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Die BBL-Playoffs werden für ALBA Berlin und den FC Bayern zur Belastungsprobe
Die BBL-Playoffs werden für ALBA Berlin und den FC Bayern zur Belastungsprobe © Imago
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München - Schon vor dem BBL-Finale sind ALBA und Bayern mit ihren Kräften am Ende. Liga-Boss Stefan Holz erklärt bei SPORT1 die Hintergründe der Termin-Hatz. Uli Hoeneß kritisiert.

Das Playoff-Finale der easycredit BBL zwischen ALBA Berlin und den Basketballern vom FC Bayern verspricht Spannung pur. (NEWS: Alles zur BBL)

Es ist das Duell der besten deutschen Teams der vergangenen Jahre. Der Titelverteidiger trifft auf den Pokalsieger. Doch vor dem mit Spannung erwarteten Showdown um den Titel gibt es ein anderes Thema, das in den Fokus rückt.

Die Playoffs der easyCredit BBL LIVE im TV auf SPORT1 und im Stream

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Denn: Es wird in einem "verschärften Rhythmus" gespielt, wie es der FC Bayern betitelt. In nur maximal sieben Tagen spielen ALBA und die Münchener in bis zu fünf Finalspielen um die Meisterschaft. Am Mittwoch empfängt das Team aus der Hauptstadt die Bayern zum ersten Finalduell (ab 20.15 Uhr LIVE bei SPORT1 im TV und im Stream) - genau 24 Stunden später steigt schon wieder Partie zwei.

Geht die Serie über die volle Distanz, sind nur zwei Reisetage frei. Das Ende einer ohnehin kräftezehrenden Saison unter Corona-Bedingungen wird zur Durchhalteübung.

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Hoeneß findet Belastung "unmenschlich"

Kein Wunder, dass dieser Umstand auch die frühere Abteilung Attacke auf den Plan ruft. "Die Belastung ist einfach unmenschlich", kritisierte Uli Hoeneß im Münchner Merkur und der tz (Mittwochsausgabe). "

Der Ehrenpräsident der Bayern hat für das Format kein Verständnis: "Ich finde schon, dass man alles dafür hätte tun müssen, dass man da zumindest ein paar Tage mehr hat", sagte der frühere Klubboss, auch wenn man derzeit in einer Situation sei, "von der wir alle hoffen, dass sie nie mehr passiert".

Ein Highlight zum Abschluss der Saison könne das Finale unter diesem Umständen "nicht sein. Es wird darum gehen, wer noch ein bisschen mehr aus sich herausholen kann."

Trinchieri: "Spieler werden das Format hassen"

Ähnlich sieht das ALBA-Nationalspieler Niels Giffey, der mit seiner Mannschaft 80 Spiele auf dem Buckel hat: ""Für die Spieler ist das gerade absolut brutal. Am Ende der Saison ist das schon oft so, dass die Energie fehlt, aber dieses Jahr ist das ja noch krasser. Und dann sitzt du an dem einzigen spielfreien Tag stundenlang im Zug. Mehr geht irgendwie nicht."

Berlins Sportdirektor Himar Ojeda fügte an: "Das kennt noch keiner von uns. Und keiner weiß, wie man damit umgehen muss. Das erschreckt erst einmal." (SERVICE: Ergebnisse und Spielplan der BBL)

Es wird deutlich, worauf es im Kampf um den BBL-Titel jetzt ankommen wird: In der Finalserie werde fortan "entscheidend sein, welche Mannschaft ein bisschen mehr Energie aus sich herausquetschen kann", so Bayern-Geschäftsführer Marco Baldi.

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Andrea Trinchieri, der Coach der Münchner, wurde noch deutlicher. "Ich denke, die Spieler werden das Format hassen und den Preis dafür zahlen", so der Italiener: "Durch so ein Format mit zwei Spielen an zwei Tagen musst du erst mal durchkommen, das ist für alle etwas Neues."

Auch der ehemalige Bayern-Spieler Bastian Doreth äußerte Kritik an der engen Taktung: "Der Spielplan fürs Finale ist ein Desaster für die Spieler", schrieb der Point Guard von medi bayreuth.

