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Tausende Fans standen stundenlang Schlange, um beim IEM dabei zu sein
Tausende Fans standen stundenlang Schlange, um beim IEM dabei zu sein © SPORT1
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Kattowitz - Bei den Intel Extreme Masters, einem der größten eSports-Events der Welt, zeigt sich die polnische Stadt Katowice im Rausch des elektronischen Sports.

Ein kleiner zehnjähriger Junge schaut mit großen Augen auf die Leinwand. Neben ihm sitzt sein Vater, der die Hand hält. Gemeinsam mit 11.000 anderen Fans schauen sich die beiden das Endspiel der Intel Extreme Masters 2018 in Katowice an.

Eine Szene, die allein aus Jugendschutzgründen niemals so in Deutschland zu sehen wäre.

Es ist das Finale bei einem der größen eSports-Events des Globus. Gespielt wird das Shooterspiel Counter-Strike: Global Offensive, auf dem Spiel stehen 250.000 US-Dollar für den Sieger. Der kleine Junge ist nicht der einzige Zuschauer in der Altersklasse.

Schlangen bei -15 Grad

Über zwei Wochenenden läuft das Event, welches mit IEM abgekürzt wird. Neben CS:GO werden weitere Spiele übertragen und bejubelt. Das Interesse in der 300.000-Einwohner-Stadt Katowice ist so groß, dass bereits Stunden vor dem offiziellen Einlass lange Schlangen gebildet werden. Dabei sind es draußen teilweise -15 Grad.

Feuertonnen, Thermoskannen und dicke Decken sind die gewählten Mittel gegen die Kälte. Da wird auch mal der Security-Mann zum Anheizer, in dem er ein Lied anstimmt und die Menschenmenge im Takt dazu hüpft. Alles wohlgemerkt noch vor dem Öffnen der Arena-Tore.

Schuleschwänzen für eSports

Ein Kommentator der eSports-Turniere brachte einigen Fans, die bereits in der Nacht für den nächsten Event-Tag vor dem Eingang campierten, warmes Essen vorbei. Am Freitag schwänzten gleich mehrere Jugendliche die Schule, um früh in die Spodek Arena hineinzukommen.

IEM Katowice 2018: Das war der Samstag

Der eSports ist Teil der Jugendkultur und fest im Alltag vieler Teile der Bevölkerung verankert. Die Spieler sind Idole, bei denen die Anhänger bis zu drei Stunden anstehen, um Autogramme auf Mauspads zu bekommen.

Auf dem Arena-Vorplatz waren große Leinwände aufgebaut, auf denen die Spiele der Athleten übertragen wurden. So entstand ein wenig das Gefühl des in Deutschland beliebten Public Viewings. Und das trotz der eisigen polnischen Kälte und ohne Fußball-Weltmeisterschaft.

Virtus.pro scheitert frühzeitig

Die Lokalmatadoren von Virtus.pro sind eines der beliebtesten Teams der CS:GO-Szene. Sie schieden allerdings sang- und klanglos in der Vorrunde aus - sehr zum Leidwesen vieler Besucher. Spieler Jarosław "pasha" Jarząbkowski war im SPORT1-Interview den Tränen nahe, als er erklärte, wie es sei, den großen Auftritt in der Halle zu verpassen.

eSports-Legende will eigene Gaming-Schule

Doch auch ohne Matches auf der großen Bühne, war das Virtus-Shirt das meistgetragene in der ganzen Arena. Einfach auch, um zu zeigen, dass die Träger Teil der Szene sind. Es ist das Miteinander und der Spaß an virtuellen Wettkämpfen, der zusammenschweißt.

Natürlich freuen sich die Polen mehr am Erfolg ihrer Landsmänner. Doch vorrangig sind sie Fans von gutem eSports - und wenn dieser dann vom internationalen Super-Lineup des FaZe Clans abgeliefert wird, grölt die Halle eben für dieses Team.

Seit 2014 kommen die IEM nach Katowice. Und auch die diesjährige Ausgabe hat einmal mehr bewiesen, welches Gefühl und welche Euphorie der eSports erzeugen kann. Eine Entwicklung, die auch weit über die Grenzen Polens hinausgeht.

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