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Tibor Pleiß gewann mit Anadolu Istanbul die Euroleague
Tibor Pleiß gewann mit Anadolu Istanbul die Euroleague © Imago
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Großer Triumph für Tibor Pleiß. In seiner Heimatstadt Köln holt er mit Anadolu Istanbul in der EuroLeague den Titel - muss allerdings vorzeitig vom Parkett.

Tibor Pleiß hockte mit einem dicken Eisbeutel an seiner Wade hinter der Bande, er klatschte in die Hände und feuerte seine Teamkollegen an, am Ende war sein Jubel grenzenlos.

In seiner Heimatstadt Köln feierte der angeschlagene Basketballprofi beim Final Four mit Anadolu Istanbul den Titelgewinn in der EuroLeague, zwei Jahre nach der Finalpleite von Vitoria schlugen die Türken den FC Barcelona in der Lanxess Arena 86:81 (39:36) und Pleiß setzte sich als zweiter Deutscher die Krone auf. (Spielplan der Euroleague)

Zuvor hatte lediglich Patrick Femerling im höchsten europäischen Klub-Wettbewerb triumphiert. Der Rekordnationalspieler war 2003 mit Barcelona EuroLeague-Champion geworden, diesmal zogen die Spanier den Kürzeren, Anadolu gewann nach der Finalniederlage von 2019 gegen ZSKA Moskau erstmals. 

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Pleiß holt hinten die Rebounds und punktet vorne

Im Halbfinale am Freitag, als Istanbul ein Sieg über den russischen Spitzenklub ZSKA Moskau mit Nationalspieler Johannes Voigtmann gelungen war (89:86), schmorte Pleiß in der Lanxess Arena noch 40 Minuten hinter der Seitenlinie. Diesmal brachte Trainer Ergin Ataman den Center, der den Finaleinzug als einen "der größten Momente" seiner Karriere bezeichnet hatte, als "Traum, der wahr wird".

Pleiß kam im Endspiel des Final Four in Köln, das im Vorjahr wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden musste, zum Start des zweiten Spielabschnitts aufs Feld, da Stammcenter Sertac Sanli früh mit zwei Fouls belastet war. Kurz darauf versenkte er einen Dreier zum 22:25 (13. Minute), der in Bergisch Gladbach vor den Toren Kölns geborene 31-Jährige spielte gut. Hinten holte Pleiß Rebounds, vorn punktete er. Doch eine Verletzung am linken Unterschenkel nach einer Abwehraktion beendete seinen Einsatz nach acht Minuten. Es ging in die Kabine.

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Pleiß (5 Punkte, 3 Rebounds) humpelte nach der Pause zurück an den Spielfeldrand, an eine Rückkehr auf das Parkett war nicht zu denken. Trotzdem war Pleiß überglücklich über den Triumph: "Das ist der geilste Moment meines Lebens. In meiner Heimatstadt das Ding zu gewinnen, dass ich heute meine Momente hatte – das ist unbeschreiblich", so der Kölner bei Magenta Sport.

Istanbul und Barcelona um die ehemaligen NBA-Stars Pau Gasol und Nikola Mirotic lieferten sich einen spannenden Fight. Die Spanier, im zweiten Semifinale Sieger gegen Bayern Münchens Viertelfinal-Bezwinger Armani Mailand aus Italien (84:82), verloren nach gutem Start den Faden.

Micic sorgt für die Entscheidung

Anadolu um Topscorer Vasilije Micic (25 Punkte), das vor zwei Jahren im Endspiel an Moskau gescheitert war, setzte sich vor leeren Rängen nach der Pause leicht ab, doch Barcelona kam zurück. Micic machte 7,3 Sekunden vor der Schlusssirene von der Freiwurflinie alles klar.

Bis zum großen Spiel in seiner Heimatstadt war es für Pleiß ein weiter Weg gewesen. Seine Karriere hatte vor der Haustüre bei RheinEnergie Köln begonnen, als sich der Klub 2009 nach einem Insolvenzantrag vom Spielbetrieb abmeldete, wechselte Pleiß nach Bamberg und wurde dreimal Double-Sieger. Über Spanien ging es in die NBA, doch nach zwölf Einsätzen für Utah Jazz war Schluss. Seither spielt Pleiß wieder in Europa. 

"Ja, ich sehe jetzt schon, dass es einer der besondersten Momente meiner Karriere wird. Ein Final Four in der Heimat ist immer etwas Besonderes - egal, wie weit es geht. Es ist schön, der Familie und den Freunden so nah zu sein und sie im Rücken zu wissen - und vielleicht sogar die Stadt. In Köln habe ich den ersten Wurf auf einen Korb gemacht. Dort hat alles angefangen", erzählte er vor dem Final Four bei SPORT1.

Über einen möglichen Titel in der EuroLeague sagte Pleiß: "Es wäre ein Meilenstein. Es wäre der größte Erfolg für den Klub. Der Verein ist Rekordmeister in der Türkei und sich damit krönen zu können, wäre etwas ganz Besonderes. Wir wissen auch, dass ganz Türkei uns die Daumen drückt."

Der 2,21-m-Mann hofft weiter auf eine Nominierung durch Bundestrainer Henrik Rödl für die Olympia-Qualifikation in Split/Kroatien (29. Juni bis 4. Juli). Seinen bislang letzten Länderspieleinsatz hatte er 2016. Voigtmann (28), der vor dem Endspiel mit Moskau das "kleine Finale" gegen Mailand 73:83 (34:40) verlor, sollte dagegen für das Turnier gesetzt sein. Im Spiel um Platzt drei kam der Center auf zwölf Punkte und sechs Rebounds.

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Mit Sport-Informations-Dienst (SID)

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