In 44 Sekunden hakte WWE den Abschied einer seiner größten Ikonen ab

In 44 Sekunden hakte WWE den Abschied einer seiner größten Ikonen ab

Heute vor 32 Jahren verkündete der damaligen Ligaboss Vince McMahon den Abgang des legendären "Macho Man" Randy Savage - in den Achtzigern der größte Star der Liga neben Hulk Hogan.

Hinter Hulk Hogan war er der zweitgrößte Wrestling-Star in der ersten Boom-Ära von WWE. Und manche sagen: Er hätte der größte sein sollen.

„Macho Man“ Randy Savage war eine Showkampf-Ikone, die alles hatte, was in der Entertainment-Branche haben muss: Ausstrahlung, Präsenz, Intensität, Glaubwürdigkeit, Redetalent, einen unverwechselbaren Look, eine unverwechselbare Stimme. Und anders als Hogan war er auch mit seinen athletischen Fähigkeiten im Ring seiner Zeit voraus.

Heute vor 32 Jahren endete das legendäre Engagement des „Macho Man“ in der damaligen WWF nach neun Jahren in eher abrupter Manier. Exakt zehn Jahre später folgte ein letztes Comeback auf der Wrestling-Bühne – das in weniger guter Erinnerung ist.

"Macho Man" Randy Savage zu Beginn der Neunziger
„Macho Man“ Randy Savage zu Beginn der Neunziger„Macho Man“ Randy Savage zu Beginn der Neunziger© IMAGO/Newscom World

Randy Savage strebte eigentlich in die MLB statt zu WWE

Savage – eigentlich: Randall Mario Poffo – wurde am 15. November 1952 in Columbus, Ohio geboren. Sein Vater Angelo Poffo war ein mittelgroßer Wrestling-Star, auch sein jüngerer Bruder Lanny Poffo (in der WWF bekannt als The Genius) folgte ihm in die Branche, die eigentlich nicht Randys erste Karriere-Wahl war.

Randy strebte eigentlich als Baseballer in die MLB, hatte auch einen Vertrag bei den St. Louis Cardinals. Trotz eines schon damals als außergewöhnlich beschriebenen Ehrgeizes reichte es am Ende jedoch nur für die Minor Leagues, 1974 sattelte er zum Wrestling um.

Er tat sich dort als Ausnahme-Talent hervor und weckte schließlich die Aufmerksamkeit von WWF-Boss McMahon, der ihn 1985 für seine aggressiv zu nationaler Dominanz expandierende Promotion unter Vertrag nahm.

Traumpaar mit Frau Elizabeth

Savage bekam bei der WWF seine damalige Ehefrau Elizabeth Hulette an die Seite gestellt, die beiden bildeten eine ungewöhnliche Kombination: Savage gab den gemeinen Bösewicht, die 2003 tragisch früh verstorbene Elizabeth das lieb-sympathische „All American Girl“, das irgendwie an den falschen Typen geraten war.

Die Konstellation verschob sich, der charismatische Savage wurde selbst zum Liebling, auch wegen seiner Ringfertigkeiten, die bei der damaligen WWF weit über dem Standard lagen. Savages Match gegen Ricky „The Dragon“ Steamboat bei WrestleMania III 1987 war sein erster großer Meilenstein. Es ist der einzige große WWF-Kampf der Achtziger, der auch nach heutigen Standards und Sehgewohnheiten noch überragend gut ist.

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Savage entwickelte sich in der Liga zur Nummer 2 hinter Hogan und war der natürliche Platzhalter, als Hogan länger ausfiel, weil er seinen ersten Film „No Holds Barred“ (Hulk Hogan – der Hammer) drehte.

Legendäre Rivalität mit Hulk Hogan

Die WWF krönte Savage bei WrestleMania IV mit einem Sieg über den „Million Dollar Man“ Ted DiBiase erstmals zum Champion und schrieb den beiden nach Hogans Rückkehr dann ein längeres gemeinsames Programm auf den Leib, das von der Partnerschaft als Dream Team „The Mega Powers“ (mit einer Fehde gegen die „Mega Bucks“ DiBiase und Andre the Giant) zur Feindschaft führte.

Die WWF inszenierte eine Eifersuchts-Story, in der Savage Hogan unterstellte, Elizabeth schöne Augen zu machen, was zu Savages erneuter Verwandlung zum Bösewicht führte – und zum großen Showdown bei WrestleMania V, bei dem sich Hogan den Titel zurückholte.

