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München - Die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft legt bei der WM den besten Start seit 89 Jahren hin. Doch die dicken Brocken kommen erst. SPORT1 wagt eine Prognose.

Das nächste Eishockey-Märchen nimmt Konturen an.

Nach dem vierten Sieg im vierten Spiel ist die deutsche Nationalmannschaft bei der Eishockey-WM (täglich LIVE im TV auf SPORT1) nur noch theoretisch von einem der ersten vier Ränge zu verdrängen. Die Qualifikation für das Viertelfinale - das ausgegebene Ziel vor der WM - so gut wie sicher. (DATENCENTER: Der Spielplan der Eishockey-WM 2019)

Dabei sah es im Duell mit dem WM-Gastgeber Slowakei lange nicht danach aus - doch gegen nervös werdende Slowaken schaffte es das DEB-Team, die Partie innerhalb von 85 Sekunden doch noch zu drehen. 27 Sekunden vor Schluss erzielte Superstar Leon Draisaitl den 3:2-Siegtreffer für die erneut gnadenlos effektive deutsche Mannschaft.

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"Man kann die Jungs nur loben, dass sie so stark zurückgekommen sind", resümierte Bundestrainer Toni Söderholm bei SPORT1 nach der Partie. 

Bester Start seit 89 Jahren

Letztmals startete das deutsche Nationalteam vor 89 Jahren bei der WM 1930 mit vier Siegen in eine Weltmeisterschaft - am Ende wurde sie Vizeweltmeister. Für die letzte Medaille bei einem Großereignis muss man jedoch nicht so weit zurückblicken.

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Bei Olympia 2018 in Russland holte das deutsche Team unter Bundestrainer Marco Sturm sensationell Silber. Allerdings fehlten damals sämtliche NHL-Stars, was einige Nationen signifikant schwächte.

DEB-Boss Franz Reindl sieht dennoch Parallelen: "Der Ballon ist voll aufgepumpt. Du merkst in der Kabine: Sie wollen mehr. Das erinnert mich an Pyeongchang, sie wollen immer mehr."

Kann also ein ähnliches Husarenstück wie bei Olympia auch bei der WM 2019 gelingen? SPORT1 wagt eine Turnierprognose.

Drei Spiele gegen dicke Brocken

Die deutsche Mannschaft ist aktuell Tabellenführer in der Gruppe B mit zwölf Punkten aus vier Spielen. Doch die letzten Gegner in der Vorrunde sind am Samstag (16.15 Uhr) Kanada, am Sonntag (16.15 Uhr) die USA und am Dienstag (12.15 Uhr/alle LIVE im TV auf SPORT1) Finnland.

"Jetzt kommen die schweren Brocken. Da können wir ein bisschen locker durch die Hose atmen", blickt Verteidiger Korbinian Holzer entspannt voraus. Auch Olympiaheld Yannic Seidenberg hat keine Angst vor großen Namen: "Wie es bei Olympia auch war: Wenn wir einen Sahnetag haben und alles zusammen passt, können wir die auch schlagen."

Viertelfinal-Duell mit Russland droht

Auf dem Papier geht das deutsche Team trotzdem als klarer Außenseiter in die Partien. Drei Niederlagen kämen daher nicht völlig unerwartet und könnten Platz vier nach der Vorrunde zur Folge haben. Theoretisch wäre auch noch das Vorrunden-Aus möglich, doch dazu müsste Dänemark über sich hinauswachsen.

Passiert dies nicht, käme es im Viertelfinale aller Voraussicht nach zum Duell mit Olympiasieger Russland. Die Sbornaja tritt bei der Weltmeisterschaft in absoluter Starbesetzung an und gilt bei vielen Experten als Topfavorit auf den Titel - es käme einem Wunder gleich, wenn Deutschland diese geballte Offensive stoppen könnte.

Ein weiterer Sieg in der Vorrunde für das Söderholm-Team wäre daher sehr wertvoll. Denn damit könnte es sogar für Platz drei reichen und man trifft "nur" auf den Zweitplatzierten aus Gruppe A. Mit Schweden, Tschechien und der Schweiz streiten aber ebenfalls drei besser als Deutschland besetzte Teams um diesen Platz.

Schweiz als Wunschgegner im Viertelfinale

Wunschgegner wäre aus deutscher Sicht wohl die Schweiz, da das DEB-Team gegen diesen Gegner sogar eine positive Bilanz aufweist. 29 von 54 Duellen konnte man für sich entscheiden. In einer Partie kann man den kleinen Leistungsunterschied zu den Eidgenossen mit einer starken Torhüter-Leistung wettmachen.

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Dagegen ist die Bilanz gegen Schweden desaströs, denn von 56 Duellen konnte Deutschland nur drei gewinnen. Mut macht der Sieg bei Olympia, doch da war die Besetzung der Skandinavier nicht annähernd auf dem gleichem Niveau. Gegen Tschechien setzte es in 21 Duellen 17 Niederlagen. 

Dennoch: Tritt das deutsche Team im Viertelfinale ähnlich gnadenlos effektiv wie gegen die Slowakei auf und hat das Spielglück auf seiner Seite sowie einen bärenstarken Torhüter im Rücken, ist der Einzug ins Halbfinale möglich.

Dies wird zweifelsohne eine Herkulesaufgabe - doch die bisher gezeigten Leistungen laden zum Träumen ein.

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