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München - Gut ein Jahr nach seinem vermeintlichen Karriereende meldet sich Raymond van Barneveld eindrucksvoll zurück. Doch sein Sieg auf der Pro Tour ist nur ein kleiner Schritt.

Die Schmach seines unrühmlichen Abgangs plagt Raymond van Barneveld auch nach über einem Jahr noch.

Wie konnte er, der fünfmalige Weltmeister, die lebende Darts-Legende, bei seiner Abschieds-WM nur mit einer Erstrundenpleite gegen einen US-Nobody abtreten? "Das werde ich mir niemals verzeihen", jammerte der Niederländer im Dezember 2019, dafür werde er sich "jeden einzelnen Tag hassen". Das konnte doch nicht der Schlusspunkt einer so glanzvollen Karriere sein. (UK Open Darts 2021 von 5.-7. März LIVE im TV auf SPORT1)

Deshalb will der heute 53-Jährige diesen letzten Eindruck nun korrigieren und wagt ein Comeback. Die Lust am Darts, die vor seinem Rücktritt sichtlich abgenommen hatte, ist wieder zurück. "Das war nicht die Art und Weise, wie ich mich von meinen Fans verabschieden will. Das war fürchterlich", sagte er jüngst bei SPORT1 und führte aus: "36 Jahre lang war Darts die größte Liebe meines Lebens. Ich vermisse das Spiel, die Fans, die Spannung." Seit Oktober habe er täglich drei bis fünf Stunden trainiert. (Alles Wichtige zum Darts)

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Turniersieg gleich beim dritten Auftritt

Für diese Hartnäckigkeit wurde "Barney" am vergangenen Wochenende belohnt. Bei seinem dritten Auftritt nach dem Gewinn der Tour Card in der Q-School schlug er jeden Gegner, der sich ihm in den Weg stellte, und feierte beim dritten Turnier der Pro Tour den ersten Titel seit 2013. Im Finale besiegte der Niederländer am Samstagabend den Engländer Joe Cullen mit 8:6.

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Der erste Titel auf der Pro Tour seit 2013 wirft den Niederländer nur wenige Wochen nach seinem Comeback schon wieder bis auf Platz 86 der Weltrangliste. "Es ist einfach gut gelaufen heute. Ich hatte den Fokus, der mir in den letzten zwei, drei Jahren abhanden gekommen war. Ich kann gar nicht ausdrücken, wie glücklich ich bin", sagte der PDC-Weltmeister von 2007 im Siegerinterview des Verbands. (Darts: PDC Order of Merit – die aktuelle Weltrangliste)

Für den Erfolg gab es zwar "nur" 10.000 Pfund, dennoch könnte er "Barney" einen gewaltigen Schub geben. Er hat innerhalb kürzester Zeit bewiesen, dass er auch Turniere mit 128 Spielern gewinnen kann, wenn auch bisher nur über eine kurze Spieldistanz.

Van Barneveld trainiert täglich

"Letzte Woche war ich noch ein Amateur und heute gewinne ich ein Pro-Tour-Event, so etwas kann man erreichen, wenn man an sich selbst glaubt", erklärte van Barneveld. Erst kürzlich hatte sich der Großvater aus Den Haag bei der Q-School eine Tour Card ergattert. Aufgrund des immer höher werdenden Niveau im Darts war dies keineswegs als selbstverständlich anzusehen. Was den jetzigen Sieg besonders macht: 2006 erspielte er sich bei den UK Open seinen ersten PDC-Titel vor TV-Kameras am gleichen Ort.

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"Ich war so fokussiert, diese Tour Card zu gewinnen. Dann kam ich hierher zur Super Series und dachte nur: 'Wow, das hier ist nochmal ein anderes Level.' Ich fragte mich: 'Kann ich das nochmal packen'?" Die Antwort gab sich der ehemalige Weltmeister selbst am Oche.

"Natürlich kann ich das schaffen, wenn ich daran glaube. Es geht nur um den Glauben", erklärte er. Welche Mühen "Barney" für sein Comeback auf sich nahm, verdeutlichte folgender Satz: "Ich danke meinem Management, das dafür gesorgt hat, dass ich jeden einzelnen Tag trainiere, was ich in meinem bisherigen Leben noch nie so gemacht hatte." Durch die Fülle an aufstrebenden Darts-Profis ist es für die Erfahrenen längst nicht mehr so einfach wie früher.

