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Die Tragödie des sanften WWE-Riesen

Die Tragödie des sanften WWE-Riesen

André the Giant war der berühmteste Gegner Hulk Hogans, Filmstar und als Feierbiest und Trinker berühmt-berüchtigt. Sein prall gefülltes Leben endete früh.
Hulk Hogan (r.) traf bei WrestleMania III auf André the Giant
Hulk Hogan (r.) traf bei WrestleMania III auf André the Giant
© WWE
Martin Hoffmann
Martin Hoffmann

Als Kind war er befreundet mit einem der berühmtesten Schriftsteller des 20. Jahrhunderts, als Erwachsener setzte er Arnold Schwarzenegger auf sein Autodach - und das waren nur zwei kleine Kapitel einer riesigen Geschichte.

André René Rousimoff, besser bekannt als André the Giant, war eine weltberühmte Attraktion. Er spielte in mehreren Filmklassikern mit, wurde selbst zum Vorbild mehrerer Hollywood-Streifen und als Motiv eines weltbekannten Kunstwerks zu einer Ikone im wörtlichen Sinne.

Der größte Rivale und WrestleMania-Gegner von Hulk Hogan war weit mehr als eine Wrestling-Legende. Er blieb in Erinnerung als großer Wrestler, großer Mensch und großer Lebemann.

Das „8th Wonder of the World“ - das heute 72 Jahre alt geworden wäre - führte ein Leben, das trotz seiner tragischen Kürze so prall gefüllt war, dass es für drei bis vier gereicht hätte.

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André the Giant litt an Hormonstörung

Rousimoff wurde am 19. Mai 1945 in der nordfranzösischen Kleinstadt Coulommiers, Seine-et-Marne geboren, er war Sohn eines polnisch-bulgarischen Einwanderer-Ehepaars, der für ein einfaches Arbeiterdasein gemacht schien - wären da nicht seine besonderen Merkmale gewesen.

Bereits als 12-Jähriger war André 1,91 Meter groß, hatte einen unnatürlich großen Kopf, riesige Hände. Er litt unter Hypersomie, Gigantismus, sein Körper produzierte zu viele Wachstumshormone.

Roussimoff wuchs letztlich auf rund 2,06 Meter, es war aber vor allem die Kombination mit seiner Masse und seinem unverwechselbarem Äußeren, der ihn für Showkampf-Promoter interessant machte - erst regional, dann global.

Der junge André the Giant bei einer Kraftdemonstration 1972
Der junge André the Giant bei einer Kraftdemonstration 1972

Die "Battle Royal" war seine Spezialität

Schon in den Siebzigern war André als Wrestler weltbekannt und laut Guinness-Buch der Rekord von damals auch der am besten verdienende Vertreter seiner Branche, mit einem sechsstelligen Jahreseinkommen.

Vince McMahon Sr., der Vater des heutigen WWE-Bosses Vince McMahon und Agent Andrés, vermarktete seinen Klienten weltweit als angeblich 2,24 Meter großes und über 200 Kilo schweres Monster (Übertreibungen, die bis heute von vielen für bare Münze genommen werden). André kam, sah, machte alle Gegner dem Erdboden gleich - und zog in eine andere Gegend weiter, ehe seine Dominanz dem lokalen Publikum zu langweilig wurde.

Die Battle Royals, Massenkämpfe, in denen André zig Gegner über die Seile warf, wurden zu seiner Spezialdisziplin - zu Andrés Ehren ist die "André the Giant Memorial Battle Royal" seit 2014 jährlicher Programmpunkt bei WrestleMania, bei dem unter auch schon NBA-Legende Shaquille "Shaq" O'Neal mitmischte.

Andrés Inszenierung - teils auch in Gigantenduellen mit anderen Hünen wie Ex-Basketballer Big John Studd - war die Blaupause für alle WWE-Riesen nach ihm, von Giant Gonzalez bis "Big Show" Paul Wight (von Rivalen WCW anfangs als Andrés Sohn ausgegeben), von The Great Khali bis zum aktuellen Erben, dem 2,20-Meter-Mann Omos.

1987: Legendäres Duell mit Hulk Hogan bei WrestleMania III

André, zu Beginn seiner Karriere ein erstaunlich agiles Superschwergewicht, war athletisch schon über dem Zenit, als die damalige WWF 1987 das Programm startete, für das er heute am meisten in Erinnerung ist.

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Vince McMahon, der Jüngere, münzte Andrés über mehr als ein Jahrzehnt aufgebaute Popularität und mythische Aura um, um seinen Topstar Hulk Hogan aufs nächste Level zu hieven. Er machte André zum verbitterten Bösewicht, der sich gegen Hogan wandte und ihn mit dem als windig porträtierten Manager Bobby "The Brain" Heenan als Champion zu entthronen versuchte.

