogar den Tribünenplatz verlassen. Seine gewohnt offensive Ausrichtung opferte Hütter dafür nur einmal, nachdem der Klub in die Kellerregion rutschte. Oftmals waren die Auftritte jedoch sehr spektakulär.(NEWS: Alle aktuellen Infos zur Bundesliga)

Adi Hütter folgt bei Gladbach auf Marco Rose
Adi Hütter folgt bei Gladbach auf Marco Rose

Journalisten-Frage als Geburtsstunde der Eintracht-Büffelherde

Den Ursprung nahm eine mutige Entscheidung im Herbst 2018. In seinem 2019 veröffentlichten Buch „Teamgeist“ erinnerte Hütter an die Geburtsstunde der Eintracht-Büffelherde.

Motivationspsychologe und Freund Jörg Zeyringer, Autor der Lektüre, beschrieb den kuriosen Gedankengang des 51-Jährigen:

„In einer Pressekonferenz taucht eines Tages die Frage auf, ob man nicht alle drei Topstürmer - Luka Jovic, Ante Rebic und Sébastien Haller – aufbieten könnte. Adi findet diese Idee interessant, denkt darüber nach und hat den Mut, sein Sturmtrio beim Hinrundenspiel gegen den VfB Stuttgart am 2. November 2018 gemeinsam auf das Feld zu schicken.“

Die Folge? Die Eintracht überrollt den VfB mit 3:0. Haller und Rebic treffen, Jovic legt ein Tor elegant auf. Das Trio erzielte insgesamt 41 Tore in der Bundesliga sowie 16 Treffer in der Europa League. Torhüter Kevin Trapp, der von hinten genüsslich zusehen konnte, prägte den Begriff „Büffelherde“.

Bei den Fans des Klubs werden Haller, Jovic und Rebic, die weit über 100 Millionen Euro in die Kasse spülten, unvergessen.

Embolo der neue Gladbach-Büffel?

Ob Hütter in Gladbach bald schon ähnliche Tipps erhält? Bei guten Ideen jedenfalls hört er sich alle Meinungen an und beweist Flexibilität. Mit Breel Embolo hat Hütter möglicherweise auch in Gladbach bereits einen ersten Schlüsselspieler nach vorne gebracht. (DATEN: Die Tabelle der Bundesliga)

Die Leistung von Breel Embolo gegen Wolfsburg wurde in Medien bereits als „büffelig“ gesehen.

Der Schweizer bringt optimale Fähigkeiten für Hütters Spielidee mit. Tempo, Torinstinkt, Wucht – es sind Eigenschaften, die der Trainer in der Offensive schätzt. Mit Alassane Plea und dem aktuell verletzten Marcus Thuram ist noch eine Menge Potenzial vorhanden, in der Vorsaison traf nur Kapitän Lars Stindl zweistellig bei der Borussia.

Breel Embolo und Gladbach feiern Sieg in Wolfsburg
Breel Embolo und Gladbach feiern Sieg in Wolfsburg

Stürmer werden unter Hütter besser

Hütter hat schon einige Angreifer besser gemacht. André Silva beispielsweise stellte den Eintracht-Rekord mit 28 Treffern auf. Hütter kitzelte aus Daichi Kamada Bestleistungen heraus (15 Vorlagen), Filip Kostic wurde als linker Schienenspieler zum Unterschiedsspieler der Hessen.

Um diese Motivation hochzuhalten, lässt Hütter seine Profis vor der Saison Bilder zeichnen und sucht so ein gemeinsames, übergeordnetes Ziel. In seiner Zeit in Österreich führte er den Dorfclub SV Grödig aus der zweiten Liga in die Europa League. Das Bild nach dem Aufstieg? „Unser gemeinsames Ziel! Europa League! Wir versetzen Berge“.

Es war eine Gipfeltour, die malerisch festgehalten und am Ende erreicht wurde. Visualisierung als Erfolgsrezept.

Borussia Mönchengladbach feiert in Wolfsburg einen Big Point. Die Fohlen fahren ihren ersten Auswärtssieg nach einem Blitz-Doppelpack ein.
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Traumtor! Zweikampf-Monster Embolo kann auch anders

Hütter arbeitet erfolgreich mit Bildern

In Frankfurt hat Hütter mit dieser Methode ebenfalls gearbeitet. Wie SPORT1 weiß, hat auch der frühere Profi selbst zu Beginn seiner Eintracht-Zeit ein Bild gezeichnet. Es bildete Hütter mit einem Pokal vor feiernden Fans ab. Die Frankfurter schrammten 2019 nur denkbar knapp am Endspiel in der Europa League vorbei, gegen den späteren Sieger Chelsea war erst nach dem Elfmeterschießen Schluss.

Im Bundesliga-Endspurt ging der Eintracht dann die Puste aus, die Mannschaft war nach 50 Pflichtspielen „ausgepresst wie eine Zitrone“ und verpasste trotz sehr guter Ausgangslage die Champions League-Qualifikation. (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der Bundesliga)

Der Fokus lag auf dem Titelgewinn, die Enttäuschung nach dem Scheitern war zu groß.

Gladbacher Kader bietet Tiefe und Variationsmöglichkeiten

In Gladbach bietet ihm der Kader nun mehr Tiefe und Variationsmöglichkeiten, als es damals noch bei der Eintracht der Fall war.

Ob die Ära am Niederrhein ähnlich erfolgreich verlaufen wird wie in Frankfurt? Das ist natürlich noch komplett offen. Doch die Schritte nach dem Stotterstart lassen auf einen guten Fang von Manager Max Eberl schließen.

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