Münch knackt den Jackpot! Die Darts-Sensation im Video
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London und München - Kevin Münch schlägt bei der Darts-WM den zweimaligen Titelträger Adrian Lewis und schreibt damit Geschichte. SPORT1 stellt die deutsche Darts-Sensation vor.

"We gon' light it up, like it's dynamite" schallt es durch die Lautsprecherboxen, wenn Kevin Münch zum Taio-Cruz-Song "Dynamite" zum Walk-On antritt. Zu deutsch: "Wir werden hochgehen wie Dynamit."

Diesen Worten hat der 29-Jährige bei seinem zweiten WM-Auftritt im Alexandra Palace am Dienstag Taten folgen lassen. Mit dem Erstrundensieg über Superstar Adrian Lewis hat er Darts-Geschichte geschrieben - und das Londoner Publikum an den Rand der Ekstase getrieben.

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Dabei ist der Zweitrundeneinzug beim größten Darts-Turnier der Welt (täglich LIVE im TVLIVESTREAM und im LIVETICKER) nüchtern betrachtet gar nicht Münchs größter Karriereerfolg. 2012 schaffte es der Bochumer schon einmal soweit.

2012 Ladbrokes.com World Darts Championship - Day Three
Der junge Kevin Münch bei der Darts-WM 2012 © Getty Images

Doch damals war Münchs Erstrundengegner kein zweifacher Weltmeister, sondern der unbekannte Engländer Denis Ovens, der nach einem miserablen ersten Satz verletzungsbedingt aufgeben musste.

Monsterfinish-Qualitäten: Münch lässt Ally Pally beben

Am Dienstag dann das komplette Kontrastprogramm: Gegen den Turnier-Favoriten lieferte der Bochumer das Match seines Lebens ab. Vier Sätze wie Dynamit - und die Sensation war perfekt.

"Im vierten Satz habe ich so gezittert"

"Ich hatte nichts zu verlieren und konnte mein Spiel endlich einmal komplett durchziehen. Im vierten Satz habe ich so gezittert. Jetzt bin ich einfach nur unendlich froh, dass es geklappt", rang der sichtlich überwältigte Favoriten-Schreck nach seinem Coup bei SPORT1 nach Worten.

Bei 12:1 stand im Vorfeld die Quote auf einen Sieg des Deutschen. Und im ersten Satz wurde "The Jackpot" seiner Favoritenrolle auch gerecht. Münch verpasste seine Chancen auf die Doppelfelder, Lewis schraubte dagegen gleich ein 121er-Finish ins Board - die Dinge schienen ihren erwarteten Lauf zu nehmen.

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Doch dann spielte sich Münch in einen Rausch, packte selbst High-Finishes am laufenden Band aus und gewann zwischenzeitlich sieben Legs in Folge: "Endlich habe ich gezeigt, dass ich die Darts nicht nur irgendwo hin schleudere", freute sich der zweifache deutsche Meister, der am Ende acht 180er schaffte - sogar mehr als Weltmeister Michael van Gerwen.

Münch dominiert im Jugendbereich

Im Grundschulalter nahm der gebürtige Herner zum ersten Mal die Darts seiner Eltern in die Hand, musste sich noch einen Stuhl an die Seite des heimischen Boards stellen, um die Pfeile wieder herauszuziehen.

Sein Talent zeigte sich schnell. Im Jugendbereich hält Münch reihenweise nationale Bestmarken, wurde 2004 und 2005 deutscher Jugendmeister, legte als Erwachsener zwei weitere Titel (2010, 2011) nach und feierte auch Achtungserfolge auf internationaler Ebene.

Münch wirft übrigens mit seiner linken Hand, obwohl er eigentlich Rechtshänder ist. Hintergrund: Als Kind brach er sich das Schlüsselbein, musste danach einige Zeit mit links spielen - und blieb einfach dabei.

Auf der Bühne setzt er optisch auf einheitliche Farben: Neben seinem grünem Trikot trägt er passend dazu auch grüne Ohrringe und ein grünes Augenbrauen-Piercing. Keine schlechte Farbauswahl, denn grün ist bekanntlich die Farbe der Hoffnung.

Das Weltklasse-Level, das er gegen Lewis zeigte, hatte Münch auf den ganz großen Bühnen zuvor aber noch nie durchgehalten. Eine Erklärung: Münch ist kein Vollprofi. Erst im Sommer hat er seine Ausbildung zum Landschaftsgärtner abgeschlossen. Seitdem fokussiert sich der 29-Jährige aber noch mehr auf Darts, steht täglich drei bis vier Stunden an der Scheibe.

"Das ist sehr ungewohnt für mich, weil ich früher eher selten trainiert habe. Aber ich merke, dass es bergauf geht und es wesentlich konstanter wird. Ich habe mittlerweile auch Spaß am vielen Training gefunden, aber ich will es auch nicht übertreiben. Man kann auch zu viel trainieren und sich kaputtspielen", sagte der Deutsche noch vor Turnierbeginn.

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Münch bringt Publikum auf seine Seite

Die Sorgen waren umsonst: Auf das erhöhte Trainingspensum folgte die Leistungsexplosion. Den dritten Satz begann "The Dragon" mit sechs perfekten Darts. "Da dachte ich schon: 'Huch, was ist denn jetzt los?'", verriet der Rechtshänder, der seit einer Schlüsselbein-OP in der Jugend die Darts mit links wirft.

Trotz der Nervosität blieb Münch im Tunnel - und zog mit seinen beständig hohen Scores die grölende Menge im Ally Pally endgültig auf seine Seite.

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Spätestens ab der 2:1-Satzführung, als die Sensation langsam Konturen annahm, kochte die Stimmung im Darts-Mekka über. Die "Kevin, Kevin Münch"-Sprechchöre nahmen kein Ende - wobei das deutsche "Münch" aus den Mündern der britischen Fans eher nach "Mansch" klang.

Der Grund: In der offiziellen Meldeliste der PDC ist der Deutsche als "Kevin Munch" aufgeführt. "Ich mag dieses 'ue' nicht, ich finde das sieht dumm aus", erklärte der neue Publikumsliebling, der über Weihnachten nach Hause ins Ruhrgebiet fliegen wird.

Für seinen Zweitrunden-Auftritt am 27. Dezember (gegen Cristo Reyes oder Antonio Alcinas) sieht er keinen Grund, seinen internationalen Fans Deutsch-Nachhilfe zu geben: "Die dürfen das gerne weiter so singen." Die Fangesänge würden schließlich auch bedeuten, dass Münch am Oche wieder explodiert wie Dynamit.

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