"Barney" berichtet über private Probleme

Das schon vor längerer Zeit angekündigte Comeback des Altmeisters hatte hohe Wellen geschlagen – neben dem ebenfalls bereits zurückgetretenen Rekordweltmeister Phil Taylor ist van Barneveld der bekannteste Name des Sports.

Doch nicht überall stößt die vielbeachtete Rückkehr auf Gegenliebe. "Die Art und Weise, wie er es gemacht hat, ist nicht wirklich gut", hatte der dreimalige Weltmeister und langjährige Dominator Michael van Gerwen bei SPORT1 seinen Landsmann kritisiert: "Er hat sein Abschiedsspiel gegeben, alle haben Tickets gekauft und sechs Monate später ist er wieder da. Das ist ein wenig ungünstig."

Van Barneveld gab MvG damals sogar teilweise recht. "Es wäre vielleicht besser gewesen, wenn ich einfach ein Sabbatical genommen hätte", sagte er: "Jetzt muss ich eben von vorne anfangen. Und ich bin ziemlich sicher, dass ich es schaffen werde." Und er schaffte es.

Wie sehr das vergangene Jahr am Niederländer zehrte, gab er in einem Interview preis, das die PDC vor dem Start der Q-School veröffentlichte. "Das letzte Jahr war ein Alptraum mit dem Coronavirus, aber das Jahr davor war noch schlimmer für mich. Ich war nicht mehr ich selbst", sagte er. Der Routinier berichtete von Problemen mit der Scheidung, Problemen in seinem Kopf und mit seinen Kindern.

"Ich konnte keine Darts mehr spielen", sagte "Barney". Das sei nach gut einem Jahr Pause nun wieder ganz anders. "Jetzt fühle ich mich gut, fühle mich wie neu geboren. Ich kann es kaum erwarten, wieder Darts zu spielen."

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Nächste Chance wartet bereits am Freitag

Der Kontrast zwischen Abgang und Neustart könnte dabei kaum krasser sein: Im Dezember 2019 verlor der 53 Jahre alte Niederländer sein bisher letztes WM-Match im Alexandra Palace von London, auf der größten Darts-Bühne der Welt.

"Ich war niemals glücklich mit meiner Entscheidung zurückzutreten. Ich habe nie gedacht, dass das gut für mich ist", sagte van Barneveld in einem Interview dem britischen Sender Sky Sports. Er habe das Spiel und die Aufmerksamkeit der Fans vermisst, erklärte der Routinier, der schon häufiger mit Rücktrittserklärungen für Wirbel gesorgt hatte - und dann zügig wieder zurückruderte.

Spätestens mit seinem ersten Turniersieg ist van Barneveld endgültig wieder auf der Tour angekommen. Die Chance, sich auf allerhöchstem Niveau zu beweisen, hat er bereits ab Freitag bei den UK Open (LIVE im TV auf SPORT1). Dann findet das erste Major mit den neuen Tour-Card-Besitzern statt.

In der zweiten Runde des prestigeträgtigen Turniers wurde ihm der Tour-Debütant Alan Soutar zugelost, der bei seinen ersten Matches auf der Pro Tour einen starken Eindruck hinterlassen hat, unter anderem mit einem Sieg gegen Peter Wright.

Für "Barney" steht dann der nächste Schritt seines großen Ziels an: Seiner großartigen Karriere einen glanzvolleren Schlusspunkt zu setzen als 2019. Und gegen den einen oder anderen Turniersieg auf dem Weg dahin hätte er sicher auch nichts einzuwenden.

Hier finden Sie die Livestreams der UK Open:

Darts Live - UK Open, 4. Runde mit Clemens in Milton Keynes
Darts Live - UK Open, 5. Runde in Milton Keynes
Darts Live - UK Open, Achtelfinale in Milton Keynes
Darts Live - UK Open, Viertelfinale in Milton Keynes
Darts Live - UK Open, Halbfinale & Finale in Milton Keynes

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Mit Sport-Informations-Dienst (SID)

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