BBL muss auf Nationalmannschaft achten

Dass das straffe Programm für die BBL-Profis eine enorme Belastung darstellt, weiß auch Geschäftsführer Stefan Holz. Allerdings betonte der 55-Jährige bei SPORT1, keine große Kritik der Teams  wahrgenommen zu haben. "Die Vereine leben damit. Zumal sie die Entscheidung ja auch mitgetroffen haben", erklärte der BBL-Chef.

Eine Verkürzung oder Entzerrung der Playoffs durch den Modus Best of three (um den es in der PENNY DEL Ärger gab) stand "nie zur Debatte", berichtet Holz. Stattdessen habe sich die Liga gemeinsam mit den acht Postseason-Teilnehmern entschieden, am Best-of-five-Modus festzuhalten. "Dann ergibt sich zwangsläufig eine enge Spieltaktung, weil wir mit den Playoffs erst recht spät beginnen konnten und am 15. Juni fertig sein müssen."

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Der Grund: Schon vom 18. bis 20. Juni spielt das deutsche Nationalteam in Hamburg beim Supercup und bereitet sich dort auf die Olympia-Qualifikation in Kroatien vor. Ab dem 29. Juni wird es in Split dann im Kampf um das Tokio-Ticket in der Gruppenphase gegen Russland und Mexiko ernst. Weitere mögliche Gegner im K.o.-System sind dann Kroatien, Tunesien und Brasilien.

"Wir spielen schon einen Tag in das Nationalmannschaftsfenster rein und haben auch schon einen Tag eher angefangen. Wir haben um jeden Tag gerungen. Natürlich ist es ein enges Programm, was aber den bekannt besonderen Umständen in diesem Jahr geschuldet ist", verweist Holz auf die Corona-Saison.

ALBA und Bayern plagen Verletzungssorgen

Die schwindenden Kräfte machten sich bislang auch bei der spielerischen Qualität in den Playoffs bemerkbar: "Wir haben kein Halbfinalspiel mit weniger als 15 Ballverlusten geschafft", klagte Trinchieri. (SERVICE: Die Tabelle der BBL)

Dem pflichtete auch Holz bei: "Natürlich ist uns aufgefallen, dass die letzten Spiele nicht super elegant und schnell und auch die Trefferquoten niedriger waren. Nach dieser Saison ist aber einfach der Tank leer. Die Spieler fahren auf dem letzten Tropfen Sprit. Vielleicht spielen sie nicht den besten und spritzigsten Basketball wie noch im Oktober. Aber das ist zu diesem Zeitpunkt der Saison auch nicht unnormal."

Trinchieri will angesichts der Belastungen die Finalserie "an der Grenze coachen"  - aber auf keinen Fall die Gesundheit der Spieler riskieren: "Es bleibt abzuwarten, was für ein Duell es diesmal werden wird, denn wir haben doch einige Probleme mit Verletzungen und sie (ALBA Berlin; Anm. d. Red) ja auch. Das Einzige, was ein Team nicht will, sind verletzte Spieler."

Holz: "Zu einfach, dass alleine der BBL anzulasten"

Holz sagte zu den Verletzungssorgen: "Jetzt lassen wir mal die Kirche im Dorf. Mögliche Verletzungen entstehen nicht, weil die BBL einige wenige Spiele back-to-back spielt. Es ist eine Saison, in der gerade die beiden Finalteilnehmer 80 oder gar 90 Spiele in den Knochen haben. Das ist eine enorme Belastung, aber es ist zu einfach, diese alleine der BBL und gar alleine der Finalserie anzulasten."

Und weiter: "Mir gefällt die Diskussion nicht. Wir haben eine tolle Finalserie mit den momentan stärksten beiden Teams. Wir sollten es positiv sehen, dass wir es bislang gut durch die Corona-Saison gebracht haben, ohne am Modus zu schrauben, und nun freuen wir uns auf eine Finalserie zweier herausragender Teams, die nochmal alles reinwerfen werden."

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