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Deutschland spielt beim WM-Auftakt auf Gastgeber Dänemark
Deutschland spielt beim WM-Auftakt auf Gastgeber Dänemark © SPORT1-Grafik: Imago/SPORT1
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München - In der SPORT1-Kolumne spricht Rick Goldmann über die Chancen des DEB-Teams und worauf es bei der WM ankommt. Zudem nennt er die WM-Favoriten und seinen Geheimtipp.

Liebe Eishockey-Freunde, 

zum Abschluss eines grandiosen Eishockey-Jahres mit Olympia-Silber und spannenden DEL-Playoffs wartet eine WM (LIVE im TV auf SPORT1) auf uns, die mega prominent besetzt ist. Mit Kanadas Superstar Connor McDavid ist der beste Scorer der NHL dabei und zudem läuft auch Chicagos Patrick Kane für Team USA auf. Das sind zwei der derzeit besten Eishockeyspieler auf diesem Planeten, für die eigentlich eine Bühne wie Olympia gemacht ist. 

Und genau hier sind wir jetzt, den Bogen zwischen dem überragenden Erfolg mit der Silbermedaille in Pyeongchang und der WM in Kopenhagen und Herning zu spannen. Für die deutsche Mannschaft heißt es bei dieser WM die Leistungen der Heim-WM und Olympischen Spiele zu bestätigen. (Alle Infos zur Eishockey-WM)

Wichtig: Es geht um die Leistung, nicht die Platzierung! Alles, was eine deutsche Nationalmannschaft in Zukunft erreicht, jetzt an der Silbermedaille zu messen, wäre vermessen. Olympia war durch den Wegfall der NHL-Spieler eine Ausnahmesituation, eine einmalige Chance, etwas Großes zu erreichen. Und das hat Marco Sturm mit seinen Jungs geschafft.

(Deutschlands WM-Start gegen Dänemark ab 20 Uhr LIVE im TV auf SPORT1)

Deutschland erwartet harte WM-Gruppe

Für die Olympia-Helden wie Patrick Hager, Yannic Seidenberg und Dominik Kahun von Meister EHC Red Bull München geht es nach dem langen bisher so unglaublich erfolgreichen Eishockey-Jahr in den Endspurt. Für die drei und die beiden Vizemeister Marcel Noebels und Jonas Müller heißt es noch einmal alle Kräfte mobilisieren, ehe der wohlverdiente Urlaub wartet. 

Hager ist einer von nur vier Spielern, die alle Turniere unter Sturm bestritten haben. Dies ist bei der hohen Anzahl der Spiele - bisher 84 durch DEL, Champions Hockey League, Länderspiele und Olympia - hoch anzurechnen. Gleiches gilt für Moritz Müller, für den mit den Kölner Haien in Playoffs schon früh Schluss war, der aber trotzdem heiß ist, für die WM alles zu geben, Seidenberg, der mit seinem Bruder noch einmal gemeinsam eine WM spielen will und Kahun, der trotz anstehenden Wechsels in die NHL diesen Abschluss sucht. 

Auf Sturms Mannschaft warten jetzt ganz andere Gegner als bei Olympia. Wir brauchen uns ja nur die Gruppengegner Kanada und USA anschauen mit ihren beiden oben bereits erwähnten Superstars. Diese Kanadier sind mit der kanadischen Mannschaft aus dem Olympia-Halbfinale nicht zu vergleichen, es ist kein Spieler mehr dabei, das sind bis jetzt 22 von 23 Mann, die in der NHL spielen. Und ihr dritter Keeper ist noch so jung, dass er in der Juniorenliga spielen darf. Aber von den 23 Kanadiern wurden 15 in der ersten Runde des NHL-Drafts - davon drei an 1 - ausgewählt. Das zeigt, über welches Talent diese Truppe verfügt. 

Aber auch bei der deutschen Mannschaft sehen wir ein anderes Gesicht. Das liegt auch daran, dass nur zehn Olympia-Helden dabei sind. Sei es wegen nachvollziehbarer Rücktritte, Verletzungen oder privaten Gründen. 

