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Dortmund - Darts-Legende Phil Taylor spricht im Interview mit SPORT1 über seine Liebe zum Pfeilewerfen, die Favoriten der WM und die deutschen Fans im Ally Pally.

Er ist die größte Legende der Darts-Geschichte, Rekord-Weltmeister und ewiger Publikumsliebling - Phil Taylor.

Nach der WM 2018, die er mit der Final-Niederlage gegen Rob Cross beendete, schloss "The Power" das Kapitel Profi-Darts. Seither tritt er nur noch bei Showmatches ans Oche. Das diesjährige Darts-Highlight im berühmten Alexandra Palace verfolgt der 59-Jährige natürlich trotzdem - wenn auch nicht vor Ort.

Im SPORT1-Interview spricht Taylor über seine Liebe zum Darts, sein aktuelles Leben und die deutschen Fans im Ally Pally.

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SPORT1: Wie bereitet man sich vor, um im Ally-Pally seine besten Darts zu spielen?

Phil Taylor: Ich persönlich habe mich mental ab August auf eine WM vorbereitet. Die richtige Vorbereitung ging dann erst zwei bis drei Wochen vorher los, da ich davor mit vielen Medien-Anfragen beschäftigt war. Und dann probiert man so viel wie möglich zu trainieren und den Fokus aufzubauen, der noch viel wichtiger ist. Zudem ist Erholung sehr wichtig, um energiegeladen in die WM gehen zu können.

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SPORT1: Glauben Sie, dass es die wichtigste Bühne ist, da es hier auch so laut ist?

Taylor: Ja, es ist das größte Turnier. Die WM, das ist einfach ein Unterschied. Du kannst alles gewinnen, aber es interessiert niemanden wirklich. Die Weltmeisterschaft ist das, was jeder gewinnen will.

SPORT1: Sie haben ja Ihre offizielle Karriere beendet. Was ist seitdem passiert?

Taylor: Ich habe jede Menge persönliche Erfahrungen gesammelt. Dieses Jahr habe ich bestimmt an die 90 Show-Turniere gespielt. Aber das werde ich nächstes Jahr ein wenig drosseln, da ich ja auch älter werde.

Taylor: Liebe zum Darts wird nie aufhören

SPORT1: Sie haben Ihre Karriere beendet. Lieben den Darts-Sport immer noch?

Taylor: Das wird nie aufhören. Es ist das Reisen, was ich nicht mag. Wenn du die ganze Zeit im Flugzeug, im Auto, im Zug sitzen musst – das hasse ich. Deswegen ist es fantastisch für mich, mal zu Hause zu sein. Nach über 30 Jahren Tournee-Stress ist es für mich großartig.

SPORT1: Was ist Ihre Meinung zu Michael van Gerwen? Warum ist er im Vergleich zu den anderen so gut?

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Taylor: Er ist einfach sehr talentiert und arbeitet hart. Ich habe in den letzten Wochen gegen zwei Spieler gespielt, die mich wirklich beeindruckt haben. Der eine war Gerwyn Price, der absolut brillant gegen mich gespielt hat. Der andere war Michael, der einen 118er-Average rausgeschossen hat. Die beiden könnten Gegner im Finale sein.

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Taylor: Das ist Vorteil von Price

SPORT1: Sie hatten Gerwyn Price erwähnt. Das Jahr 2019 war ein großes Jahr für ihn. Was ist sein größtes Talent?

Taylor: Er ist ein gewaltiger Darter, ein wirklich guter Darter. Er hat jetzt die Erfahrung, ist in dem richtigen Alter und er ist fit. Das ist eine Sache, die viele vergessen. Er spielt eine WM und könnte danach direkt noch eine spielen. Er ist einfach fit. Und das ist der Vorteil für Gerwyn. Er hat vor niemandem Angst und hat ein großes Selbstbewusstsein. Ich habe es oft erlebt, dass Spieler hochkommen, die nach zwei bis drei Wochen von der Bildschirmfläche verschwinden für sechs Monate, weil ihr Standard sinkt. Bei Gerwyn ist das nicht der Fall, er ist konstant.

SPORT1: Ist es wirklich so wichtig, gut vorbereitet und fit zu sein?

Taylor: Es ist sehr wichtig, weil die Spieler fast jede Woche spielen. Als ich angefangen hatte, haben wir vielleicht alle zwei bis drei Monate ein Turnier gespielt. Heutzutage spielen sie alle zwei bis drei Tage, wenn nicht sogar jeden Tag. Der Grund, warum ich nie zur WM zurückgekommen bin, sind die Qualifikationsturniere. Die finden meistens auch an den Wochenenden statt. Dann spielt man Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag, Samstag, Sonntag – und das jede Woche.

Taylor schwärmt von Wright

SPORT1: Ein anderer großer Name ist Peter Wright. Was denken Sie über Ihn?

Taylor: Ich liebe Peter. Er ist ein Charakter, der mir ein Lächeln in Gesicht zaubert, wenn ich seinen Namen höre. Wenn ich es einer Person gönnen würde, die WM zu gewinnen, wäre er das. Ob er es kann? Ja er kann es. Er muss es nur dort oben zeigen.

SPORT1: Daryl Gurney hatte einige Auf und Ab's dieses Jahr, aber die letzten Monate spielte er sehr gut…

Taylor: Ich mag ihn als Person, aber nicht wirklich als Darts-Spieler. Er schüttelt zu schnell mit dem Kopf. Aber er ist ein sehr guter Spieler.

Taylor spricht über deutsche Fans

SPORT1: Wie sieht es mit Glen Durrant aus?

Taylor: Nein, nicht dieses Jahr. Das Jahr hat ihn gekillt. Er ist noch nie so viel gereist und hat noch nie so viel gespielt wie dieses Jahr in seiner langen Karriere. Ich würde nicht dagegen wetten, dass er das Halbfinale erreichen kann. Aber du musst das gewisse Etwas haben. Er hat ein Level zwischen 106er und 107er Average gespielt. Das reicht gegen Gegner wie Michael und Gerwyn nicht, die einen 110er bis 120er spielen. Das ist der Unterschied.

SPORT1: 30 Prozent der Fans im Ally Pally kommen aus Deutschland. Was ist Ihre Meinung über die deutschen Fans in London?

Taylor: Deutsche Fans und deutsche Personen lieben den Sport und sind sehr fair. Sie kommen hier hin, zahlen Geld, zahlen die Tickets und buchen sich Hotels. Ich hoffe, sie haben einen großartigen Abend.

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