Bei WrestleMania III im Pontiac Silverdome am 29. März 1987 vor angeblich über 90.000 Fans gipfelte die Rivalität in einem großen Match, in dem Hogan gelang, was vorgeblich über zehn Jahre niemandem gelungen war: Er holte André mit einem Bodyslam von den Beinen und besiegte ihn - ein Moment, der für das Publikum von damals eine ähnliche Wucht hatte wie das Ende der WrestleMania-Siegesserie des Undertaker gegen Brock Lesnar 27 Jahre später.

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1993: Tod mit nur 46 Jahren

André blieb noch einige Jahre bei der WWF präsent, bestritt weitere Programme mit und gegen andere Stars der Ära: den Ultimate Warrior, „Macho Man“ Randy Savage, Jake „The Snake“ Roberts, den „Million Dollar Man“ Ted DiBiase (Partner im Team „Mega Bucks“).

Ein schöner Anblick waren Andrés Matches damals nicht mehr: Sein Körper ächzte zunehmend unter den Folgen seiner Hormonstörung und den Belastung im Ring und außerhalb: André war als Lebemann bekannt, der laut Zeugenberichten über 100 (!) Bier an einem Abend wegtrinken konnte.

Was oft als lustige Anekdote erzählt wurde, war in der Realität aber wohl auch Andrés Weg, körperliche und seelische Schmerzen zu betäuben. Weil sein Riesenwuchs auch zur Folge hatte, dass seine Organe überdurchschnittlich belastet waren, rechnete André nicht mit einem langen Leben. Sein Alkoholismus trug dazu bei, dass die Prophezeiung sich selbst erfüllte.

Am 27. Januar 1993 starb André mit nur 46 Jahren in einem Pariser Hotelzimmer, Todesursache war Herzversagen. Er war wegen der Beerdigung seines Vaters auf Heimatbesuch.

Berühmte Begegnung mit Arnold Schwarzenegger und Wilt Chamberlain

WWE machte André posthum zum ersten Mitglied ihrer damals neu eingeführten Hall of Fame, sein Tod schockte aber nicht nur die Wrestling-Welt.

André hatte begonnen, sich eine zweite Karriere im Entertainment-Bereich aufzubauen, spielte in TV-Serien wie "Der Sechs-Millionen-Dollar-Man" und "Ein Colt für alle Fälle", in Filmen wie "Conan, der Zerstörer", "Micki und Maude" und - seine berühmteste und beste Rolle - als Riese Fezzik in der zeitlos schönen Literaturverfilmung "The Princess Bride" ("Die Braut des Prinzen").

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Der als großzügig und herzenswarm bekannte André knüpfte in Hollywood viele gute Bekanntschaften, berühmt wurde etwa die Anekdote eines gemeinsamen Essens mit den Conan-Hauptdarsteller Schwarzenegger und Co-Star und NBA-Legende Wilt Chamberlain.

Schwarzenegger hatte André - bekannt dafür, immer selbst für alle bezahlen zu wollen - heimlich einladen wollen, wurde ertappt und als "Rache" von André und Chamberlain aus dem Restaurant getragen und vor staunenden Passanten auf sein Auto gesetzt.

Wilt Chamberlain, Arnold Schwarzenegger und André the Giant am Conan-Set
Wilt Chamberlain, Arnold Schwarzenegger und André the Giant am Conan-Set

Verewigt in Film, Kunst und Videospiel

André schloss auch Freundschaft mit Billy Crystal ("Harry und Sally"), dessen Film "My Giant" ("Zwei auf großem Fuß") basierte auf ihren Begegnungen, Andrés Alter Ego wurde verkörpert von einem weiteren berühmten Riesen: Gheorghe Muresan, dem mit 2,31 Meter größtem Spieler der NBA-Geschichte.

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Auch andere Werke beziehen sich auf das Wrestling-Denkmal: Es gab eine Doku von HBO oder auch den Film „Waiting for André“, der seine kuriose Kindheitsbeziehung mit dem Schriftsteller Samuel Beckett („Warten auf Godot“) fiktionalisierte: Beckett war in seiner Wahlheimat Frankreich Nachbar von Andrés Eltern und fuhr die Kinder öfters zur Schule. Nach Andrés Angaben unterhielt er sich mit dem Absurdisten angeregt über Cricket.

André war zudem auch Vorbild für den Charakter Hugo aus dem Videospiel "Street Fighter" und Motiv des weltbekannten, viral verbreiteten Street-Art-Werks "Obey" ("André the Giant has a Posse") des Künstlers Shepard Fairey.

Das Kunstwerk "Obey" basiert auf einem Wrestling-Plakat mit dem Konterfei von André the Giant
Das Kunstwerk "Obey" basiert auf einem Wrestling-Plakat mit dem Konterfei von André the Giant

André, der die uneheliche Tochter Robin Christensen-Roussimoff hinterließ, ließ seine Asche auf seiner Farm in Ellerbe, North Carolina verstreuen. Die Spuren seines Mythos sind weit über die Wrestling-Welt hinaus gegenwärtig.