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München und Bratislava - Die finnische Mannschaft, in der Heimat als Team der Namenlosen titutliert, holt sensationell WM-Gold. Der Dank geht auch an das deutsche Team um Toni Söderholm.

Als auf dem Eis in Bratislava die "schlechteste Mannschaft aller Zeiten" den WM-Pokal in die Höhe reckte und in der finnischen Heimat Zehntausende jubelnd auf die Straßen strömten, dankte einer der Eishockey-Weltmeister der deutschen Nationalmannschaft.

"Wir mussten wohl dieses Spiel verlieren, das hat uns einen Extraschub gegeben", sagte Abwehrspieler Petteri Lindbohm nach dem 3:1-Triumph im Endspiel gegen Kanada.

Fünf Tage vor dem Final-Coup hatten Leon Draisaitl und Co. die Finnen mit 4:2 geschlagen - dann startete das Team der Namenlosen durch und schaltete nacheinander den Titelverteidiger Schweden, den Rekordweltmeister Russland und die kanadische NHL-Auswahl aus. Am Ende stand der dritte WM-Titelgewinn der "Leijonat", einer der überraschendsten in der Eishockey-Geschichte.

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Söderholm lobt Landsmänner

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge sah Bundestrainer Toni Söderholm den unerwarteten Triumph seiner Landsleute. "Am Anfang habe ich auch nicht gedacht, dass sie es schaffen könnten", sagte der Finne. "Aber sie geben von der ersten Sekunde bis zur letzten 1000 Prozent für ihr Team. Gott sei Dank ist das im Mannschaftssport entscheidend."

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Dass nur die Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) den Weltmeister in der regulären Spielzeit besiegte, machte ihn zwar "stolz". Aber: "Ganz ehrlich: Es ärgert mich noch ein bisschen mehr, dass wir unsere Möglichkeiten nicht genutzt haben. Es wäre noch mehr drin gewesen", sagte Söderholm, der mit seinem Team im Viertelfinale mit 1:5 an Tschechien gescheitert war.

Die Finnen, die ihren Erfolg von 2011 an selber Stelle wiederholten, verspürten nicht nur unbändige Freude, sondern auch Genugtuung. Vor der WM waren sie in den heimischen Medien als "schlechteste Mannschaft aller Zeiten" verspottet worden, weil nicht ein Stammspieler aus der NHL dabei war. "Das hat uns eine Menge Energie gegeben", sagte Kapitän Marko Anttila.

Anttila wird zum "Nationalheld"

Der 34-Jährige, bei Jokerit Helsinki alles andere als ein Torjäger, war mit vier Treffern in den K.o.-Spielen - zwei davon im Finale - einer der überraschenden Väter des Erfolgs. "Jetzt ist er ein Nationalheld", meinte Lindbohm, der nach einem gescheiterten Nordamerika-Abenteuer beim HC Lausanne in der Schweiz sein Geld verdient, lachend.

"Das Einzige, was zählt, ist das, was in der Kabine passiert", sagte der Verteidiger: "Jeder hat für den anderen gespielt. Es hat perfekt funktioniert. Wir haben nicht die besten Individualisten, aber das beste Team." Mit diesem Mannschaftsgeist verlor Finnland zwar gegen Deutschland, beendete aber die Titelträume der Superstars: Schwedens Torwartlegende Henrik Lundqvist verzweifelte ebenso am Team der Namenlosen wie Russlands NHL-Torschützenkönig Alexander Ovetschkin.

"Es war eine unglaubliche Reise", meinte Anttila, "ich hoffe, die Leute in Finnland hatten genauso viel Spaß wie wir." Hatten sie: In Helsinki feierten 10.000 Fans ausgelassen auf dem Marktplatz, Dutzende sprangen im kalten Regen in Unterwäsche in den Havis-Amanda-Brunnen. "Das ganze Land dreht durch", sagte Lindbohm und grinste.

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