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Für die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft fällt die WM im Mai ins Wasser
Für die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft fällt die WM im Mai ins Wasser © Getty Images
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Die Coronakrise lässt die Austragung der Eishockey-WM im Mai platzen. Damit steht auch das deutsche Team um Leon Draisaitl vorerst ohne Turnier da.

Die Macher zögerten die Absage lange hinaus, doch die Corona-Pandemie ließ ihnen dann doch keine andere Wahl: Die Eishockey-WM in der Schweiz (8. bis 24. Mai) ist am Samstag offiziell abgesagt worden. Diese Entscheidung teilte der Weltverband IIHF mit. 

Damit fällt erstmals seit 1946 die jährliche Weltmeisterschaft aus, was bei den Organisatoren und Verbänden ein tiefes finanzielles Loch reißen dürfte. Das WM-Turnier war mit einem Budget von mehr als 30 Millionen Euro veranschlagt. Es waren bereits mehr als 300.000 Eintrittskarten verkauft worden.

"Es ist eine harte Realität, der sich die internationale Eishockey-Familie stellen muss, aber wir müssen diese akzeptieren", sagte IIHF-Präsident René Fasel. Der Weltverband müsse alles tun, um den globalen Kampf gegen das Coronavirus zu unterstützen: "Wir müssen jetzt den Sport beiseite lassen und den Regierungsbehörden und der Eishockey-Familie helfen."

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Reindl: "Nachvollziehbar konsequent"

DEB-Präsident Franz Reindl bezeichnete die Entscheidung als "nachvollziehbar konsequent". Der Eishockeysport trage "mit ganzer Kraft" zum Kampf gegen die Pandemie bei, fügte Reindl an.

DEB-Sportdirektor Stefan Schaidnagel erklärte: "Die Grundlage für die Ausrichtung einer WM ist schlichtweg nicht gegeben." Auch wenn die deutsche Mannschaft "einen starken Kader" gehabt hätte, stehe der Sport "momentan an zweiter Stelle".

Söderholm frustriert

Auch Bundestrainer Toni Söderholm reagierte mit großem Verständnis auf die Absage: "Derzeit ist es wichtig, den Fokus auf andere Dinge zu legen und gemeinsam mit Vernunft diese Krise zu meistern", schrieb der 42-Jährige bei Instagram, machte aber auch keinen Hehl aus seiner Frustration.

"Die Welt steht still! Der Höhepunkt der Saison wurde eben abgesagt. Natürlich bin ich enttäuscht darüber, dass all die Pläne und die harte Arbeit jedes Einzelnen nicht umgesetzt werden", betonte der Finne, der sich jedoch auch kämpferisch gab: "Alles Gute an alle, und wir kommen stärker zurück."

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Die Coronakrise hatte sich in der Alpenrepublik wie in vielen weiteren Ländern vor allem Europas weiter verschärft - bis hin zu Ausgangssperren und dem Ausruf des Katastrophenalarms.

Eine Verlegung des Turniers, das in Zürich und Lausanne hätte stattfinden sollen, in ein anderes Land sei nicht infrage gekommen. Ob die WM in der Schweiz in einem anderen Jahr nachgeholt werden kann, soll beim nächsten IIHF-Kongress diskutiert werden.

Die kommenden WM-Gastgeber bis zum Jahr 2025 stehen allerdings bereits fest: Weißrussland gemeinsam mit Lettland (2021), Finnland (2022), Russland (2023), Tschechien (2024) und Schweden gemeinsam mit Dänemark (2025).

Bereits im Vorfeld wenig Hoffnung auf WM

Der Schweizer Fasel hatte eine Absage bereits im Vorfeld angedeutet. "Mit der aktuellen Faktenlage ist es kaum vorstellbar, dass die WM durchgeführt wird. Wir haben eine Verantwortung gegenüber den Menschen im Land", hatte er dem Schweizer TV-Sender SRF gesagt.

Auch Reindl hatte so gut wie keine Hoffnung auf grünes Licht durch die zuständigen Schweizer Behörden gemacht: "Die Sachlage sieht ja jeder."

Und die Sachlage sah so aus: Der Puck wurde überall eingepackt. Nicht nur die Schweizer Topligen NLA und NLB sowie die Deutsche Eishockey Liga (DEL) hatten wegen der behördlichen Einschränkungen in der Coronakrise ihre Saison vorzeitig beendet, auch die beiden Turniere der Division 1 in Slowenien und Polen (27. April bis 3. Mai), wo die Aufsteiger zur A-WM ausgespielt werden sollten, wurden abgesagt.

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Trotzdem hatte sich das IIHF-Council bei einer Telefonkonferenz am vergangenen Dienstag noch nicht zu einer endgültigen Absage durchringen können, sondern die Entscheidung aufgrund der "sehr komplexen Lage" (Fasel) nochmals vertagt. Versicherungstechnische Fragen dürften bei dem Zeitpunkt der Absage auch eine Rolle gespielt haben. 

"Wir müssen das ordentlich machen und den Veranstalter, die Behörden, die Teilnehmer, Sponsoren und Partner einbeziehen", hatte Reindl diesbezüglich gesagt. Am Samstag konnte und wollte der Weltverband die Entscheidung nicht mehr weiter hinauszögern.

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