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München - Die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft bezwingt im WM-Viertelfinale die Schweiz nach Penaltyschießen und darf dank eines Briefmarken-Tores träumen.

68 Jahre ist es her, dass die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft bei einer Weltmeisterschaft eine Medaille holte, nun ist das nächste Edelmetall in Reichweite.

Denn nach einem epischen Shootout-Krimi im Viertelfinale steht das DEB-Team bei der WM in Riga in der Runde der letzten Vier. Nach dem dramatischen 3:2 (0:1, 1:1, 1:0, 1:0)-Sieg nach Penaltyschießen gegen die Schweiz brachen bei den Nationalspielern alle Dämme.

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Marcel Noebels hatte mit seinem Siegtreffer dafür gesorgt, dass die Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) ihren Erfolg von 2010 wiederholen konnte. Bei der Heim-WM hatte sie nach einem 1:0 gegen die Eidgenossen am Ende Platz vier belegt und damit das beste Resultat seit Silber 1953 erzielt. Am Samstag kämpft das Söderholm-Team gegen Finnland um den Einzug ins Endspiel (WM-Halbfinale: Deutschland - Finnland, Samstag ab 16.30 Uhr auf SPORT1 im Free-TV und Livestream).

"Das war ein Tor, von dem man eine Briefmarke macht", meinte Bundestrainer Toni Söderholm zum außergewöhnlichen Siegtreffer von Noebels. "Ein unglaublicher Shootout-Move", befand auch der zweimalige Stanley-Cup-Sieger Tom Kühnhackl im Gespräch mit SPORT1.

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Tor-Held Noebels selbst zeigte sich nach seinem beeindruckenden Penalty einfach nur erleichtert.

"Mein Herz ist um einiges tiefer gerutscht, als es normalerweise ist. Ich glaube, ich habe den Kopf einfach nur ausgeschaltet. Ich bin auch froh, dass ich nicht ganz so früh wusste, dass ich schieße. Dass ich den entscheidenden geschossen habe, ist eine riesige Sache für mich. Ich bin stolz und froh, Teil der Mannschaft zu sein. Es war heute wieder nicht einfach, wir sind wieder zurückgekommen und haben eine ganz geile Leistung auf das Eis gebracht", freute er sich im SPORT1-Interview.

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Gawanke erzwingt Verlängerung

Auch Tom Kühnhackl, dem in der Schlussphase des zweiten Drittels das Anschlusstor für die DEB-Auswahl gelungen war, lobte die Coolness seines Teams. "Wir vertrauen in unser System. Egal ob gute oder schlechte Dinge passieren. Wir bleiben geduldig. Das haben wir das gesamte Turnier bisher gemacht und es hat sich ausgezahlt", erklärte er.

In der Partie hatten zunächst Ramon Untersander (16.) und Fabrice Herzog (34.) die Eidgenossen, die 2013 und 2018 jeweils WM-Silber gewannen, in Führung geschossen. Dann setzte Kühnhackl mit seinem Anschlusstreffer wichtige Impulse frei.

Im Schlussdrittel drängte die deutsche Mannschaft auf den Ausgleich - und wurde kurz vor Schluss durch Leon Gawanke (60.) belohnt.

Noebels rechtzeitig fit

Ein Aufatmen gab es indes schon vor dem ersten Bully: Topscorer Noebels war rechtzeitig fit geworden. Der Spieler des Jahres in der PENNY DEL war beim hart umkämpften 2:1 im Vorrundenfinale gegen Gastgeber Lettland verletzt ausgeschieden, nachdem er das Siegtor erzielt hatte. Die Ärzte gaben grünes Licht. Zusammen mit seinen Berliner Klubkollegen Lukas Reichel und Leo Pföderl bildete der 29-Jährige wieder die deutsche Paradereihe.

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"Viel Tempo, viel Leidenschaft und aggressive Zweikämpfe" hatte Söderholm erwartet und von einer "großartigen Gelegenheit für uns" gesprochen. Und er hatte recht damit: Das K.o.-Duell, das erste Spiel für die Deutschen in der kleineren Halle im Olympiasportzentrum, begann noch intensiver als die Vorrundenpartien. 

Die Schweizer, die mit 27 Toren die zweitbeste Offensive der Vorrunde gestellt und zehn (!) Powerplay-Treffer erzielt hatten, hatten zunächst Probleme mit dem aggressiven deutschen Forechecking. Nur mit einer Einzelaktion durch Grégory Hofmann kamen die "Eisgenossen" gefährlich vor das Tor von Mathias Niederberger (6.). Die DEB-Auswahl setzte sich häufiger in der Angriffszone fest. 

DEB-Team übersteht Drei-gegen-fünf-Unterzahl

Als sich die Schweizer erstmals wirklich im deutschen Drittel festspielten, landete der Puck sofort im Tor. Verteidiger Untersander traf zur - zu diesem Zeitpunkt - überraschenden Führung des Favoriten. Erstmals in diesem Turnier stand Routinier Korbinian Holzer bei einem Gegentor auf dem Eis.

Die Schweizer erhöhten im Mittelabschnitt den Druck, ihr NHL-Star Timo Meier kam besser zum Zug. Der Mannheimer Matthias Plachta musste wegen eines Bandenchecks für zwei plus zehn Minuten auf die Strafbank, nur 22 Sekunden später leistete ihm Kühnhackl dort Gesellschaft - und die Eidgenossen konnten ihr gefürchtetes Überzahlspiel sogar mit fünf gegen drei aufziehen. Doch Holzer und Co. verteidigten aufopferungsvoll. 

Kühnhackls drittes Turniertor weckte neue Hoffnung. Die DEB-Auswahl ging mit zusätzlicher Energie ins Schlussdrittel, erhöhte den Druck und erzwang mit dem Ausgleich 44 Sekunden vor Schluss die Verlängerung.

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Mit Sport-Informations-Dienst (SID)

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