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München - Anastasia Dobromyslova gehörte zu den ersten Frauen bei einer Darts-WM. Die dreimalige Weltmeisterin weiß, wie man die Männer auf großen Bühnen schlägt.

Anastasia Dobromyslova - Diese Frau fürchten die Darts-Machos

Geboren: 26.9.1984 in Kalinin (Russland)
Familienstand: Verheiratet, ein Sohn
Spitzname: From Russia with Love
Wurfhand: rechts
Einlaufmusik: "Bring me to Life" von Evanescence

Der Grand Slam of Darts 2009 machte sie bekannt.

Anastasia Dobromyslova gelang damals der wohl größte Sieg einer Frau bei einem Major-Turnier gegen einen Mann. Vincent van der Voort musste sich mit 4:5 geschlagen geben - Dobromyslova war auf einmal DAS Gesprächsthema der Darts-Welt.

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Denn die Russin war erst die zweite Frau überhaupt, die einen Mann bei einem großen Turnier vor TV-Kameras besiegte (Deta Hedman war das 2005 bei den UK Open gelungen).

Bei der PDC-WM 2019 kam sie zurück und trat zum ersten Mal seit 2009 wieder bei der Weltmeisterschaft im Ally Pally an. Kaum etwas fürchten die Darts-Machos mehr, als beim größten Turnier der Welt gegen eine Frau rauszufliegen.

"Einen Mann bei der WM zu schlagen, wäre einer der schönsten Tage meines Lebens, neben der Geburt meines Kindes und meiner Hochzeit", sagte Dobromyslova. Dieser Traum ging jedoch nicht in Erfüllung. Gegen den Ryan Joyce aus England verlor sie mit 0:3.

Dobromyslova kennt sich auf großen Darts-Bühnen aus

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Erstmals gab es 2018 bei der PDC Qualifikationsturniere für Frauen. Dobromyslova und Dauerrivalin Lisa Ashton setzten sich erwartungsgemäß durch. Das Duo teilte sich sechs der vergangenen sieben Frauen-WM-Titel, 2018 bestritten sie das WM-Finale gegeneinander, das Ashton mit 3:1 gewann.

Dennoch steht die 34-jährige Russin im Mittelpunkt des Interesses – nicht zuletzt wegen ihres damaligen Coups gegen van der Voort. 2008 bei den UK Open hatte sie gegen den namhaften Schotten Robert Thornton nur mit 5:6 verloren.

Historischer Auftritt bei Darts-WM 2009 bringt Kritik

2009 schaffte sie es als zweite Frau überhaupt ins Feld der PDC-WM und verlor knapp ihr erstes Spiel. Ein qualifizierter Inder hatte zurückgezogen, deshalb bekam Dobromyslova eine Wildcard. Legende Eric Bristow kritisierte ihre Einladung damals scharf, solche Vorurteile bestehen durchaus immer noch.

Vor allem Dobromyslova hatte immer wieder damit zu kämpfen. Denn durch ihre plötzliche Bekanntheit bekam sie Sponsorenverträge, machte Fotoshootings mit dem Darts-Giganten Phil Taylor. So etwas schürt Neid - gerade auch bei männlichen Kontrahenten.

Anders als beim Konkurrenzverband BDO gibt es bei der PDC keine getrennten Events, Frauen können sich genauso für alle Turniere qualifizieren, allerdings schaffen es nur ganz wenige. Auch deshalb kehrte Dobromyslova 2011 zur BDO zurück.

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Niveau der Frauen noch deutlich niedriger

Warum schaffte es bisher noch keine weibliche Spielerin in die Weltklasse? Es spielen schlicht deutlich weniger Frauen Darts, deshalb gibt es natürlich auch weniger Masse und Klasse in der Spitze. Dobromyslova ist Profi, viele Kontrahentinnen nicht.

Entsprechend ist das Niveau generell nach wie vor etwas niedriger als bei den Männern - speziell in der PDC. Während Michael van Gerwen und Co. regelmäßig 3-Dart-Averages von jenseits der 100 abliefern, bewegen sich die Frauen eher im Bereich von 75 bis 85.

Ashton und Dobromyslova sind aktuell die einzigen Damen, die in der Lage sind, einen Average von 90 oder mehr hinzulegen.

Dobromyslova verliert gegen Joyce

Während Ashton konstanter ist, kann die Russin mit einem richtig guten Tag aber auch den Männern gefährlich werden. Ihr Erstrundengegner bei der WM 2019 gehörte nicht zu den absoluten Topleuten. 

Dass eine Niederlage nicht einem Weltuntergang gleichkäme, zeigte Dobromyslova bereits vor dem Turnier. "Ich hatte keine gute Saison, aber was kann denn schlimmstenfalls passieren? Ich verliere. Geschichte habe ich trotzdem schon geschrieben. Ich habe nichts zu verlieren und will mein bestes Darts zeigen", betonte die dreimalige Weltmeisterin. Zu einem Sieg reichte es leider nicht.

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Schwanger ins WM-Halbfinale

In der vergangenen WM lief die Russin ihrer alten Klasse noch etwas hinterher, was aber durchaus verständlich ist, schließlich brachte sie im Februar 2017 ihren Sohn Joseph zur Welt - wenige Wochen zuvor hatte sie noch das WM-Halbfinale erreicht.

Ehemann Tony Martin, selbst ein guter Dartsspieler und Teilnehmer der BDO-WM 2005, übernimmt aktuell den Großteil der elterlichen Pflichten im gemeinsamen Heim im Nordwesten Englands.

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