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Rick Goldmann traut dem deutschen Team bei der Eishockey-WM einiges zu
Rick Goldmann traut dem deutschen Team bei der Eishockey-WM einiges zu © SPORT1-Montage: Getty Images/SPORT1
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Die Eishockey-WM (LIVE auf SPORT1) steht vor der Tür. SPORT1-Experte Rick Goldmann sieht beim deutschen Team einen Erfolgsschlüssel und schwärmt von Russland.

Hallo Eishockey-Freunde,

die DEL-Saison hat in den Adler Mannheim ihren Meister gefunden, das heißt aber noch lange nicht, dass auch die Eishockey-Saison zu Ende ist. Jetzt kommt noch ein wahres Highlight. Die WM. (Die Eishockey-WM ab Freitag LIVE im TV auf SPORT1)

Es ist nicht nur ein Highlight, weil es der Saisonabschluss ist. Es ist ein Highlight, weil uns richtig großes Eishockey erwartet. Großes Eishockey - und große Spieler. Das Who is Who im internationalen Eishockey. Nur um einmal ein paar zu nennen: Alex Ovechkin, Patrick Kane, Roman Josi, John Tavares, Nikita Kucherov, Evgeni Malkin - und Leon Draisaitl.

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Ja, Draisaitl müssen beziehungsweise dürfen wir ausdrücklich in dieser illustren Runde nennen. Draisaitl als der zweitbeste Torschütze und viertbeste Scorer in der NHL steht etwas exemplarisch für den Kader der deutschen Nationalmannschaft. Denn der ist gut, vor allem offensiv und spielstark. Mit reichlich Potenzial, Geschwindigkeit und Talent. Das kann begeisterungsfähiges Eishockey werden, die Voraussetzungen ins Viertelfinale zu kommen, sind definitiv da.

Grubauer nach Playoff-Aus vor WM-Teilnahme

In der Vorbereitung haben wir viele gute Ansätze gesehen, Kreativität in der Offensive - aber das Team muss auch im Kollektiv nach hinten arbeiten, ähnlich wie wir es bei den Adler Mannheim in der DEL gesehen haben. Das wird der Schlüssel zum Erfolg werden.

Ein immens wichtiger Baustein könnte hier Philipp Grubauer werden, der im Tor von Colorado überragende Playoffs gespielt hat, nun aber ausgeschieden ist. Ob und wenn ja wann der letztjährige Stanley-Cup-Sieger kommt, wird sich zeitnah entscheiden. Ich persönlich gehe davon aus, dass er zum zweiten Spiel zur Verfügung steht. Das würde dem Team noch einmal einen immensen Push geben.

Ein Konzept und eine Philosophie ist beim neuen Bundestrainer Toni Söderholm definitiv erkennbar. Er setzt seine Spielphilosophie um, stellt dafür auch den Kader zusammen. Einen Kader, hinter dem er steht, der seine Ideen umsetzt, seine Philosophie. Sicherlich gab es auch bei der Nominierung zwei bis drei Entscheidungen, bei denen wir uns denken: Hm, warum macht er das jetzt so? Aber Toni gibt als neuer Bundestrainer diesem Team eben sein Gesicht.

Zum Auftakt geht es für Söderholms Jungs gegen Großbritannien (Eishockey-WM: Deutschland - Großbritannien am Samstag ab 16.15 Uhr im LIVETICKER). Einerseits eine angenehme Aufgabe, weil es der vermeintlich einfachste Gegner ist und du gegen so ein Team ins Rollen kommen kannst. Andererseits auch undankbar, weil die Briten am Anfang im Saft stehen, sie ein Ziel haben, gerade zu Beginn vielleicht ein Spiel zu gewinnen, um dann irgendwie den Abstieg zu verhindern.

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Insgesamt meint es der Spielplan mit der deutschen Mannschaft so, dass die ersten vier Spiele gegen Großbritannien, Dänemark, Frankreich und die Slowakei über den Turnierverlauf und damit auch über das Viertelfinale und die Olympia-Qualifikation entscheiden. Dann kommen erst die Duelle mit den Großen, mit Kanada, den USA und Finnland. Wobei ich hier die USA mindestens so stark einschätze wie die Kanadier.