Sturm leitet im DEB-Team Umbruch ein

Mit der WM beginnt aber auch ein neuer Olympia-Zyklus, das erfordert auch einen Umbruch im Team, den treibt Marco Sturm nun entschieden voran, forciert ihn. Mit Marc Michaelis, Manuel Wiederer, Markus Eisenschmid und Frederik Tiffels bringt er zu den drei NHL-Spielern Leon Draisaitl, Dennis Seidenberg und Korbinian Holzer eine weitere nordamerikanische Note ins Team. Mit sieben Spielern von drüben - und mit Tom Kühnhackl oder Philipp Grubauer könnte noch ein weiterer hinzukommen - sind so viele wie noch nie in Sturms Kader dabei. 

Sein Vertrauen auf die jungen Nordamerika-Spieler hat auch mit seiner Ausrichtung seines Spiels zu tun: Speed, Geradlinigkeit und mit aller Macht Zug zum Tor. Diese vier jungen Spieler stehen für seinen Stil. Und Sturm hat vergangene WM mit Tiffels ein Händchen für solche Spieler bewiesen. (Spielplan der Eishockey-WM 2018)

Puckende Momente: Erfolgstrainer Marco Sturm

Die deutsche Mannschaft muss sich wieder das Ziel Viertelfinale setzen, Platz vier in der Vorrunde ist realistisch. Aber es gibt mit Norwegen, Lettland und Gastgeber Dänemark einen Vierkampf um Platz 4. Das sind Duelle auf Augenhöhe. Diese Nationen werden das Olympia-Silber der deutschen Mannschaft als Motivation nehmen, einerseits um den Silbermedaillengewinner zu schlagen, andererseits auch als Vorbild, was alles möglich sein kann. Die deutsche Mannschaft ist in solchen Spielen der Gejagte.

WM-Favoriten und Geheimtipp

Zu den Favoriten gehören für mich die USA. Die Amerikaner haben dieses Jahr eine sehr starke Mischung in ihrem Kader. Scorer wie Anders Lee (40 Tore in der NHL), Playmaker wie Patrick Kane, aber auch Arbeiter wie Brian Gibbons oder Blake Coleman, die auch in ihrem Klub New Jersey Devils genau diese Rolle einnehmen. Und mit Keith Kinkaid und Scott Darling sind sie im Tor besser besetzt als die Kanadier. 

Das scheint aber auch die einzige kleinere Schwachstelle von Team Kanada zu sein, denn was die an Offensivpower aufbieten ist schon enorm. Bis auf Bailey (18) und Pageau (14) hat jeder Stürmer mindestens 20 Tore in der NHL-Saison erzielt. Und Pageau trifft dann in der Vorbereitung gegen Lettland gleich mal doppelt. 

Titelverteidiger Schweden ist ebenso nicht zu unterschätzen wie Olympiasieger Russland, wobei der russische Kader bei Olympia gefühlt stärker war. Bei Schweden fehlt mir ein Playmaker wie es im Vorjahr William Nylander war, der das Spiel an sich gerissen hat. Vielleicht kann Mika Zibanejad diese Rolle übernehmen. Freuen dürfen wir uns aber auf Supertalent Elias Pettersson, der mit seinen 19 Jahren in den schwedischen Playoffs für Furore gesorgt und Växjo fasst im Alleingang zum Titel geschossen hat. (Tabellen der Eishockey-WM)

Mein Geheimtipp: Passt mir auf die Schweizer auf. Die haben eine richtig gute Truppe, eine sehr ausgeglichen besetzte. Da kommt richtig viel zusammen – und wenn eventuell auch noch Roman Josi und Kevin Fiala von den Nashville Predators dazustoßen, könnte eine Überraschung drin sein. 

Aber wer weiß, vielleicht sorgt ja auch die deutsche Mannschaft für eine solche Überraschung. Olympia zeigt ja: Alles ist möglich! 

Euer Rick

Rick Goldmann, 42, stand 126 Mal für die deutsche Nationalmannschaft auf dem Eis. Der Verteidiger, der beim NHL-Draft 1996 an 212. Position von den Ottawa Senators gezogen wurde, bestritt ein Spiel in der NHL. Nach einer schweren Sprunggelenksverletzung beendete er 2008 beim EHC München seine Laufbahn. In seiner Karriere bestritt er für den EV Landshut, Adler Mannheim, Kaufbeurer Adler, Moskitos Essen, ERC Ingolstadt und Iserlohn Roosters 500 DEL-Spiele. Für SPORT1 kommentiert Goldmann seit 2008 die Spiele der Nationalmannschaft.

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