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Das deutsche WM-Debakel hat viele Gründe, einer davon ist Dennis Schröder. Nachhaltiger Schaden droht der Sportart aber nicht, meint Kommentator Michael Körner.

Hallo Basketball-Freunde,

das deutsche Debakel bei der Basketball-Weltmeisterschaft hat viele Gründe. Die Defense war nicht das größte Problem. Die Offensive hat zu unflexibel gespielt, war zu wenig in Bewegung und hat immer wieder verzweifelt nach dem gleichen Schlüssel gesucht: Dennis Schröder sollte es irgendwie richten, hat aber einige falsche Entscheidungen getroffen.

Schon in der Vorbereitung haben die Alarmglocken leise geschrillt, das wurde aber ignoriert und man hat darauf gehofft, dass sich im Verlauf des Turniers alles einspielt. Auch die Testspielgegner haben uns zu wenig gefordert. Zudem hatten wir mit der Dominikanischen Republik einen Gegner, der sehr gut auf das deutsche Spiel vorbereitet war. Gegen Frankreich hätte man schon erkennen können, dass man Schwierigkeiten gegen sie bekommt. Im Laufe der Partie kam dann noch die Verkrampfung dazu.

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Robin Benzing hat nach dem WM-Aus davon gesprochen, dass manche Spieler nicht die richtige Einstellung gehabt hätten. Die Mannschaft wirkte aber sehr geschlossen, willig und ehrgeizig. Letztlich war von der viel beschworenen Breite des Kaders aber nichts zu sehen, vielleicht war der eine oder andere wegen fehlender Spielpraxis auch nicht bei 100 Prozent. Schröder hat viele Aktionen auf dem Feld übernommen.

Bundestrainer Henrik Rödl ist ein ruhiger Typ. Wenn er in den Auszeiten plötzlich rumgeschrien hätte, wäre das nicht glaubwürdig gewesen. Allerdings hätte ich mir die eine oder andere Auszeit mehr gewünscht, um die Taktik umzustellen. Dennoch hätten wir das Spiel fast gewonnen. Wenn der Buzzer Beater von Danilo Barthel gegen die Dominikanische Republik reingeht, hätte das der Knotenlöser für das ganze Turnier sein können - jetzt ist es das größte Desaster.

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Das Team hatte letztlich zu viele Baustellen, eine davon ist Dennis Schröder. Gegen Frankreich hatte er Aktionen, bei denen man denkt: Das kann nur Dennis Schröder, darum konzentriert sich das Spiel so auf ihn. Allerdings konnte er jetzt zwei Mal seine Mitspieler nicht besser machen, das lief in der Vorbereitung besser und daran wird er gemessen. Er ist der erklärte Führungsspieler und hat nun zwei Mal keine gute Leistung abgeliefert.

Schon allein wegen seiner Position als Point Guard muss er das Amt des Leaders ausüben. Er baut das Spiel auf, bestimmt den Rhythmus und die Statik des Spiels. Er ist aber nicht der einzige Go-to-Guy, der den letzten Wurf nehmen muss - jeder Spieler kann den entscheidenden Ball versenken, wir brauchen keinen zusätzlichen Führungsspieler.

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Allerdings muss man mit Dennis über gewisse Entscheidungen reden. Wenn es nicht läuft, sollte auch der Trainer über Umstellungen nachdenken: Schröder könnte dann als Shooting Guard auflaufen oder auch einmal auf der Bank Platz nehmen. Immer nur die Brechstange zu versuchen, hat jetzt zweimal nicht funktioniert.

Dennoch bleibt die Mannschaft für mich eines der absoluten Top-Teams, wenn sie einen guten Tag erwischt. Den Kader würde ich nicht anders zusammenstellen, wenn wir noch vor der WM stehen würden. Der Hype um das Team war berechtigt: Wir haben so viele NBA- und Euroleague-Spieler wie nie zuvor, hatten keine Probleme mit Verletzungen und einen ehrgeizigen Trainer, der sein erstes Turnier absolviert. Das Viertelfinale war ein realistisches Ziel und am Ende war man nicht weit davon entfernt, zumindest die Zwischenrunde zu erreichen.

Dass der deutsche Basketball nach dem Karriereende von Dirk Nowitzki und der enttäuschenden WM nachhaltig leiden wird, glaube ich nicht. Auch Dirk Nowitzki hat in seiner Hochzeit keinen Basketball-Boom in Deutschland ausgelöst, die Anzahl der Basketball-Fans im Land wird auch diese Weltmeisterschaft nicht entscheidend verändern. Zwar bringt die WM die Sportart nicht weiter, aber die Basketball-Fans werden jetzt nicht plötzlich aufhören, ihren Sport zu verfolgen. Vielleicht spielt die Mannschaft ja bei der Heim-EM 2021 besser, dann könnte es wieder einen Schritt vorwärts gehen.

Bis bald,
Euer Michael Körner

Michael Körner ist ein deutscher Kommentator, der zwischen 1995 und 2014 für SPORT1 Basketball und Poker kommentierte. Derzeit ist der 51-Jährige für Magenta Sport bei der Basketball-WM in China und kommentiert und analysiert die deutschen Spiele bei der Weltmeisterschaft.

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