USA noch stärker besetzt als Kanada

Kanada hat in Mark Stone einen herausragenden Spieler dabei, gerade nach dem verletzungsbedingten Ausfall von John Tavares ist der Kader bei den USA in der Offensive aber insgesamt noch stärker besetzt. Die Amerikaner haben in Patrick Kane nicht nur den MVP der vergangenen WM dabei, sie haben wieder eine hervorragende Mischung aus kreativen Spielern, Scorern und Arbeitern - und auch in der Defensive passt es mit kompromissloser Härte, läuferischen Fähigkeiten und Spielaufbau. Einzige Schwachstelle ist die Torhüter-Position.

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Die Finnen sind nicht mit den ganz großen Namen bei der WM. Das macht sie schwer einzuschätzen: Sie stellen eine Mischung aus überall in Europa verteilten Spielern - auch in allen Altersklassen - und einigen jungen NHL- und AHL-Akteuren. Dazu kommt Kaapo Kakko, der mit dem US-Amerikaner Jack Hughes Platz eins und zwei im NHL-Draft ausmachen wird.

In der Bratislava-Gruppe spielen meine beiden Top-Favoriten: Russland und Schweden. Was die Russen für eine Truppe beisammen haben, ist schon brutal. Da schaust du dir den Kader an und fragst: Wer fehlt da eigentlich noch? Kucherov, Ovechkin, Malkin - das sind allein schon mal 289 Scorer-Punkte in der NHL.

Und: Die Russen sind nicht nur im Angriff sensationell aufgestellt, auch die Verteidiger und vor allem die Keeper sind stark. Alle drei - Vasilevski, Georgiev und Sorokin - könnten als Nummer eins ins Turnier gehen.

Schweden erneut mit "King Henrik" Lundqvist

Nur noch besser, was die Defensive angeht, sind die Schweden. Was die jedes Jahr an den Start bringen - und wieder einmal "King Henrik": Henrik Lundqvist im Tor ist einfach sensationell.

Eigentlich hatte er ja nach dem WM-Titel 2017 in Köln mit seinem Zwillingsbruder Joel seine Nationalmannschaftskarriere beendet, jetzt will er noch mal. Dazu Oliver Ekman-Larsson, Robert Hägg und Erik Gustafsson vor ihm, das ist einfach gut.

Allein diese drei zeigen wieder die perfekte Mischung der Schweden: Hägg, der Verteidiger mit den meisten Hits in der NHL. Gustafsson, mit den drittmeisten Toren aller Verteidiger in der NHL und eine Waffe im Powerplay an der blauen Linie. Und OEL ist einfach OEL, einer der alles kann und Eiszeit frisst.

Vergangene WM ging ja mein Tipp mit den Schweizern ("Passt mir auf die Schweizer auf!") ganz gut auf. Auch dieses Jahr schickt die Schweiz eine Top-Truppe ins Rennen. Aber mir gefallen auch die Tschechen. Vom Kader her schaut das sehr gut aus, angeführt von Jakub Voracek ist das eine sehr gute Mischung aus jungen, aufstrebenden und erfahrenen, etablierten, aber zugleich nicht zu alten Spielern. In der Slowakei können sich die Tschechen zudem auf reichlich Unterstützung von den Fans freuen.

Bratislava hat 2011 gezeigt, wie sehr es Eishockey liebt - und nichts anderes erwarte ich 2019 von Kosice und eben wieder Bratislava. Die slowakischen Fans mit ihrem "Slovensko, Slovensko" und "My sme ty doma". Großartig!

Ich bin auf jeden Fall schon ganz heiß und freue mich auf diese WM.

Euer Rick

Rick Goldmann, 43, stand 128 Mal für die deutsche Nationalmannschaft auf dem Eis. Der Verteidiger, der beim NHL-Draft 1996 an 212. Position von den Ottawa Senators gezogen wurde, bestritt ein Spiel in der NHL. Nach einer schweren Sprunggelenksverletzung beendete er 2008 beim EHC München seine Laufbahn. In seiner Karriere bestritt er für den EV Landshut, Adler Mannheim, Kaufbeurer Adler, Moskitos Essen, ERC Ingolstadt und Iserlohn Roosters 500 DEL-Spiele. Für SPORT1 kommentiert Goldmann seit 2008 die Spiele der Nationalmannschaft und der DEL.

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