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Einmal Board Recycling bitte: Robert und Max zeigen wie es geht
Einmal Board Recycling bitte: Robert und Max zeigen wie es geht
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Nicolai Steidle -

Laut unserer Nachforschungen wurde das erste Fiberglass Surfboard 1946 von Peter Peterson gebaut. Vergeblich haben wir versucht rauszufinden, wie viele Kunststoffbretter bis Dato gefertigt wurden, es müssen viele Millionen sein. Eins können wir jedoch mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sagen: Kunststoff hat eine durchschnittliche Halbwertszeit von 450 Jahren;  jedes dieser Bretter ist also noch irgendwo auf diesem Planeten unterwegs.

Durch den allseits bekannten Recycling Code, der eigentlich auf fast allen in Supermärkten erworbenen Plastikartikeln aufgedruckt ist, wurde in Europa ein System zur Wiederverwertung des Schadstoffträgers Plastik erschaffen. Wir haben uns es an dieser Stelle nicht zur Aufgabe gemacht, zu diskutieren ob diese Kette fehlerfrei funktioniert, denn das tut sie mit Sicherheit nicht. Aber ein System ist vorhanden und ohne Recycling wären wir bereits jetzt alle den Plastiktot gestorben.

Warum werden eigentlich nicht alle Surfboards recycelt?

Schaut man jedoch auf Surfboards, sucht man dieses Etikett vergeblich, es gibt auch einfach kein einheitliches System dahinter. Hier und da taucht eine Firma auf, die sich mit dem Thema beschäftigt, es gibt aber keine gemeinsame Marschrichtung, um dieses Problem anzugehen. Aber wir wollen uns nicht in Worten verlieren: Zwei Jungs, die beide leidenschaftlich surfen zeigen uns, wie so ein Surfboardrecycling aussehen könnte:

Robert und Max: Ein Projekt

Max und Robert kennen sich seit früher Kindheit und kommen aus dem Rheingau in Hessen, wohnen also direkt am Wasser, aber leider viel zu weit weg von der nächsten surfbaren Welle. Nachdem Max 2015 sein Auslandsschuljahr in Neuseeland gemacht hat und dort fast täglich Surfen war, hat er Robert dazu überredet, sich ein Board zuzulegen und mit Max VW Bus nach Frankreich zu fahren. Dort hat er ihm 2016 das Surfen beigebracht. Es sollten viele Surftrips folgen. Im vergangenen Jahr hat Max eine Segeltour mit seinen Eltern gemacht. Um Praktika zu absolvieren, kam Max dann Anfang des Jahres aus der Karibik zurück, jedoch ohne Surfboard, das auf dem Segelboot blieb. Um sich die Lust auf das Wellenreiten etwas zu nehmen, und da man nie genug Boards haben kann, kamen die zwei auf die Idee sich ein Board zu shapen. Nach kurzen Recherchen entschieden sie sich, statt ein Blank zu kaufen, ein altes Windsurfboard zu reshapen.Erstens war das Windsurfboard schon da, zweitens war es eindeutig besser bezüglich des ökologischen Fußabdruckes. So wurde die Garage kurzerhand in einen „Shaping Room" umgewandelt.

Hier die einzelnen Schritte in der Fotogalerie:

Links Robert, rechts Max bei Ihrem letzten Urlaub an der spanischen Südküste und hier am Europa Point in Gibraltar

 

Wir mussten erst mal die Hülle des alten „Windglider" entfernen, um an den Schaum zu kommen.

Bei der „Entkernung" mussten wir darauf achten, nicht zu Tief in den Foam zu schneiden, wir wussten nicht, was uns erwartet, bei einem weit über 30 Jahre alten Board hätte von total verschimmelt bis ganz gut alles dabei seien könnten, aber einen so guten Zustand hatten wir nicht erwartet.

 

Nun hatten wir zwar ein Blank, aber aus diesen gigantischen Maßen ließen sich locker 2 Boards machen (der 2te Teil des Blanks wartet übrigens noch auf seine Verwendung). Also haben wir uns die zuvor sorgfältig überlegten und auf Schablonen übertragene Umrisse („Outlines") auf das Blank übertragen. Schnell was das Blank halbiert und die Outlines mit der Stichsäge grob ausgeschnitten. Nach dem Feilen und Schleifen war das Blank bereit für den nächsten Schritt.

Nun kümmerten wir uns um die Unterseite im Folgenden „Bottom" genannt. Wir haben das Material soweit abgesandet bis wir den richtigen Rooker erreicht. Dann haben wir auch noch eine konkave Kontur in den Bottom gesandet für eine bessere Performance. Für das Deck mussten wir dann mit der Stichsäge viel Material entfernen und mit Hobel und Schleifpapier das Ergebnis verfeinern.

Wie Robert und Max Board am Schluss ausgesehen hat, erfahrt ihr auf der nächsten Seite.

Da wir ja ein Windsrufboard recycelten, mussten wir auch Köche, die für Schwert oder Segel waren stopfen. Dafür haben wir einfach etwas Foam, welchen wir vorher entfernt hatte genommen und mit Proxy das Loch gestopft.

Als nächstes haben wir die Rails grob zugeschnitten und dann alles noch einmal rund und gleichmäßig abgesandet

Hier seht ihr wie die beiden das Board geglast haben:

[embed]http://www.youtube.com/embed/AI4O9MVUi1Y

Das Blank war jetzt bereit für das Glassing: die Glasfaser schneiden und drauflegen, die Logos platzieren und Epoxy drauf dann verteilen von nose to tail, rail to rail klingt in der Theorie einfach aber ist gar nicht so einfach zu handeln. Die selbe Prozedur folgte auf der anderen Seite auch.

Jetzt mussten noch Finnenboxen und Leashplug installiert werden. Dann noch waxen und ab ins Wasser damit!

Und hier ist das Prachtstück:

Wir finden das kann sich durchaus sehen lassen. Max hat das Brett mittlerweile auch gesurft. Es muss wohl ein echter Wavecatcher sein.

 



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