Savage blieb Top-Bösewicht – leicht umgemodelt als „Macho King“ mit der neuen Managerin Sensational Sherri (2007 ebenfalls zu jung verstorben) -, bis er zwei Jahre darauf in einem weiteren bis heute sehenswerten Klassiker gegen den im Ring sonst eher schwachen Ultimate Warrior seine Karriere aufs Spiel setzte und verlor.

Das Aus war nur ein scheinbares: Nach einem Zwischenspiel als Kommentator folgte ein Comeback als Liebling. Highlights: die inszenierte Traumhochzeit nach der Story-Versöhnung mit Elizabeth 1991 und eine weitere Titelregentschaft nach einer Fehde mit dem „Nature Boy“ Ric Flair im Jahr darauf.

Am Ende wurden die Ringauftritte seltener

In seinen letzten Jahren bei der WWF schien Savages Karriere auszuklingen: Seine Ringauftritte wurden seltener, er wurde hauptsächlich als Co-Kommentator der damals neu gestarteten TV-Show Monday Night RAW eingesetzt.

Als Savages Vertrag Ende 1994 auslief, streckte sich der damalige Ligachef Vince McMahon nicht mehr allzu sehr, um den damals 42-Jährigen zu halten. Verhandlungen über einen neuen Deal scheiterten, Savage unterschrieb beim damals aufstrebenden Konkurrenten WCW, der im selben Jahr schon Ikone Hogan abgeworben hatte.

McMahon beendete die Ära Savage am 7. November 1994 mit einem 44 Sekunden kurzen Monolog, in dem er die Fans über Savages Abschied informierte: „Im Namen aller hier, im Namen aller Fans und in meinem als Fan Nummer 1: Danke für all deine positiven Beiträge zur World Wrestling Federation, für all die wunderbaren Erinnerungen in so vielen Jahren. Wir wünschen dir nur das Beste. Viel Glück!“

Weiterer Erfolg bei WCW, bitteres Ende bei TNA

Tatsächlich hinterließ Savage er trotz seines fortschreitenden Alters bei WCW weiter Spuren: mit Neuauflagen der Fehden mit seinen alten Weggefährten Hogan und Flair, als Teil der legendären Gruppierung nWo (New World Order). Er hielt auch bei WCW noch viermal den World Title.

Randy Savage und Hulk Hogan bei einem Promo-Termin für WCW 1996
Randy Savage und Hulk Hogan bei einem Promo-Termin für WCW 1996Randy Savage und Hulk Hogan bei einem Promo-Termin für WCW 1996© IMAGO/Avalon.red

Sein letztes größeres Engagement 2004 bei der Liga TNA – das auf den Tag genau zehn Jahre nach seiner Verabschiedung bei WWE begann – brach er von sich aus nach nur einem Match schnell ab. Savage wirkte im Ring lange jünger, als er war, aber mit dann 52 Jahren war er doch nur noch ein Schatten seiner selbst.

„Ich kann das nicht mehr machen. Ich will nicht, dass die Leute mich so sehen“, zitierte der damals bei TNA mitverantwortliche Dusty Rhodes Savages letzte Worte, ehe er das Wrestling auf Nimmerwiedersehen verließ.

Der Rückzug des Perfektionisten Savage war ungewohnt radikal, fast alle Weggefährten hörten nie wieder von ihm.

Plötzlicher Tod im Jahr 2011

Savage trat in seinen letzten Lebensjahren noch als Schauspieler (Er spielte den Wrestler Bonesaw McGraw in „Spiderman“) und Synchronsprecher für Filme („Bolt“), TV-Serien und Videospiele („Cars Race-O-Rama“) in Erscheinung

Am 20. Mai 2011 wurden seine Fans vom frühen Tod des „Macho Man“ erschüttert. Er erlitt einen plötzlichen Herzinfarkt, als er mit seinem Jeep Wrangler in Florida unterwegs war.

Savages Tod im Alter von 58 Jahren schockte die Branche – und offenbarte ein letztes Mal, wie populär er war: Die Berichterstattung über seinen Tod beim Sportportal ESPN hatte für einige Tage mehr Leser als jedes andere Sportgeschehen, wie der Wrestling Observer im Nachruf notierte.

Im Jahr 2015 nahm WWE den Mann, der zahllose spätere Stars inspirierte, in die Hall of Fame der Liga auf.